Echt | MDR FERNSEHEN | 12.08.2020 | 21:15 Uhr Höhenrausch, Macht und Nazis – Die geheime Windkraftrevolution

Bis zu 500 Meter hohe Bauwerke, mit drei und mehr riesigen Doppel-Rotoren an der Spitze, jeder mit einem Durchmesser von 160 Metern und einer Leistung von 20 Megawatt: So sah sie aus eine Vision für Windkraftanlagen aus den 1930er-Jahren, entwickelt von Hermann Honnef. Der Erfinder wollte die Höhenwinde nutzen und damit Elektrizität erzeugen.

Animation Höhenwindkraftwerk nach Hermann Honnef
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In den Expansionsplänen der Nazis spielt die autarke Energieversorgung eine entscheidende Rolle. Ab 1940 entwickelt der Luftfahrttechniker Hermann Honnef die Grundlagen der modernen Windkraft. Dazu errichtet er kleine Versuchsanlagen nördlich von Berlin. Seine Visionen sind viel größer: Wolkenkratzer mit Windkraftwerken zur Energieversorgung für die Megacitys von morgen. Seine Pläne erweisen sich als nicht realisierbar ... Honnef ist Stahlbauer, 1925 hatte er mit seiner Firma das damals höchste Gebäude in Deutschland errichtet. Der Mittelturm zur Abspannung von Drahtantennen für den Sender Königs Wusterhausen bei Berlin wird 243 Meter hoch. Rotoren aus Stahl aber sind schwer, in solcher Höhe halten sie den Windkräften nicht stand.

VENTIMOTOR und Ulrich Hütters Experimente in Weimar

Der Moderator.
ECHT-Moderator Sven Voss in Weimar Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Um auf dem Gebiet weiterzukommen braucht es einen Aerodynamiker, der die Gesetze des Windes kennt. Der Luftfahrttechniker Ulrich W. Hütter entwirft im Auftrag von SS-Brigadeführer Walther Schieber die ersten wissenschaftlich fundierten Windkraftanlagen der Welt.

Lange Zeit war diese Geschichte völlig unbekannt. Im riesigen Aktenbestand des Thüringer Hauptstaatsarchivs in Weimar stieß der Historiker Dr. Rüdiger Stutz auf den Namen einer geheimnisvollen Firma, von der er noch nie gehört hatte: VENTIMOTOR.

Der Schriftzug Ventimotor.
Geheimnisvolle Firma Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Exklusiv bei ECHT erzählt Heiner Dörner, Schüler von Ulrich Hütter, von dessen bahnbrechenden Aerodynamik-Forschungen bei der VENTIMOTOR in Weimar. Auf dem Webicht bei Weimar hatte Hütter verschiedene Windkraftanlagen getestet. Es fehlte ihm weder an Geld noch an Material. Das streng geheime Projekt war ganz oben angebunden. Unterstützt wurde Hütter sogar von den Thüringer Gustloff-Werken, dessen Chef der hohe Nazi-Funktionär Walther Schieber gewesen ist, gut angesehen bei Hitler und seinem Rüstungsminister Speer. Ohne Ulrich Hütters Experimente in Weimar wäre die moderne Windkraft nicht denkbar. Nach dem Krieg avancierte er zum "Windpapst" in Westdeutschland. ECHT lüftet die Geheimnisse der Windkraftformel der Nazis.

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