Echt | MDR FERNSEHEN | 06.03.2019 | 21:15 Uhr Strahlende Halden - Neue Landschaften

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Wismut – das steht jahrzehntelang für Uranbergbau. Im sächsischen Erzgebirge und in Thüringen rund um Ronneburg wurden seit 1946 251.000 Tonnen Uranerz gefördert. Raubbau an Mensch und Natur. Zurück blieben strahlende Halden und riesige Bergwerke. Bei etwa 10.000 Wismutkumpeln werden schwere Lungenschäden als Berufskrankheit anerkannt.

In den 45 Jahren der Wismutära werden im Erzgebirge mehr als 300 Schächte in den Untergrund getrieben. 4.200 Kilometer lang sind allein die Strecken im größten Bergwerk Europas unterhalb von Bad Schlema und Aue.

Wismut-Kumpel Walter Heinig 3 min
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Wismut-Kumpel Walter Heinig dokumentierte am Ende der Wismutära mit seiner Videokamera die Arbeit unter Tage.

Mi 06.03.2019 21:15Uhr 02:47 min

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Video

Walter Heinig ist Bergmann mit Leib und Seele. Seit 1974 arbeitete er bei der Wismut. 1990, am Ende der Wismutära, hat er heimlich eine Videokamera dabei, dokumentiert ungeschönt die Arbeit unter Tage. Erinnerungen festhalten - authentisch - darum geht es ihm und seiner Brigade.

Ständig waren die Kumpel radioaktiver Strahlung ausgesetzt. Die Arbeitsschutzvorschriften sind streng, Staubvermeidung ist das A und O. In den wilden Anfangsjahren der Wismut war das noch anders. 1946 betreten sowjetische Suchtrupps die alten Bergwerke. Sie suchen nach Uran für die Atomindustrie und Bomben. Die Zeit drängt, denn die Amerikaner haben die Bombe bereits. Arbeitskräfte werden mit gutem Lohn und höheren Lebensmittelrationen angeworben. Von 6.500 Menschen nach Kriegsende wächst Johanngeorgenstadt bis 1952 auf 32.000 Einwohner an. Etwa zwei Tonnen Gestein müssen die Wismutkumpel hier aus dem Berg hauen, um ein Kilogramm hochkonzentriertes Uran zu gewinnen. Damals gibt es weder gute Belüftung noch ausreichenden Arbeitsschutz in den Schächten. Die Krebsrate ist bei Kumpeln aus dieser Zeit besonders hoch.

Johanngeorgenstadt
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In Johanngeorgenstadt hat der Uranbergbau besonders tiefe Wunden hinterlassen. Stück für Stück wurde die Altstadt abgerissen, weil der Untergrund mit dem Ausbau der Bergbauschächte brüchig wurde. Tiefe Spuren hinterlässt nicht nur die Förderung. Das schwerste Erbe hinterließ bis heute die Uranaufbereitung. Das Uranoxid wurde mit Schwefelsäure und anderen Chemikalien aus dem Erz herausgelöst. Tonnenweise Rückstände, giftiger und strahlender Schlamm, wurden in ehemalige Urantagebaulöcher gepumpt. Die Sanierung der Hinterlassenschaften ist die Aufgabe der bundeseigenen Wismut GmbH, des Nachfolgeunternehmens der Sowjetisch-Deutsche Aktiengesellschaft Wismut. Rund 6,4 Milliarden Euro aus dem Bundeshaushalt wurden dafür bisher eingesetzt.  

Zum Start der neuen Echt-Staffel: Sven Voss bei MDR um 4

Sven Voss im Gespräch 22 min
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Zuletzt aktualisiert: 06. März 2019, 21:15 Uhr