Echt | MDR FERNSEHEN | 11.03.2020 | 21:15 Uhr David gegen Goliath – Zöschen wehrt sich

Es ist das Mega-Projekt der Energiewende: Der SuedOstLink - eine 535 Kilometer lange Stromautobahn quer durch Deutschland, verlegt vom Netzbetreiber 50hertz. Der SuedOstLink soll den Wind-Strom aus dem Norden nach Süden bringen, dorthin, wo bald die Atomkraftwerke abgeschaltet werden. Die Stromautobahn soll unterirdisch verlaufen: ein 525.000 Volt-Erdkabel in Gleichstrom-Technik.

Blick auf den Ort Zöschen 30 min
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Wird das Kabel von oben vergraben, schneidet eine über 30 Meter breite Schneise durch die Landschaft. Landwirtschaftlich kann die wahrscheinlich genutzt werden, jedoch darf sie nie wieder bebaut oder mit Bäumen bepflanzt werden.

Moderator Sven Voss nimmt uns mit nach Zöschen, einem Dorf gleich an der Elster-Luppe Aue. Hier hat Uta Reulecke über 1.000 Unterschriften gegen den SuedOstLink gesammelt. Die Anwohner haben ganz konkrete Sorgen: 525.000 Volt, was bedeutet das für Menschen, die daneben leben oder Tiere, die dort grasen und Bauern, die gleich darüber ihren Weizen anbauen? Solch eine mächtige Stromleitung erzeugt ein elektrisches und magnetisches Feld dazu Wärme. Ist das schädlich für Menschen, Tiere oder Pflanzen?

"Echt" hat einen Exklusivtermin an dem Ort, von dem aus das ostdeutsche Stromnetz reguliert wird: das 50 hertz Transmission Control Centre in Berlin-Neuenhagen. Ein unüberschaubares Gewirr von bunten Linien flimmert über etliche vernetzte Monitore. "Wir überwachen hier den Energiefluss für ganz Ostdeutschland, um jederzeit die Balance zwischen Erzeugung und Verbrauch zu sichern.", erklärt Dr. Frank Golletz, Technischer Leiter. Für 50hertz geht es nicht nur um die Stromlieferung von Nord nach Süd, sondern auch um Versorgungssicherheit, denn die erneuerbaren Energien schwanken stark in ihrer Einspeisung.

Alternativen zu Stromtrassen?

Biogasanlage 3 min
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Mo 09.03.2020 12:49Uhr 02:36 min

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Grafik Power to Gas 1 min
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Die Menschen, die sich in Zöschen ihre Existenz aufgebaut haben, sind in großer Sorge um ihre Familien und ihre Heimat. Sie fragen: Warum muss der SuedOstLink gerade hier verlaufen? "Echt" trifft den Mann, der die Trasse bei Zöschen geplant hat: Projektleiter Mark Pazmandy: "Wir haben entlang des Korridorverlaufs immer wieder Stellen, wo wir nah an Naturschutzgebiete oder Siedlungsflächen herankommen. Das sind für uns planerische Herausforderungen. Der Verlauf bei Zöschen ist so ein Fall." Wie kann das Energieunternehmen den Sorgen der Bevölkerung und auch der Landwirte gerecht werden? "Echt" hakt nach im agrarwissenschaftlichen Labor der Universität Halle. Hier wird in einem Langzeitexperiment untersucht, welche Auswirkungen die Wärmeabstrahlung eines Erdkabels auf die Bodennutzung der Landwirtschaft hat.