Echt | MDR FERNSEHEN | 12.06.2018 | 21:15 Uhr Strahlende Halden, Einstürzende Gruben - Wismuts gefährliches Erbe

Nach den amerikanischen Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki räumte die Führung der Sowjetunion der Entwicklung einer eigenen Atombombe oberste Priorität ein. Da das Land nicht über genügend Uran verfügte, wurde mit der Suche in den sowjetisch kontrollierten Gebieten begonnen. Auch im Erzgebirge wurden die Geologen fündig. 1947 wurde unter dem Tarnnamen Wismut eine "Staatliche Aktiengesellschaft der Buntmetallindustrie" gegründet, die ihren Sitz in Aue hatte.

sanierte Abraumhalde
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Echt Di 12.06.2018 21:15Uhr 29:42 min

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Durch ganz Sachsen und große Teile Thüringens zieht sich das Einzugsgebiet der Wismut. Insgesamt hat die DDR etwa 216.300 Tonnen Uran geliefert, ausreichend für 90.000 Atombomben, schätzen Experten. Auf Drängen der Sowjetunion wurde die DDR zum viertgrößten Uranproduzenten der Welt. Mit gefährlichen Folgen: Bei etwa 9000 Wismutkumpeln ist seit 1946 Lungenkrebs als Berufskrankheit anerkannt worden und noch heute kommen neue Fälle dazu.

Ein weiteres Erbe sind Halden und alte Bergwerke. Die riesigen Abraumhalden waren z.B. in Schlema unübersehbar. Nach dem Ende der Förderung mussten sie so behandelt werden, dass von dem radioaktiven Erz keine Gefahr mehr ausgehen kann. Ein weniger augenscheinlicher Standort befindet sich in der Sächsischen Schweiz. Am Fuße der Festung Königstein begann 1967 die Förderung. Das Grubenfeld zwischen Struppen und Königstein hat eine Größe von sieben Quadratkilometern. Bis 1990 wurden hier 18.000 Tonnen Uran gewonnen, ab den 1970er-Jahren auch mit chemischen Verfahren. Mit Hilfe einer schwefelsauren Lösung wurde das Uran aus dem Sandstein gelaugt. Deshalb ist die Sanierung hier besonders aufwändig. Bis heute muss das Grubenwasser aufbereitet und Uran herausgefiltert werden. Im letzten Jahr wurden noch 34 Tonnen schwach strahlendes Uran exportiert. Die Gewinne sind im Vergleich zu den Sanierungskosten ein Tropfen auf den heißen Stein.

Zuletzt aktualisiert: 13. Juni 2018, 10:00 Uhr