Der Osten - Entdecke wo du lebst Die Annaberger KÄT – Das große Fest im Erzgebirge

Ein Riesenrad. 45 min
Die Annaberger KÄT. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Eigentlich ist Annaberg-Buchholz als Weihnachtsstadt bekannt. Doch nicht nur im Advent halten sich hier im Erzgebirge die Traditionen über Jahrhunderte. Es ist ein wahres Wunder, wie ein Volksfest ein halbes Jahrtausend lang bestehen kann und wie es bis heute gelingt, mehr als nur ein Rummel zu sein.

Die Rede ist von der "KÄT" – vor mehr als 500 Jahren sozusagen als Gipfel einer klugen PR-Maßnahme ins Leben gerufen und seither – mit der einen und anderen ungewollten Unterbrechung – mit dem Erzgebirge ebenso verbunden wie Pyramiden, Schwibbogen und Räuchermännlein.

Was es mit diesem merkwürdigen Namen KÄT auf sich hat, wie es den Annabergern gelang, vor mehr als 500 Jahren zum Wallfahrtsort zu werden, welche Verbindungen es nach Rom gab und was das alles mit einem Volksfest zu tun hat: davon erzählt dieser Film.

Für die Erzgebirger hat das Volksfest heute fast so eine Bedeutung hat wie ihre Weihnachtszeit. Die Begeisterung dafür zieht sich durch alle Generationen und alle gesellschaftlichen Schichten: "De KÄT" zaubert jedem ein Lächeln ins Gesicht.

Helmut Brückner hat die KÄT mit der Muttermilch eingesogen. Bis heute erinnert sich der Historiker an die skurilen Höhepunkte noch in den 1960er Jahren, als die Dame ohne Unterleib ihn verzauberte oder sich die Annaberger einer Massenhypnose stellten. Solche Attraktionen gibt es heute nicht mehr.

Doch das Fest fasziniert ihn bis heute. Jahrelang hat er akribisch recherchiert. Das Ergebnis: ein dickes Buch zur Geschichte der KÄT. Er weiß alles darüber - auch über die Schaustellerfamilie Katzschmann.

Helmut Brückner sitz an einem Tisch und schreibt auf einem Notebook. 3 min
Bildrechte: Thomas Keffel / MEINWERK Film GmbH
Ein Mann bereitet eine Speise in einer Imbissbude zu. 1 min
Bildrechte: Heike Bittner, MEINWERK Film GmbH
Nicole Gräbner 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Generationen von Kindern erlebten auf ihren Karussells ihre ersten Rummeleindrücke. Seit den 1960er-Jahren kommen sie zur KÄT nach Annaberg. Hier ist es anders als in anderen Städten. Hier ist das Volksfest ein Volksfest im besten Sinne: ein Treffpunkt für jedermann. Heute reisen mit ihnen auch schon ihre eigenen Kinder und Kindeskinder.

Ein Mann hockt vor seinem Enkelkind, im Hintergrund ein Fahrgeschäft.
Bei den Katzschmanns: Opa Fred mit seinem Enkel Bildrechte: Thomas Keffel / MEINWERK Film GmbH

Zwei Jahre lang mussten alle auf ihre KÄT verzichten. Ein harter Schlag, denn das Jubiläum ""500 Jahre KÄT“ sollte 2020 groß gefeiert werden: Mit einem Brief an den Papst, einer Jubiläumsbriefmarke, einem Theaterstück, einem langen Festumzug, riesigem Feuerwerk und noch mehr Fahrgeschäften sollte 2020 unvergesslich werden. Das wurde es – jedoch auf andere Weise: ein kleiner Virus verhinderte jegliche Art von Volksfesten. Auch im vergangenen Jahr gab es keine Chance, das lustige Treiben von tausenden Einheimischen und Besuchern zu gestatten.

Doch jetzt - 2022 – ist es endlich soweit: Es darf gefeiert werden. "De KÄT" wird die Menschen wieder zusammenbringen und neue Generationen von Kindern können erleben, wovon ihre Eltern und Großeltern immernoch so schwärmen. 

Ein Film von Heike Bittner

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Der Osten - Entdecke wo du lebst | 21. Juni 2022 | 21:00 Uhr