Der Osten – Entdecke wo du lebst | 02.07.2019 Die Urzeit-Riesen der Lausitz - Der Saurierpark in Kleinwelka

Sie sind ein grandioses Sinnbild für Auslöschung und fantastische Wiederkehr - die mächtigen Dinos im Saurierpark in Kleinwelka bei Bautzen. Über 200 lebensecht nachgestaltete Kreaturen vermitteln die Faszination der Urtiere, die am Ende der Kreidezeit auf so rätselhafte Weise von unserem Planeten verschwanden.

Begonnen hat hier alles 1978 mit einer "Schnapsidee" des Dekorationsmalers Franz Gruß. Ganz beiläufig teilt er seiner Familie eines Abends beim Essen mit, dass er ab jetzt im Garten Urzeit-Giganten bauen wird. Tochter Katrin erinnert sich:

Meine Mutter ist fast vom Küchenstuhl gefallen. Aber wir drei Kinder haben uns diebisch gefreut. Papa legte schon am nächsten Tag los. Ein Dino nach dem anderen entstand.

Katrin Frindt | Franz Gruß' Tochter
Eine Fliege im Maßstab 1:100 baut am Mittwoch (24.09.2003) Franz Gruss im ostsächsischen Kleinwelka für seine prähistorische Anlage in seinem privaten Garten in Großwelka. Der Schöpfer von etwa 600 Sauriern, Urmenschen und Säugetieren baut gegenwärtig eine Serie von Insekten.
Vom Dekorationsmaler zum Bildhauer - Saurierpark-Schöpfer Franz Gruß
(1931-2006) bei der Arbeit: Er baute 2003 eine Fliege im Maßstab 1:100.
Bildrechte: dpa

Obwohl viele ihn auslachen, sprechen sich seine verrückten Saurierplastiken schnell herum und ein Besuch in seinem  Garten wird zum Insider-Tipp. Warteschlangen bilden sich vor dem Gruß'schen Gartentor. Schließlich gibt die Gemeinde Franz Gruß zusätzliches Land - der Saurierpark Kleinwelka wird eröffnet. Eine DDR-Attraktion, die bis heute weltweit Furore macht. Franz Gruß bekommt 1996 das Bundesverdienstkreuz. Zehn Jahre später stirbt er.

Mensch soll von Natur lernen

Sein Vermächtnis übernimmt der Bildhauer Thomas Stern. Gemeinsam mit Paläontologen des Naturkundemuseums Berlin baut er den Park bis heute weiter aus. Jedes Urtier entspricht dem neuesten Forschungsstand. Die lebensecht nachgebildeten Tiere verharren in ihren Bewegungen und lassen den Besucher staunen.

Ein Mann mit Mütze steht mit Pinsel neben einem Saurier.
Bildhauer Thomas Stern Bildrechte: Antje Schneider

Das wichtigste ist Demut und Bescheidenheit im Sinne von Respekt. Ein gläubiger Mensch würde sagen: vor der Schöpfung. Ich sage: vor der Natur. Wenn man sich anguckt, wie kurz wir Menschen auf der Erde sind und was wir schon alles angestellt haben, das hat kein Tier vorher geschafft und das ist mein Bildungsauftrag. Hoffentlich kommt er bei so vielen Menschen wie möglich an, dass man doch ein bisschen mehr Respekt vor der Natur zeigt.

Thomas Stern Bildhauer

Geschichte zum Anfassen

Der größte und unvollendete Traum von Begründer Franz Gruß geht derzeit in Erfüllung:

Blick auf ein wabenförmiges Gebäude, davor arbeiten Menschen an einer Kraterlandschaft.
"Lavaris" Bildrechte: Antje Schneider

Ein feuerspuckender Vulkan am Eingang des Parks. Ihm zu Füßen liegt "Lavaris" - die sogenannte Ursuppe - der Ursprung unseres Lebens. Dampf, brodelnde und farbig außergewöhnliche Tümpel vermitteln ein Bild der Zeit vor rund 540 Millionen Jahren.

Der Saurierpark in Kleinwelka ist kein Museum, kein Funpark, kein Zoo, sondern eine Zeitmaschine ins Erdmittelalter. Die Dokumentation erzählt die Geschichte und die heutige Entwicklung des in seiner Größe und Art in Deutschland einmaligen Saurierparks.

Bilder zum Film Gestern und heute - Der Saurierpark in Kleinwelka

Gehörnter Saurierkopf in einem Wald.
Mehr als 200 Dinos "leben" im Saurierpark Kleinwelka. Bildrechte: Antje Schneider
Gehörnter Saurierkopf in einem Wald.
Mehr als 200 Dinos "leben" im Saurierpark Kleinwelka. Bildrechte: Antje Schneider
Blick auf zwei große Dinosaurier, daneben eine kleine Hebebühne
Einmal im Jahr wird der Brachiosaurus (l.) "gewartet". Seit 30 Jahren steht der Pflanzenfresser in dem Park. Bildrechte: Antje Schneider
Zahnbehandlung bei einem Saurier mittels Pinsel und Farbe
Tom Glöß ist dafür zuständig. Er arbeitet hier als Dino-Doktor. Bildrechte: Antje Schneider
Ein Mann in roter Kleidung steht auf einer Leiter und schaut in das Mail eines Dinosauriers.
Im Frühjahr müssen als Saurier zum Gesundheits-Check. Dem T-Rex fehlt ein Eck-Zahn. Jeder Zahn ist eine Sonderanfertigung aus Blei. Ein weiches aber korrosionsbeständiges Metall. Der Anstrich erfolgt mit Fassadenfarbe. Bildrechte: Antje Schneider
Zahnbehandlung bei einem Saurier mittels Bohrmaschine mit Bürstenaufsatz
Saurier-Doc Tom Glöß:
"Die Witterung spielt schon eine Rolle. ... da kommt mal ein Ast runter und der fällt auf einen Dino drauf. Der muss dann halt wieder repariert werden. Das ist klar. Aber: Besucher sind natürlich auch kletterfreudig, gehen hoch und wackeln an den Zähnen rum und dann muss halt wieder nachgebessert werden."
Bildrechte: Antje Schneider
Blick auf ein wabenförmiges Gebäude, davor stehen zwei Frauen in einer Landschaftsnachbildung.
Seit 2018 arbeitet das Team an einem neuen Projekt für den Saurierpark. Es geht um die Entstehung des Lebens auf der Erde. Die sogenannte "Ursuppe". Wie sah sie aus?
Wie kann man dieses Spektakel heute darstellen?
Bildrechte: Antje Schneider
Blick auf ein wabenförmiges Gebäude, davor arbeiten Menschen an einer Kraterlandschaft.
Über drei Monate experimentieren Wissenschaftler, Physiker und Ingenieure, um eine Ursuppe für Kleinwelka zu "brauen". Sie entscheiden sich für Uranin. Einen ungiftigen und fluoreszierenden Farbstoff. Es soll einen Mix der Aminosäuren darstellen, aus denen unser Leben entstanden ist. Bildrechte: Antje Schneider
Ein Mann mit Mütze steht mit Pinsel neben einem Saurier.
Franz Gruß' Nachfolger Thomas Stern arbeitet seit über 20 Jahren im Park. Er baut seine Urviecher nach dem gleichen Prinzip wie sein Vorgänger Franz Gruß.
Thomas Stern begeistert:
"Das ist so'n Meilenstein beim Dinobau. Wenn man die erste Lage drauf hat, dann freu ich mich immer schon … Ah, am nächsten Tag geht's los mit Feinheiten modellieren. Das ist schön."
Bildrechte: Antje Schneider
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 02. Juli 2019 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Juli 2019, 15:58 Uhr