Der Osten - Entdecke wo du lebst | MDR Fernsehen | 14.09.2021 | 21:00 Uhr Mit Volldampf auf den "Berg der Deutschen" – die Brockenbahn

Die Brockenbahn im Harz ist ein Touristenmagnet. Die traditionellen Dampfloks fahren seit Jahrzehnten Menschen auf den höchsten Berg Norddeutschlands. Doch der Berg lag im deutsch-deutschen Grenzgebiet. Das hat die Geschichte der Brockenbahn stark geprägt.

Die letzten Meter noch – dann hat die Brockenbahn ihr Ziel erreicht. Der Bahnhof "Brocken" zählt zu den höchstgelegenen in Deutschland.
Die letzten Meter noch – dann hat die Brockenbahn ihr Ziel erreicht. Der Bahnhof "Brocken" zählt zu den höchstgelegenen in Deutschland. Bildrechte: MDR/Sven Stephan

Mindestens sechsmal am Tag schnauft sie derzeit auf den höchsten Berg Norddeutschlands: die Brockenbahn. Die mit historischen Dampfzügen betriebene Schmalspurstrecke ist eine der größten Touristen-Attraktionen des Harzes. Hunderttausende Menschen erreichen mit ihr jedes Jahr den Brockengipfel.

1899 eingeweiht, überwindet die Strecke von Drei Annen Hohne bis hinauf auf den Gipfel fast 600 Höhenmeter. Ein technisches Meisterwerk, das zu seiner Entstehungszeit den Tourismus im Harz entscheidend voranbrachte.

Der Brockengipfel war von jeher ein Sehnsuchtsort. Schon Heinrich Heine nannte ihn den "deutschesten aller Berge". Der war nun auch mit einem modernen Massenverkehrsmittel erreichbar. Und das tat zuverlässig seinen Dienst, ungeachtet aller Wetterunbilden und auch ungeachtet aller Wendungen der Weltgeschichte, mehr als 60 Jahre lang.

Schluss von einem Tag auf den anderen

Siegfried Schenkel als Lokführer im Jahr 1962. Er durfte hin und wieder noch Materialtransporte auf den streng abgeschirmten Brocken fahren.
Siegfried Schenkel als Lokführer im Jahr 1962. Bildrechte: MDR/Siegfried Schenkel

Bis am 13. August 1961 das Aus kam. Denn der Brocken lag direkt an der Grenze zur Bundesrepublik. Und als Folge des Mauerbaus in Berlin sperrte die DDR auch das beliebte Touristenziel im Harz rigoros ab. Von einem Tag auf den anderen durfte die Brockenbahn nicht mehr fahren, erinnert sich Lokführer Siegfried Schenkel. Er war damals als Heizer im Einsatz. "Und dann kam der Fahrdienstleiter und sagte, ihr dürft nicht mehr weiterfahren. Ja, warum? Wegen Berlin. Das konnten wir einfach nicht begreifen."

Der Sehnsuchtsort Brocken war fortan Sperrgebiet; Armee und Geheimdienste errichteten Horchposten auf dem Gipfel. Die Brockenbahn lag – bis auf wenige Materialtransporte fürs Militär – still und begann zu verfallen. 28 Jahre lang war der Gipfel für alle "Unbefugten" tabu. Nur aus der Ferne konnte man ihn bestaunen – aus Ost wie West.

Rückkehr nach der Wende

"Es war immer mein Traum, mal dort oben zu stehen", sagt der Fotograf Hansjörg Hörseljau aus Niedersachsen. In seiner Jugend schon hatte er vom Westen aus den Brocken fotografiert und war dabei, als sich die Menschen aus der Region im Dezember 1989 wieder Zugang zum Brockengipfel erkämpften.

Fortan wird der Gipfel zu einem Symbol der Freiheit und der Einheit Deutschlands. Und rasch mehren sich die Stimmen für eine Wiedereröffnung der marode gewordenen Brockenbahn. Was für die einen auf der Hand liegt, stellen andere in Frage: Naturschützer machen mobil gegen einen Wiederaufbau; sie fürchten einen ungebremsten Massentourismus. 

Am Ende kommt die Brockenbahn zurück. Seit nunmehr 30 Jahren befördert sie wieder Besucher auf den Gipfel. Sie kommen, um die Fernsicht zu genießen oder die historische Technik zu bestaunen. Attraktiv ist das für Harz-Besucher jeden Alters – etwa den 22-jährigen Max Meinel aus Neubrandenburg. "Ich hoffe, dass ich schöne Bilder und Videos machen kann".

"Sie gehört dazu"

Die Brockenbahn ist ein beeindruckendes technisches Denkmal. Und sie ist längst zum Aushängeschild geworden, von dem eine ganze Region profitiert. "Die Bahn ist gar nicht wegzudenken von uns", sagt Christiane Hopstock, Bürgermeisterin von Schierke am Fuße des Brockens. "Sie gehört dazu. Wie das Brandenburger Tor nach Berlin gehört oder das Schloss zu Wernigerode, gehört die Bahn natürlich auch zu Schierke."

Eine schwarze Lok mit weiß-roten Waggons fährt auf einem Gleis neben einem Kiesweg im Nadelwald.
Die Brockenbahn fährt seit der Wende wieder Touristen bis zum Gipfel. Bildrechte: MDR/Sven Stephan

Die Reportage "Mit Volldampf auf den 'Berg der Deutschen'" blickt auf die jüngere Geschichte der Brockenbahn. Ehemalige und aktive Eisenbahner kommen ebenso zu Wort wie Menschen, die damals einem Wiederaufbau skeptisch gegenüberstanden. Viele Aufnahmen der historischen Dampfzüge und seltenes Archivmaterial lassen ein Stück deutsch-deutscher Geschichte erlebbar werden.

Ein Film von Anja Walczak und Sven Stephan.

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Bildrechte: dpa

Unterwegs in ... Sa 11.09.2021 18:15Uhr 29:15 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Lokführer Marco Roth
Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Blick vom Brocken
Solche spektakulären Bilder zeigt die Webcam auf dem Brocken - wenn kein Nebel herrscht. Bildrechte: Deutscher Wetterdienst

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Der Osten - Entdecke wo du lebst | 14. September 2021 | 21:00 Uhr