Blick von Pödelwitz zum Tagebau Vereinigtes Schleenhain
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Echt | MDR FERNSEHEN | 27.11.2018 | 21:15 Uhr Heimat contra Kohle – Ein Dorf wehrt sich

Pödelwitz, im Landkreis Leipzig, ist auf den ersten Blick ein romantisches Dorf, mit alten Kastanien, einer ehrwürdigen Kirche, deren Grundmauern aus dem 13. Jahrhundert stammen. Schaut man sich weiter um, entdeckt man aber überall auch leerstehende Häuser. Pödelwitz gleicht einem Geisterdorf. Viele Menschen haben es inzwischen verlassen, denn die Braunkohlebagger rücken unaufhörlich näher.

Blick von Pödelwitz zum Tagebau Vereinigtes Schleenhain
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Nur noch dreihundert Meter von der Abbruchkante des Tagebaus Vereinigtes Schleenhain entfernt sind die ersten Grundstücke. Pödelwitz war einst die Heimat von 137 Menschen. Vor sechs Jahren macht die MIBRAG ein Angebot: Gegen eine lukrative Entschädigung sollen die Pödelwitzer ihr Dorf verlassen. Die meisten nehmen das Angebot an und ziehen fort. Doch 27 Einwohner entschließen sich zu bleiben.

Heimat seit Jahrhunderten

Jens Hausner gehört dazu. Über 300 Jahre ist seine Familie im Dorf verwurzelt. Er ist Sprecher der Bürgerinitiative Pro Pödelwitz. Mit allen Mitteln wollen sie ihr Dorf verteidigen und für den Erhalt ihrer Heimat kämpfen. Die Bürgerinitiative argumentiert damit, dass Pödelwitz in absoluter Randlage des Tagebaus liege und im Braunkohleplan für die Versorgung des Kraftwerkes Lippendorf nicht zur Überbaggerung vorgesehen sei.

Existenz und Energie

Tagebau Vereinigtes Schleenhain mit dem Kraftwerk Lippendorf im Hintergrund
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Auf der anderen Seite dieser Geschichte stehen 220 Bergleute, die hier im Tagebau Vereinigtes Schleenhain die Braunkohle fördern und damit nicht nur ihre Existenz und die ihrer Familien sichern, sondern auch Strom und Wärme für Leipzig. 11 Millionen Tonnen Braunkohle für das benachbarte Kraftwerk Lippendorf werden hier jährlich gefördert. Die Pläne sehen eine Förderung und den Betrieb des Kraftwerks bis 2040 vor. Unterhalb von Pödelwitz werden mehr als 20 Millionen Tonnen Braunkohle vermutet.

Pödelwitz, das neue Heuersdorf?

Die Auseinandersetzung um Pödelwitz erinnert an Heuersdorf, dass nach langem Widerstand der Bewohner 2010 für den Tagebau Schleenhain abgetragen wurde. Ein Urteil des Sächsischen Verfassungsgerichtshofs bestätigte damals das sogenannte "Heuersdorf-Gesetz", welches die Abbagerung regelt. In diesem Gesetzgebungsverfahren wurden Pödelwitz und andere Orte als „Schutzgut“ klassifiziert. Demnach sollte Heuersdorf das letzte abgebaggerte Dorf in Sachsen bleiben.

Tagebau Vereinigtes Schleenhain
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Zuletzt aktualisiert: 04. Dezember 2018, 14:20 Uhr