Echt | MDR FERNSEHEN | 10.04.2018 | 21:15 Uhr Giftschlamm und Altlasten – Der Silbersee in der Altmark

Brüchau in der Altmark ist auf den ersten Blick ein Kleinod. Umgeben von Wiesen und Wäldern, abgelegen von größeren Verkehrswegen. Genau das ist es, was die meisten Einwohner an Brüchau so sehr schätzen. Doch zu ihrem Dorf gehört seit den 1970er-Jahren auch eine Giftmülldeponie. Eine ehemalige Tongrube, in die im Lauf der Jahrzehnte 130.000 Kubikmeter Bohrschlamm aus der Erdgasförderung abgekippt wurden - hochbelastet mit Quecksilber, Säuren und Arsenstoffen.

Die Bohrschlammdeponie bei Brüchau
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Echt Di 10.04.2018 21:15Uhr 29:23 min

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Das Schlammloch, etwa so groß wie ein Fußballfeld, gilt als eine der größten Umweltsünden im Land. Im Sommer wabert oft ein silbriger Film über dem Silbersee, der eigentlich Quecksilbersee heißen müsste, sagt Christfried Lenz von der Initiative "Saubere Umwelt und Energie in der Altmark". Und als wäre all das Gift noch nicht genug, enthält der von Stacheldraht umzäunte Tümpel auch noch radioaktive Substanzen. Seit 1969 werden hier giftige Bohrschlämme, die bei Erdgasbohrungen entstanden sind, gelagert.

Die Altmark zählt zu den größten Erdgasfördergebieten Europas. Bis ins Jahr 2012 sind giftige Bohrschlämme in Brüchau entsorgt worden, trotzdem schon zuvor Quecksilberspuren bei Messungen im Grundwasser nachgewiesen worden sind. Ein Hinweis darauf, dass die Lehmkuhle undicht ist. Anders als die französische Betreiberfirma behauptet, ist aus Sicht von Lenz und seinen Mitstreitern große Gefahr im Verzug. Auf eigene Faust haben die Bürger hier Umfragen gemacht, die beunruhigende Fakten ans Licht bringen: Die Krebsrate bei den alteingesessenen Brüchauern ist doppelt so hoch wie im Landesdurchschnitt.

Grafik Tonschicht unter Bohrschlammdeponie bei Brüchau
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Variante für die Sanierung der Bohrschlammdeponie bei Brüchau
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Nun gibt es zwei unterschiedliche Lösungsvorschläge. Ausbaggern oder Abdecken. Doch wie aufwändig ist es wirklich, eine der größten Umweltsünden loszuwerden? Und so wie in Brüchau steht man in Sachsen-Anhalt vor vielen weiteren Lehmkuhlen, die für die Einlagerung von gefährlichen Stoffen freigegeben wurden.
Moderator Sven Voss fragt nach: Wohin mit diesem giftigen Erbe? Welche Auswege gibt es?

Zuletzt aktualisiert: 11. April 2018, 09:31 Uhr