Der Osten - Entdecke wo du lebst | 28.07.2020 | 21:00 Uhr Abenteuer Mensch - Das Deutsche Hygiene-Museum Dresden

Deutsches Hygiene-Museum - Außenansicht
Deutsches Hygiene-Museum Bildrechte: MDR/Oliver Killig

Die Gläsernen Figuren - sie waren einst eine Sensation und vor allem Anschauungsmaterial. Hergestellt wurden sie seit den 1930er-Jahren in den Werkstätten im Deutschen Hygiene-Museum Dresden. Jetzt sind sie ein Forschungsprojekt: "Anders als ihr Name vermuten lässt, sind die Figuren nicht aus Glas, sondern aus Celluloseacetat", erzählt Maria Lörzel. Das Cellon aber altere sichtbar. Es schrumpfe und tropfe. Und so kümmert sich die Restauratorin jetzt um den Erhalt der alten fragilen Körper.

Wissenschaftler nehmen Messungen an Glaeserner Kuh im Hygienemuseum vor.
Die Gläserne Kuh: Vom Anschauungs- zum Forschungsobjekt. Bildrechte: MDR/Oliver Killig

Das Deutsche Hygiene-Museum Dresden birgt viele solcher Geschichten um besondere Exponate. Das Anatomische Wachsmodell-Kabinett mitsamt "Schwertschlucker" und "Schneewittchen" lagerte jahrzehntelang in einer roten Holzhütte in Finnland bei zwei Zirkusartisten, bevor sie nach Dresden zurückkehrten. Sammlungsleiterin Susanne Roeßiger erinnert sich noch lebhaft daran, als sie diese Figuren das erste Mal sah.

Jahrelang war ich mir sicher, dass diese historischen Wachsfiguren zerstört, verbrannt, verloren waren. Und dann stehe ich davor, das war sehr ergreifend.

Susanne Roeßiger Sammlungsleiterin Deutsches Hygiene-Museum Dresden

Angefangen hat alles mit der I. Internationalen Hygiene-Ausstellung im Jahr 1911. Über fünf Millionen Menschen wollten damals die Exposition sehen. Kurz danach gründete sich auf Initiative des wohlhabenden Pharmazeuten Karl August Lingner das Deutsche Hygiene-Museum.

Das war moderne Museumspädagogik, was Lingner da entwickelt hat.

Klaus Vogel Direktor Deutsches Hygiene-Museum Dresden
Originalplakat von Franz von Stuck im Hygienemuseum von der ersten großen Ausstellung
Originalplakat von Franz von Stuck im Hygienemuseum von der ersten großen Ausstellung Bildrechte: MDR/Adina Rieckmann

Als 1930 das Gebäude eröffnet wurde, war das Museum schon längst in aller Munde - mit seinen spektakulären Wanderausstellungen und neuartigen Lehrmitteln. "Gesundheit war damals das große Thema", meint der Direktor des Hauses, Klaus Vogel. Er sagt aber auch, dass der Schritt von einem gesunden Körper bis hin zur Rassenhygiene nicht weit gewesen sei: "Dieses Kapitel gehört leider auch zu unserem Haus."

Bilder von Ausstellungen wie 'Blut und Boden' ertrage ich nur schwer.

Klaus Vogel Direktor Deutsches Hygiene-Museum Dresden

Heute gilt das Deutsche Hygiene-Museum Dresden als eines der populärsten im Freistaat Sachsen und versteht sich als Universalmuseum vom Menschen. Rund 280.000 Besucher im Jahr wollen sie sehen - die spannenden Ausstellungen und natürlich auch die Gläsernen Figuren.

Blick in den Raum: Der Gläserne Mensch
Blick in den Raum: Der Gläserne Mensch Bildrechte: MDR/örg Gläscher

Neu seit 3. März 2020: "Der Osten – Entdecke wo du lebst" wird mit Audiodeskription gesendet Viele Millionen Menschen in Deutschland sind entweder blind oder sehbehindert. Mit dem neuen Service können auch Menschen mit Sehbehinderung den interessanten Reportagen aus den drei Bundesländern folgen. In der Audiodeskription werden in den Dialogpausen alle wichtigen Bildinformationen - inklusive der Handlung - für diese Zuschauer beschrieben. Das MDR FERNSEHEN sendet bereits durchschnittlich jeden Tag etwa vier Stunden mit Audiodeskription und liegt damit auf einem Spitzenplatz unter den Landesrundfunkanstalten.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Der Osten - Entdecke wo du lebst | 28. Juli 2020 | 21:00 Uhr