Echt | MDR FERNSEHEN | 14.11.2017 | 21:15 Uhr Einsam im Wolfsrevier – Existenzkampf gegen die grauen Räuber

Der Wolf ist zurück in Deutschland. Meist bekommen seine Anwesenheit zuerst die Nutztierhalter zu spüren. Vor allem Schäfer sehen jetzt ihre Existenz bedroht. Kann ein Nebeneinander von wehrlosen Schafen auf der Weide und der grauen Räuber im Wald nebenan funktionieren? Mancherorts haben die Wölfe auch schon nah an den Häusern Beute gemacht.

Sven Voss
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Echt Di 14.11.2017 21:15Uhr 29:24 min

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Überall auf der Wiese verteilt – zerfetzte Tiere, Gedärme und Blut. Als Joachim Rohloff aus Tangerhütte am Morgen des 20. März 2016 bei seinen 80 Schafen  nach dem Rechten schauen will, traut er seinen Augen nicht. Um zu verstehen was hier geschehen ist, braucht er keinen Rissgutachter. Jetzt hat es auch ihn erwischt. 18 tragende  Muttertiere überleben diesen Wolfsangriff nicht. Zwei Wochen später fallen Wölfe über eine weitere seiner Herden her und töten wieder fünf Tiere.

Den besten Schutz bieten speziell ausgebildete Herdenschutzhunde

Herdenschutzhund
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Schäfer Rohloff hatte vorschriftsmäßig Elektrozäune aufgestellt, dafür wurde er vom Land finanziell unterstützt. Doch schützen konnten sie seine Tiere nicht. Wenn er als Schäfer mitten im Wolfsgebiet überhaupt noch eine Zukunft haben will, hat er nur eine Wahl: Er muss über die Anschaffung von Herdenschutzhunden nachdenken. Um seine 5 Herden zu schützen, braucht er acht Hunde. Kosten: 38.000 Euro. So viel Geld hat er nicht. Ein Naturschutzverband ist eingesprungen und beschaffte aus Spendengeldern wenigstens zwei Herdenschutzhunde. Dennoch plagen Joachim Rohloff Zukunftsängste. Und so wie ihm geht es vielen Schäfern.

Auch Thüringen wird Wolfsland

In Thüringen war bisher eine Wölfin auf dem Truppenübungsplatz Ohrdruf nachgewiesen. In diesem Sommer stiegen die Übergriffe auf Schafe und Ziegen sprunghaft an. Fast 80 Tiere verloren die Halter in der Gegend um den Truppenübungsplatz. Die Vermutung lag nahe, dass die Wölfin nicht mehr allein ist. Seit Oktober steht fest: Die Wölfin hat Nachwuchs. Durch Bilder einer Fotofalle konnten sechs Jungtiere nachgewiesen werden. Allerdings sind die Welpen keine reinrassigen Wölfe, sondern Mischlinge aus Wolf und Haushund, sogenannte Hybriden. Aus Artenschutzgründen müssen solche Tiere aus der Natur entnommen werden, damit sie sich nicht weiter vermehren. Nachdem es starke Diskussionen gab, hat das Thüringer Umweltministerium jetzt entschieden: Die Hybriden werden nicht getötet, sondern eingefangen und in einen Tierpark gebracht.

Ohrdruf Bilder von Wolfhybriden veröffentlicht

Die Ohrdrufer Wölfin hat offenbar sechs Jungen. Dabei handelt es sich um Mischungen zwischen Wolf und Hund. Das Umweltministerium gab jetzt Fotos des Nachwuchses frei - eingefangen von einer Kamera.

Wolf in freier Wildbahn von einer Fotofalle aufgenommen
Die Fotos entstanden in der Nacht auf den 1. Oktober beim Angriff auf einen Nachtpferch. Bildrechte: Bundesforst
Wolf in freier Wildbahn von einer Fotofalle aufgenommen
Die Fotos entstanden in der Nacht auf den 1. Oktober beim Angriff auf einen Nachtpferch. Bildrechte: Bundesforst
Wolf in freier Wildbahn von einer Fotofalle aufgenommen
Dort war eine Kamera befestigt. Bildrechte: Bundesforst
Wolf in freier Wildbahn von einer Fotofalle aufgenommen
Der Angriff scheiterte laut Umweltministerium am Zaun. Bildrechte: Bundesforst
Wolf in freier Wildbahn von einer Fotofalle aufgenommen
Am Donnerstag gab das Umweltministerium bekannt, dass die Ohrdrufer Wölfin Junge bekommen hat. Bildrechte: Bundesforst
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Millionen Schafe in Nachbarschaft mit 3000 Wölfen

ECHT-Moderator Sven Voss fragt: Wölfe neben Schäfern – Kann das gehen? Deshalb ist ECHT nach Rumänien gereist. Hier weiden einige Millionen Schafe in Nachbarschaft mit 3000 Wölfen und 5000 Bären. Wenn die Schäfer hier im Frühjahr mit den Tieren auf die Weiden ziehen, bleiben sie bei den Herden. Außerdem sind  Herdenschutzhunde im Einsatz. Die Zahl der Risse durch Wölfe und Bären hält sich so in Grenzen, berichten uns Schäfer. Sie mögen die gefährlichen Räuber nicht, haben aber gelernt mit ihnen zu leben. 

Christoph Bromberger
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Echt | MDR FERNSEHEN | 14.11.2017 | 21:15 Uhr ECHT in Rumänien

ECHT in Rumänien

Di 14.11.2017 21:15Uhr 03:27 min

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ECHT trifft Christoph Promberger in Rumänien. Der anerkannte Wolfsexperte sammelt hier seit Jahren Fakten zur Gefährdung durch diese Raubtiere. Die Wölfe waren in Rumänien nie verschwunden, im Gegensatz zu Deutschland, wo sie vor über hundert Jahren ausgerottet wurden. Deshalb sind sich die Schäfer schon immer der Gefahr bewusst und sind auf die Wölfe eingestellt. Bei uns müssen Schutzmaßnahmen erst wieder neu verankert werden. Das macht Arbeit und kostet Geld. Fest steht, dass sich die Wölfe weiter ausbreiten werden. Wenn das Nebeneinander von Schafshaltung und den Räubern möglich sein soll, brauchen die Schäfer Unterstützung.

Zuletzt aktualisiert: 15. November 2017, 10:21 Uhr