Der Osten - Entdecke wo du lebst | MDR-Fernsehen | 27.10.2020 | 21:00 Uhr + Online first Wie Träume laufen lernen – Trickfilme aus Dresden

Generationen von Kindern sind mit ihnen mit ihnen groß geworden, nicht nur in der DDR. Manches Weltbild haben sie geprägt, viele Phantasien beflügelt. "Wie Träume laufen lernen" begegnet den Machern von damals, auch in den Ateliers von heute. Jörg Herrmann, der mit seinen Silhouettenfilmen einen ganz eigenen Stil begründete oder Ralf Kukula, der das Erbe des DEFA-Trickfilmstudios auf seine Art fortsetzte.

Wie Träume laufen lernen - Trickfilme aus Dresden 45 min
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Der Osten - Entdecke wo du lebst Di 27.10.2020 21:00Uhr 44:52 min

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Fast 2.000 Filme entstehen zwischen 1955 bis 1992 im DEFA-Trickfilmstudio in Dresden, verkauft werden sie in mehr als 60 Länder. Seien es die gezeichneten Pfannkuchen mit dem jammernden Teufelchen aus "Alarm im Kasperletheater" oder die skurrilen Puppenfiguren aus dem Film "Die fliegende Windmühle", nicht zu vergessen die vielen verschiedenen Märchen.

Gebaut und geschnitten

Wie Träume laufen lernen - Trickfilme aus Dresden
Jörg Herrmanns Silhouettentrick-Arbeiten setzten international Maßstäbe. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In Dresden wird erfunden, entworfen, gebaut, gedreht, geschnitten. Beispielsweise "Filopat und Patafil", ein Silhouettenfilm, an dem Jörg Herrmann beteiligt ist. Er kommt in den 1960er-Jahren ins Studio und spezialisiert sich auf diesen – bis heute – weltweit ziemlich einmaligen Stil. Dabei will die Studio-Leitung seine Silhouettenfilme erst gar nicht haben. Aber die Macher überzeugen damit, dass diese Technik auch für Agitationsmittel gut tauge, da Filme damit schnell herzustellen seien.

Weltbilder und animierte Exportschlager

Ein junger Mann namens Engels DEFA Trickfilm
"Ein junger Mann namens Engels" im DEFA-Trick Bildrechte: DEFA-Stiftung

Alle Werke – egal ob Märchen oder Experimentalfilm – unterliegen der kritischen Kontrolle einer staatlichen Kommission, damit sie ins sozialistische Weltbild passen. Re-animiert wird sogar das "Kommunistische Manifest" oder der junge Friedrich Engels. Manch merkwürdige Interpretationen entstehen in Dresden, aber auch etliche Filme, bei denen man sich heute fragt: Toll, so etwas hat man im Kino gezeigt.

Zu den Kinovorfilmen kommen Filme fürs DDR-Fernsehen, fürs Hygienemuseum und den Arbeitsschutz. Genaue Pläne werden erstellt – die 240 Beschäftigten sollen genug zu tun haben. Sechs Millionen Mark erhält das Studio jedes Jahr als Budget und es erwirtschaftet tatsächlich Gewinn, eher dank der Filme, die nicht auf Agitation aus waren.

Wie Träume laufen lernen - Trickfilme aus Dresden
Martina Großer baute im DEFA-Studio Puppen und Ausstatungen, Rolf Hofmann (r.) war Kameramann. Till Grahl (M.) ist heute wissenschaftlich-künstlerischen Leiter am Deutschen Institut für Animationsfilm in Dresden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ende und Neuanfang

Wie Träume laufen lernen - Trickfilme aus Dresden
Schätze im Deutschen Institut für Animationsfilm e.V. in Dresden Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Doch 1992 ist Schluss mit der phantasievollen Filmwelt in Dresden. Vieles landet auf dem Müll – und die einstigen Angestellten des künstlerischen VEB auf dem Arbeitsamt. Trickfilmkünstler wie Ralf Kukula setzen das Erbe dann auf ihre Art fort.

Kukula, der einst mit Papier und Stiften bei der DEFA angefangen hat, als sogenannter Animator, gründet nach dem Aus 1993 die Firma Balancefilm, sammelt kreative Köpfe und handwerkliche Spezialisten um sich.

Momentan arbeiten drei seiner jungen Kollegen an "Mister Paper" – einer Animationsserie für das holländische und deutsche Fernsehen. Da wird ausgeschnitten, geklebt, gelegt, fotografiert, eingescannt , animiert ... Das macht den Trickfilm so teuer. Kukula erzählt Geschichten fürs Fernsehen ebenso wie für die große Leinwand. Und oft gelingt es ihm, an seine Wurzeln anzuknüpfen; Welten wirklich zu erschaffen aus echten Materialien und ihnen Leben einzuhauchen, ohne sie nur am Computer zu animieren.

Fritzi - Eine Wendewundergeschichte
"Fritzi - Eine Wendewundergeschichte" kam 2019 ins Kino. Bildrechte: Weltkino Filmverleih/Balance Film/TrickStudio Lutterbeck/Artémis Productions/Doghouse Films/MAUR film

Damit das möglich ist, verwendet Ralf Kukula heute die meiste Zeit darauf, Filme überhaupt zu finanzieren. Acht Jahre braucht er beispielsweise, um seinen bisher größten Erfolg zu finanzieren: "Fritzi – eine Wendewundergeschichte", die 2019 ins Kino kommt.

"Wie Träume laufen lernen – Trickfilme aus Dresden" begegnet den Machern von damals in den Ateliers von heute und zeigt, welchen Geschichten und Figuren – egal aus welchem Material – sie sich verschrieben haben.