ECHT | MDR-Fernsehen | 16.09.2020 | 21:15 Uhr + Online first Kampf um den Gips

Die Karstlandschaft im Südharz gehört zu den schönsten Regionen Deutschlands. Artenreich ist sie noch dazu. Doch in der Gegend gibt es einen begehrten Rohstoff, der Run darauf bedroht die Idylle. Moderator Sven Voss ist im Gespräch mit Naturschützern, Anwohnern und Unternehmern – und er fragt Experten nach Alternativen zum Gips.

Der Moderator steht auf einem Gipsberg 30 min
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Die Gipskarstlandschaft im Südharz gehört zu den schönsten Regionen Deutschlands. Zugleich zeichnet sie sich wegen ihrer Artenvielfalt aus. Stefan Gärtner ist mit seiner Familie vor Jahren wegen der Ruhe in der Gegend nach Rüdigsdorf gezogen. Auch Isolde Schurig aus Niedersachswerfen liebt die Idylle, besonders die gut ausgebauten Wanderwege der Region. Doch drohen diese nun von riesigen Steinbrüchen unterbrochen zu werden. Denn in der gut 100 Kilometern langen und nur wenige Kilometer breiten Region gibt es einen begehrten Rohstoff: Naturgips.

Ein Rohstoff begehrt wie nie

Ob im Bauwesen, etwa als Gipsbauplatte, oder bei der Formenfertigung in der Industrie – Gips ist wegen seiner Vielseitigkeit begehrt wie nie. Entsprechend drängt die Industrie darauf, den Abbau in der Region wegen steigenden Bedarfs zu verdoppeln. Der Grund: Durch den Kohleausstieg fällt bis 2038 mehr als die Hälfte der jährlich benötigten Menge von gut zehn Millionen Tonnen weg – der sogenannte REA-Gips, ein Nebenprodukt der Kohleverstromung.

Industrie vs. Naturschutz

Die Folge: der alte Konflikt zwischen Gipsindustrie und Naturschützern ist wieder voll entbrannt – Ausgang ungewiss. ECHT-Moderator Sven Voss fragt nach, wie dieser Konflikt ausgetragen wird, beispielsweise in Stempeda: Dort etwa will das Unternehmen Knauf einen Gebietstausch vornehmen, um weiter großflächig Gips abbauen zu können. Die Anwohner sind empört, denn dabei würde der Steinbruch des größten Gipsförderers bis kurz vor ihre Häuser heranrücken. Sie fürchten eine Verschlechterung der Lebensbedingungen, mehr Dreck, mehr Lärm. Weitere Brennpunkte: das neue Abbaugebiet am Kuhberg bei Rüdigsdorf und die beiden Steinbrüche Rüsselssee und Himmelsberg. Auch hier sind Erweiterungen geplant.

Alternativen gefragt

Aber es gibt Alternativen. Heidi Schell vom BUND meint, die Gips-Lücke könnte mit REA-Gips kompensiert werden, der bisher ungenutzt auf Halden gelagert wird. Der Naturschutzbund fordert nicht die Einstellung des Gips-Abbaus. Das wäre unrealistisch und wirtschaftlich kaum vertretbar. Er will verhindern, dass neue Flächen dazukommen, um unsere Landschaft zu schützen und für Touristen attraktiv zu halten.

Das sieht Andreas Hübner vom Unternehmen CASEA anders. Er betont, ohne Gips gibt es keinen Zement. Schon dieses Jahr stehe Gips nicht mehr in ausreichender Menge zur Verfügung, der Kohleausstieg sei bereits voll im Gang. Deshalb setzt das Unternehmen auch auf Recycling und ist dazu beteiligt an der Erforschung von Gips-Ersatzstoffen.

ECHT fragt: Können alternative Stoffe Naturgips tatsächlich langfristig ersetzen – und wenn ja, in welchen Branchen genau? Nach dem Kohleausstieg steigt der Bedarf an Naturgips: Wer setzt sich durch im Ringen um den begehrten Rohstoff – Anwohner, Naturschützer oder Industrie?

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | ECHT | 16. September 2020 | 21:15 Uhr