Der Osten - Entdecke, wo du lebst | 25.08.2020 | 21:00 Uhr Fette Böden, reiche Ernte - Gartenbautradition in Erfurt

Ein Film von Anke Deleiter

Im Mittelalter machten Waid und Brunnenkresse die Stadt Erfurt weithin bekannt, ab dem 18. Jahrhundert der erwerbsmäßige Gartenbau. Zwei Weltkriege und die DDR ließen nur zwei große Betriebe überleben. Im Film erzählen Unternehmer von den heutigen Herausforderungen.

Ein Feld
Seit dem Mittelalter ist Erfurt für seine guten, reichhaltigen Böden bekannt. Nach wie vor hat die Stadt diesen reichen Schatz vor ihren Toren. Bildrechte: MDR / Anke Deleiter

Eine Pflanzmaschine mit Asternsetzlingen zieht über den Acker. Annegret Rose sitzt auf einem Holzstuhl inmitten ihres Feldes und weiß, dass ihre Helferinnen schmunzeln. Eigentlich würde sie mitpflanzen oder neue Setzlinge holen. Doch für das Interview, das Teil des MDR-Films sein wird, macht die studierte Züchterin eine Ausnahme. Annegret Roses Betrieb läuft gut und sie ist froh, dass sie sich 1983 bewusst dafür entschied, eine alte Saatgutgärtnerei weiterzuführen. Erfurts Ruf als Stadt des Gartenbaus und der Blumen ist vielversprechend.

Blick von oben auf ein Gebäude 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bereits im Mittelalter gibt es Gartenflächen in und um die Stadt. Die Bürger bauen die Färbepflanze Waid an und werden reich mit ihr, wie auch etwas später mit der Brunnenkresse. Und in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts beginnt der erwerbsmäßige Gartenbau. Die Gründer der später weltweit bekannten Gärtnereidynastien  J.C Schmidt, Benary, F.C. Heinemann, Kakteen Haage und Chrestensen siedeln sich an.

Schon 25 Jahre nach der Gründung bekam Ernst Benary zum Beispiel Preise auf europäischen Gartenbaustellungen und auf der Weltausstellung in Chicago. Die Sonnenastern aus Erfurt blühten in fast jedem Garten. Friedrich Adolph Haages Sammlung von Kakteen galt als einzigartig in Europa und Nils Chrestensen hatte zusammen mit einem anderen Floristen die Idee für Fleurop .

Doch die beiden Weltkriege und die Verhältnisse in der DDR ließen nur zwei der ganz großen Betriebe überleben, Kakteen Haage und  Chrestensen. Noch immer sind sie Familiengärtnereien. Doch wie geht es weiter? Diese Frage stellt sich auch für die anderen Unternehmen, die in Erfurt noch Gemüse und Blumen anbauen und züchten.

Galerie Gartenbau mit Tradition in Erfurt

Erfurt, die Stadt des Gartenbaus und der Blumen. Große Namen haben hier ihre Wurzeln. Der gute Boden und die Liebe zu Gemüse, Kakteen, Astern oder Brunnenkresse hält die Erfurter Gartenbautradition heute noch am Leben.

Ein Mann und eine Frau
Ralf Fischer und seine Frau Karola in ihrer Brunnenkresse-Klinge, denkmalgeschützt und Erfurts letzte. Erfurter Brunnenkresse war einst eine Spezialität, bekannt über die Stadt- und Landesgrenzen hinaus. Bildrechte: MDR / Anke Deleiter
Ein Mann und eine Frau
Ralf Fischer und seine Frau Karola in ihrer Brunnenkresse-Klinge, denkmalgeschützt und Erfurts letzte. Erfurter Brunnenkresse war einst eine Spezialität, bekannt über die Stadt- und Landesgrenzen hinaus. Bildrechte: MDR / Anke Deleiter
Ein Mann mit Kakteen
Kakteen Haage ist die älteste Gärtnerei Deutschlands - und sie sind die ältesten Kakteenzüchter der Welt. Bildrechte: MDR / Anke Deleiter
Eine Frau auf einem Feld
Annegret Rose baut noch Astern an. Sie misst ihr Feld aus, damit die Asternsetzlinge gepflanzt werden können. Bildrechte: MDR / Anke Deleiter
Ein Feld
Seit dem Mittelalter ist Erfurt für seine guten, reichhaltigen Böden bekannt. Nach wie vor hat die Stadt diesen reichen Schatz vor ihren Toren, wie diese Felder der Gärtnerei Gemüse Fischer in Dittelstedt zeigen. Bildrechte: MDR / Anke Deleiter
Zwei Männer
Die Brüder Lars (links) und Hubert Fischer: Die beiden sind in der fünften Generation Gärtner. Bildrechte: MDR / Anke Deleiter
Dreharbeiten in einer Küche
Dreharbeiten in der Eismanufaktur "Goldhelm": Hier macht man Eis aus heimischer Zitronenmelisse. Bildrechte: MDR / Anke Deleiter
Ein Schild an einer Pflanze
Deshalb wurde die leicht verderbliche Brunnenkresse dennoch gern in Eis verpackt exportiert. Bildrechte: MDR / Anke Deleiter
Ein Mann beugt sich über Pflanzen
Dreharbeiten in Ralf Fischers Klinge, die man so nennt, weil Klinge ein altes Wort für Bachlauf ist. Bildrechte: MDR / Anke Deleiter
Eine Pflanze im Wasser
Brunnenkresse gilt als eine Diva, die, weil sie fließendes Wasser braucht, schwer zu kultivieren ist. Mit ihren feinen Wurzeln nimmt sie Mineralien aus dem Wasser auf. Wasser ist für Brunnenkresse fast das Wichtigste, nicht umsonst trägt sie diesen Namen. Bildrechte: MDR / Anke Deleiter
Ein Mann mit einem Wasserschlauch
Ulrich Haage ist in sechster Generation Kakteengärtner in Erfurt. Geködert wurde er von seinem Großvater: Wer in die Gärtnerlehre ging, lernte dabei auch, Traktor zu fahren. Bildrechte: MDR / Anke Deleiter
Eine große rote Blüte
Die Familie ist für ihre Sammlung an Blattkakteen bekannt. Manche Arten tragen wunderschöne Blüten. Bildrechte: MDR / Anke Deleiter
Ein Zettel an einem Stoffsack
Saatgut vom Biosaatguthof Rose. Viele der großen Produzenten aus Erfurt hatten Astern mit in ihrem Programm. Astern aus Erfurt waren unter vielem anderen ein Exportschlager. Bildrechte: MDR / Anke Deleiter
Pflanzen in einem Transporter
Die jungen Astern kommen aufs Feld, ganz nahe der Stadt. Bildrechte: MDR / Anke Deleiter
Ein Feld mit Salat
Freilandsalat aus der Gärtnerei Fischer, die dafür bekannt ist, auch gerne alte oder seltene Sorten auszuprobieren, wie bunte Möhren und farbigen Blumenkohl. Bildrechte: MDR / Anke Deleiter
Blumenkohl
Erfurt und der Blumenkohl. Einst kamen bekannte Züchtungen von hier, die ab 1961 stolz auf der IGA, der "Internationalen Gartenbauausstellung", präsentiert wurden. Bildrechte: MDR / Anke Deleiter
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Im Film erzählen Unternehmer von den heutigen Herausforderungen der heißen und trockenen Sommer. Außerdem fehlen einigen die Nachfolger. Doch sie haben kreative Ideen für die Zukunft. Der Boden um Erfurt und die Liebe zu ihren Gemüsesorten, Kakteen, Astern und der Brunnenkresse ist so innig, dass sie auf jeden Fall die Erfurter Gartenbautradition weiterführen wollen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Der Osten - Entdecke, wo Du lebst | 25. August 2020 | 21:00 Uhr

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