ehemaliger Grenzstein an der Eckertalsperre
Der frühere Grenzstein auf der Staumauer erinnert an die Teilung. Bildrechte: MDR/Ines Klein

Der Osten - Entdecke, wo du lebst | MDR FERNSEHEN | 24.07.2018 | 20:45 Uhr Geteiltes Wasser – Die Eckertalsperre im Harz

Ein Film von Ines Klein

Die Eckertalsperre im Harz ist ein Ort mit einer besonderen Geschichte. Sie ist ein Bollwerk gegen Hochwasser und eine Stauanalge für Trinkwasser. Über 400.000 Tonnen Grob-Beton wurden für den Bau der Talsperre im Harz gebraucht. Ihre Geschichte ist eng mit der Teilung Deutschlands verbunden. Denn ab 1961 verlief die Grenze mitten durch die Talsperre und teilte hier das Wasser.

ehemaliger Grenzstein an der Eckertalsperre
Der frühere Grenzstein auf der Staumauer erinnert an die Teilung. Bildrechte: MDR/Ines Klein

Die Eckertalsperre – das sind mehrere Millionen Kubikmeter Wasser, angestaut durch eine rund 60 Meter hohe Mauer, auf der irgendwann eine andere Mauer stand. "Ich hätte Wolfsburg den Hahn abdrehen können", sagt Helmut Pape. Dabei lächelt er bescheiden und fügt hinzu: "Das hätte ich aber nie gemacht." Der 87-Jährige war Jahrzehnte lang der Herr über die sieben großen Talsperren im Ostteil des Harzes.

Eckertalsperre
Die Staumauer ist rund 60 Meter hoch. Bildrechte: MDR/Ines Klein

Dazu gehörte auch die Eckertalsperre. Diese war Ende der 1930er Jahre im Harz erbaut worden, um u.a. Wolfsburg und Braunschweig mit Trinkwasser zu versorgen. Fast noch wichtiger aber - das Brauchwasser für die Volkswagenwerke. Schließlich produzierten die den KdF-Wagen und zudem bis Kriegsende Zehntausende Kübelwagen für das Militär.

Grenze ging quasi durchs Wasser

Die etwas eigentümliche Grenzziehung in den 1960ern teilte Staumauer und Wasser in zwei Hälften - weiß Burckhard Nedden, der damals für die Westseite in der verantwortlichen Grenzkommission saß.

Ja, das klingt erstmal komisch, Wasser zu teilen.

Burckhard Nedden, Grenzkommission der BRD

Aber dieses Grenzziehen sei eben ein Tauziehen zwischen DDR und BRD gewesen. Nach dem Motto: "Gibst du mir ein Stück, gebe ich dir eins." Wenn man es genau nimmt, befand sich fortan sozialistisches und kapitalistisches Wasser in der Talsperre. Und westdeutsche Städte sowie Wolfsburg mit ihrem VW-Werk hingen sozusagen zum Teil am volkseigenen Tropf. Doch damit nicht genug: Auch fünf Kilometer der Versorgungsleitung Richtung Westen befanden sich auf DDR-Territorium und damit eben jener "Hahn" – ein Schieber an der Rohrleitung, von dem Helmut Pape spricht und mit dem man alles hätte "abdrehen" können.

Geschichten rund um die seltsame Teilung

"Der Osten - Entdecke wo Du lebst" erzählt, welche Geschichten sich rund um die Talsperre und diese seltsame Teilung ranken. Das MDR-Team traf Grenzzieher, illegale Grenzüberschreiter, Grenzüberwinder, Grenzöffner und ehemalige Grenzer, die sich einst hier schwer bewaffnet gegenüber standen. Heute treffen sich einige von ihnen regelmäßig zum Austausch und zum Wandern rundherum um diese ungewöhnliche Talsperre in einer herrlichen Landschaft.

Der Osten - Entdecke, wo du lebst | 24.07.2018 Besondere Grenzziehung mit eigenen Geschichten - die Eckertalsperre

Zwei Männer schauen von der Staumauer auf die Eckertalsperre
Es ist ein ungewöhnliches Aufeinandertreffen. Ein Aufeinandertreffen zweier Männer, die bis heute nicht wussten, dass sie etwas verbindet. Bildrechte: MDR/Ines Klein
Zwei Männer schauen von der Staumauer auf die Eckertalsperre
Es ist ein ungewöhnliches Aufeinandertreffen. Ein Aufeinandertreffen zweier Männer, die bis heute nicht wussten, dass sie etwas verbindet. Bildrechte: MDR/Ines Klein
Eckertalsperre
Die Liebe zur dieser Talsperre – der Eckertalsperre Bildrechte: MDR/Ines Klein
Zwei Männer sitzen an einem Tisch und trinken Kaffee
Der eine ist seit 27 Jahren an der Talsperre beschäftigt: Harald Juch (links) ist hier heute der Talsperrenmeister.
Der andere, Helmut Pape, war bis 1990 der Chef der Talsperren im Ostharz und damit auch verantwortlich für die Eckertalsperre.
Bildrechte: MDR/Ines Klein
Eckertalsperre
Jene Talsperre, die als einzige zweigeteilt war durch die innerdeutsche Grenze. Der "antifaschistische Schutzwall" verlief hier mitten durch den See und mitten durch die Staumauer hindurch. Bildrechte: MDR/Ines Klein
ehemaliger Grenzstein an der Eckertalsperre
Sowohl oben auf der Krone ... Bildrechte: MDR/Ines Klein
Ein unterirdischer Gang mit einem aufgemalten Strich und den Buchstaben DDR
... als auch 20 Meter weiter unten in der Mauer erinnern Relikte aus der damaligen Zeit daran. Bildrechte: MDR/Ines Klein
Eine Person steigt unterirdische Treppenstufen rauf
Der Jüngere, Harald Juch, lädt den Älteren zu einer Führung durch die Talsperrenmauer ein und auch wir dürfen mit. 190 Stufen und noch mal so viele Geschichten, die sich um die Eckertalsperre ranken – "Geteiltes Wasser" – Die Eckertalsperre im Harz,
am 24. Juli, 20:45 Uhr im MDR FERNSEHEN.
Bildrechte: MDR/Ines Klein
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 24. Juli 2018 | 20:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Juni 2018, 15:16 Uhr