Echt | MDR FERNSEHEN | 13.03.2019 | 21:15 Uhr Alte Schächte - Neue Hürden

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Ende der 1980er-Jahre ist die DDR Drittgrößter Uranproduzent der Welt – mitten in dicht besiedelter Region. Die Schächte reichen bis in 2000 Meter Tiefe. Unterhalb von Bad Schlema, Aue und Schneeberg befindet sich damals das größte Bergwerk Europas. Bis 1991 hatte die SDAG Wismut über 250.000 Tonnen Uran gewonnen. Dafür fiel über 300 Millionen Kubikmeter Abraum an, außerdem 150 Millionen Kubikmeter Aufbereitungsrückstände - die Sanierung ist eine riesige Herausforderung.

Irreparabel ist der Verlust von Heimat für viele Menschen, deren Häuser und ganze Ortschaften wegen des Uranerzabbaus abgerissen wurden. Zum Beispiel das Dorf Culmitzsch in Thüringen. Ab 1955 wurde in unmittelbarer Nähe ein Tagebau erschlossen, der später als Absetzanlage für Schlämme und Abwässer aus der Uranaufbereitung genutzt wurde. Ein riesiger aufgeschütteter Damm hinter dem Dorf trennt die Bewohner vom hochgiftigen Schlamm. 1962 bricht ein kleinerer Damm eines Absetzbeckens und radioaktives Wasser strömt bis nach Culmitzsch.

Culmitzsch
Bildrechte: Reinhard Poltsch

1964 gibt es einen geheimen Ministerratsbeschluss: Culmitzsch ist aus Sicherheitsgründen innerhalb der nächsten fünf Jahre zu räumen. Die Menschen werden zunächst im Ungewissen gehalten. Die Anwohner erfahren erst wenige Tage vorher, dass sie ihre Häuser aufgeben müssen. Bis 1970 war der Ort vollständig verschwunden.

Der Schlammteich beim ehemaligen Culmitzsch ist das größte Uranabsetzbecken der Welt. Die Wismut GmbH, der bundeseigene Nachfolgebetrieb der SDAG Wismut, steht hier seit Anfang der 1990er vor einer weltweit unerprobten Sanierungsaufgabe. Nachträglich kann der Untergrund nicht mehr abgedichtet werden. Die riesigen Schlammbecken werden nur von oben versiegelt.

Grafik sanierte Absetzanlage
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Um zu verhindern, dass kontaminierte Wässer aus der Grube ins Grundwasser gelangen, versuchen die Sanierer mit sogenannten Vertikaldrainagen das Wasser aus dem Schlamm nach oben zu leiten. Das gelingt nur zum Teil. Nach wie vor gelangt kontaminiertes Porenwasser aus dem Schlammkörper ins Grundwasser. Noch Jahrzehnte – wahrscheinlich gar Jahrhunderte – muss das Grundwasser hier aufwändig überwacht und aufbereitet werden.

Zuletzt aktualisiert: 13. März 2019, 21:15 Uhr