Der Osten - Entdecke wo du lebst | 14.05.2019 Die Gartenstadt Piesteritz – Beliebt, begehrt, bedroht

Dass es die Gartenstadt Piesteritz noch gibt, ist ein kleines Wunder. Gebaut wurde sie vor 100 Jahren als Werkssiedlung. Dabei ist sie historisch und modern zugleich, nicht nur als Deutschlands größte autofreie Zone.

Ein kleines Wunder

Sie ist historisch und modern zugleich – etwa als Deutschlands größte autofreie Zone. Dass es sie überhaupt noch gibt, ist ein kleines Wunder: 363 Wohnhäuser, jedes mit eigenem Garten; dazu Schule, Rathaus, Kirche und Vereinshaus; alles fußläufig zu erreichen, das ist die Gartenstadt Piesteritz.

Blick auf die Gartenstadt Piesteritz
Aus der Vogelperspektive Bildrechte: MDR/Joachim Günther

Für die Arbeiter der Reichsstickstoffwerke wurde die Siedlung mitten im Ersten Weltkrieg, zwischen 1915 und 1919, erbaut. Hinter den beschaulichen Fassaden spielten und spielen sich bis heute bewegende Geschichten ab, die erzählen von großen Umbrüchen, auch vom Streben und Kampf für ein sozial verträgliches Wohnen. 

Kleiner Rundgang durch die Gartenstadt Piesteritz in den Zwanzigern "Und wenn der Betriebsleiter durch die Siedlung ging ..."

... zogen die Männer die Mützen. Einer der ersten Direktoren der Stickstoffwerke ist Richard Beneke. 1915 zog er mit seiner Familie nach Piesteritz. Aus seiner Sammlung stammen die Fotodokumente aus den 1920er-Jahren.

Gartenstadt Piesteritz: Apotheke und Ladenhaus - Aus der Piesteritz-Serie von Klaus Beneke
Apotheke und Ladenhaus Angelegt ist die Werkssiedlung wie ein Dorf mit Rathaus, Kirche, Konsum, Marktplatz und den Wohnhäusern, die sich drum herum gruppieren. Hier im Blick: die Apotheke und das Ladenhaus am zentralen Eingang der Siedlung. Bildrechte: Klaus Beneke
Gartenstadt Piesteritz: Apotheke und Ladenhaus - Aus der Piesteritz-Serie von Klaus Beneke
Apotheke und Ladenhaus Angelegt ist die Werkssiedlung wie ein Dorf mit Rathaus, Kirche, Konsum, Marktplatz und den Wohnhäusern, die sich drum herum gruppieren. Hier im Blick: die Apotheke und das Ladenhaus am zentralen Eingang der Siedlung. Bildrechte: Klaus Beneke
Gartenstadt Piesteritz: Damenheim - Aus der Piesteritz-Serie von Klaus Beneke
Damenheim Der Rundgang führt vorbei am Damenhaus. Dort wohnten junge Frauen, die als z.B. als Sekretärinnen für die Stickstoffwerke arbeiteten. Sie kamen aus dem Bürgertum und verdienten ihren Lebensunterhalt selbst, etwa weil sie nicht standesgemäß heiraten konnten. Herrenbesuche waren im Damenhaus unerwünscht. Bildrechte: Klaus Beneke
Gartenstadt Piesteritz: Stiller Winkel - Aus der Piesteritz-Serie von Klaus Beneke
Am Stillen Winkel lebten die Meister und Facharbeiter in 80 bis 150 Quadratmeter großen Wohnungen. Bildrechte: Klaus Beneke
Gartenstadt Piesteritz: Am Dreieck mit Blick in den Krummen Weg - Aus der Piesteritz-Serie von Klaus Beneke
Am Dreieck mit Blick in den Krummen Weg Am Dreieck residierten die leitenden Mitarbeiter in Häusern mit einer Wohnfläche von 160 Quadratmetern, am Krummen Weg wohnten Arbeiterfamilien. Allesamt waren sie mit "fließendem Wasser" und Innentoilette ausgestattet. Ein großer Luxus noch für lange Zeit. Bildrechte: Klaus Beneke
Haus- und Wohnungsgrundriss / Typologie, um 1920 (Beispiel "Krummer Weg")
Alle wohnten in der Werkssiedlung zur Miete, das ist bis heute so. Vor der Privatisierung rettete der Denkmalsstatus die Siedlung. Bildrechte: Privatarchiv Harald Kegler
Haus- und Wohnungsgrundriss / Typologie, um 1920 (Beispiel "Krummer Weg")
Auch wenn die Grundrisse für heutige Verhältnisse klein sind, sind die Wohnungen nach wie vor gefragt. Wer heute einzieht, bewohnt vielleicht auch ein ganzes Haus, etwa 75 Quadratmeter verteilt über drei Etagen, inklusive Garten, kosteten derzeit knapp 700 Euro warm. Bildrechte: Privatarchiv Harald Kegler
Gartenstadt Piesteritz: Gartenweg mit Blick auf Torhaus - Aus der Piesteritz-Serie von Klaus Beneke
Gartenweg mit Blick auf Torhaus Auch im Gartenweg, der aufs Dreieck folgt, lebten Arbeiterfamilien in Wohnungen ab 50 Quadratmetern. "Und wenn der Betriebsleiter durch die Siedlung ging, da zogen die Männer ihre Hüte oder Mützen. Die Frauen haben geknickst. Das war schon nicht ohne, mit den Chefs 'zusammenzuleben'", gibt Christel Panzig, die das Alltagsleben der Siedlung erforschte, zu bedenken. Bildrechte: Klaus Beneke
Gartenstadt Piesteritz: Konsum - Aus der Piesteritz-Serie von Klaus Beneke
Konsum Auch ein Konsumgebäude gab es. Allerdings waren die Bewohner der Siedlung auch Selbstversorger. Denn hinter den Häusern hatten sie kleine Gärten, oft auch mit einer kleinen Laube darin. Bildrechte: Klaus Beneke
Gartenstadt Piesteritz: © Coswiger Straße - Aus der Piesteritz-Serie von Klaus Beneke
Coswiger Straße Erbaut wurde die Werkssiedlung zwischen 1916-19 nach den Entwürfen des Schweizer Architekten Otto Rudolf Salvisberg, der sich von der englischen Gartenstadtbewegung inspirieren ließ. Sieben unterschiedliche Haustypen und Wohnungen gibt es, auf einer Fläche von 13 Hektar Trotz all des Grüns - die Nähe zum Werksgelände lässt sich bis heute gut riechen. Bildrechte: Klaus Beneke
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Klaus und Rosemarie Wipper: Seit Jahrzehnten verwurzelt in der Gartenstadt

Klaus Wipper wohnt mit seiner Frau Rosemarie im Gartenweg. Er ist sechs Jahre alt, als seine Eltern mit ihm in die Siedlung ziehen. Später macht er im Werk eine Ausbildung zum technischen Zeichner und arbeitet sich hoch zum leitenden Ingenieur.

Ehepaar Wipper bei sich zuhause.
Das Ehepaar Wipper Bildrechte: DOKfilm

Die Gartenstadt will er nie verlassen, auch wenn ihn das Leben hier auf so manch harte Probe stellt. Etwa 1986, als ein Hafensilo der Stickstoffwerke explodiert. Klaus Wipper gerät damals ins Visier der Stasi und verliert fast seinen Arbeitsplatz. Wenige Jahre später, mit dem Zusammenbruch der DDR und der Privatisierung der Stickstoffwerke, müssen sich die Wippers nicht nur der Arbeitslosigkeit sondern dem Bangen um die eigenen vier Wände stellen. Das tun sie heute wieder.

Kaum einer kennt die Siedlung so gut: Jens Uwe Borsdorf

Jens Uwe Borsdorf verbringt seine Kindheit auf den Straßen und in den Gärten der Siedlung. Morgens staunt er manchmal, wenn die Wege glitzern vom Siliziumkarbid, das mit dem Staub vom Werk herüberweht und dann herunterrieselt. Im Kulturhaus "Wilhelm Pieck" feiert er seine Jugendweihe. Im Werk bekommt er später einen Ausbildungsplatz. Nach der Wende hat er das Glück, als Maler an der großen Sanierung der Siedlung zur Expo 2000 beteiligt zu sein.

Jens Uwe Borsdorf unterwegs in der Gartenstadt Piesteritz
Malermeister Jens Uwe Borsdorf unterwegs in der Gartenstadt Bildrechte: DOKfilm / Jens Eckhardt

Kaum einer kennt den Wohnkomplex so gut wie Borsdorf, der seit mehr als 20 Jahren für die Instandhaltungsarbeiten der denkmalgeschützten Häuser verantwortlich ist. Doch zu Jahresbeginn hat es wieder einen Eigentümerwechsel gegeben und Borsdorf hofft wie viele andere Piesteritzer, dass der Wechsel nicht auf Kosten der Wohnqualität geht und die Gartenstadt verfällt. Der Sanierungsstopp der letzten Woche ist gerade erst aufgehoben.

Höhen und Tiefen im Schatten der Stickstoffwerke

Im Schatten der Stickstoffwerke haben die Piesteritzer Höhen und Tiefen erlebt; Boom und Niedergang, den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg und den Zusammenbruch am Ende der DDR, als die Siedlung dem Untergang geweiht schien, ruiniert durch mangelnde Instandhaltung und den Ausstoß des Werkes, der nicht nur den Putz der Häuser, sondern auch die Gesundheit ihrer Bewohner angegriffen hat.

Nach der Wende drohte die Siedlung der Immobilienspekulation zum Opfer zu fallen. Die Treuhand setzte auf Einzelprivatisierung, schlug vor, dass die Mieter die Wohnungen kaufen – oder ausziehen.

Engagierte Piesteritzer um Gerhald Leske, der selber lange im Werk gearbeitet hatte und von der Treuhand als Verwalter der Siedlung eingesetzt wurde, konnten diesen Plan mit Unterstützung des Bauhauses Dessau und der Stadt Wittenberg abwenden. Der Denkmalsschutzstatus aus DDR-Zeiten wurde erneuert. Mit den Bayernwerken fand sich 1993 ein Investor, der die Siedlung als Gesamtensemble kaufte und damit den Bestand sicherte.

Neues Engagement gefragt

Bis heute legt der Denkmalschutz seine schützende Hand über die Gartenstadt. Doch die Eigentümer kommen und gehen. Mit dem jüngsten Besitzerwechsel scheint das Schicksal der Siedlung ausgerechnet zum 100jährigen Jubiläum wieder an einem Wendepunkt zu stehen.

Ideenskizze zur Erneuerung der Gartenstadt Piesteritz, 1992
Ideenskizze zur Erneuerung der Gartenstadt Piesteritz, 1992 Bildrechte: Privatarchiv Harald Kegler

Die Geschichte und Geschichten, die sich mit Werk und Gartenstadt verbinden, holen Piesteritz-Enthusiasten wie der Fotograf Rolf Kißling, der selbst in der Siedlung groß wurde, oder die Historikerin Christel Panzig vom Haus der Geschichte Wittenberg, die mit ihrem Team viele Zeitzeugen befragte, in die Gegenwart.

Im Neuen Rathaus von Wittenberg sind derzeit und noch bis 16. September Bilder aus Kißlings beeindruckener Serie zum Alltag der "Familie Walter" in Piesteritz zu sehen.

Harald Kegler 1 min
Bildrechte: DOKfilm Julia Senkler
1 min

Harald Kegler über die Rettung der Gartenstadt Piesteritz als Denkmal | 1992 Das Fax an die Treuhandanstalt

Harald Kegler über die Rettung der Gartenstadt Piesteritz als Denkmal | 1992

Um die Siedlung vor der Einzelprivatisierung durch die Treuhand zu retten, sieht Harald Kegler, damals 1992 am Bauhaus Dessau, nur einen Weg: Der Denkmalstatus aus alten DDR Zeiten muss erneuert werden. Die Zeit läuft!

Mo 13.05.2019 10:34Uhr 00:47 min

https://www.mdr.de/entdecke/video-harald-kegler-ueber-die-rettung-von-piesteritz-als-denkmal100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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All diese Zeitdokumente sind mehr als retrospektiv. Der Entwurf zu einer Gartenstadt –sozial durchmischt und autofrei, offen für Familien, Singles und Senioren – scheint gerade heute alles andere als gestrig. Stadtplaner Harald Kegler, der sich in den 1990er-Jahren am Bauhaus Dessau mit für die Rettung einsetzte, findet, die Gartenstadt gehörte längst auf die Welterbeliste so wie das Bauhaus, das 2019 ebenso wie Piesteritz 100-jähriges Jubiläum feiert. Der Reformwohnungsbau vor den Toren der Stickstoffwerke sei ein wichtiger Vorläufer gewesen. Umgesetzt mit wenigen guten und soliden Materialien, zu erschwinglichen Mieten. Und so lädt die Grand Tour der Moderne des Bauhauses auch zu einem Besuch in Piesteritz.

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Jens Uwe Hermenau und Rolf Kißling 2 min
Bildrechte: DOKfilm Julia Senkler
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Fotograf Rolf Kißling, der über Jahre Siedlung und Alltag der "Familie Walter" dokumentierte, darf ausnahmsweise mal von ganz oben, vom Turm des ehemaligen Rathauses, einen Blick zurück werfen.

Mo 13.05.2019 10:22Uhr 01:32 min

https://www.mdr.de/entdecke/video-fotograf-rolf-kissling-ueber-piesteritz100.html

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Gerhard Leske 2 min
Bildrechte: DOKfilm/ Julia Senkler
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Gerhard Leske, einst Stickstoffwerker, wird von der Treuhand als Siedlungsverwalter eingesetzt. Er soll die Mieter über ihre unklare Zukunft informieren; dass sie kaufen oder gehen sollen. Er beginnt für sie zu kämpfen.

Mo 13.05.2019 10:40Uhr 01:47 min

https://www.mdr.de/entdecke/video-gerhard-leske-ueber-den-kampf-um-die-gartenstadt-piesteritz100.html

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Christel Panzig lächelt freundlich. 1 min
Bildrechte: DOKfilm
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Christel Panzig recherchierte das Alltagsleben der frühen Werkssiedlung, die wie ein Dorf aufgebaut ist. Arbeiter und Chefs sind Nachbarn, allerdings nicht ganz unmittelbar. Was es für Unterschiede und Regeln gab ...

Mo 13.05.2019 14:48Uhr 00:51 min

https://www.mdr.de/entdecke/video-christel-panzig-ueber-piesteritz100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Alltag in der Werkssiedlung Piesteritz "Freitags ging Mutter immer zum Markt vorm Haus Feierabend"

Christel Panzig recherchiert seit vielen Jahren das Alltagsleben in der Piesteritzer Werkssiedlung. Mit ihrem Team vom Haus der Geschichte in Wittenberg fand sie Zeitzeugen und besondere historische Dokumente.

Spielgefährten in der Langen Zeile 1939
Spielgefährten in der Langen Zeile, 1939 Zwischen 1916 und 1919 entsteht die Piesteritzer Werkssiedlung. Nicht nur die Arbeiter leben dort mit ihren Familien, sondern auch die Betriebsleiter. Allerdings in verschiedenen Wohnquartieren. Die Arbeiterfamilien ziehen in die Reihenhäuser am Krummen Weg, der Gartenstraße oder eben der Langen Zeile. Bildrechte: Haus der Geschichte Wittenberg / Aus dem Band: "Freitags ging Mutter immer zum Markt vorm Haus Feierabend"
Spielgefährten in der Langen Zeile 1939
Spielgefährten in der Langen Zeile, 1939 Zwischen 1916 und 1919 entsteht die Piesteritzer Werkssiedlung. Nicht nur die Arbeiter leben dort mit ihren Familien, sondern auch die Betriebsleiter. Allerdings in verschiedenen Wohnquartieren. Die Arbeiterfamilien ziehen in die Reihenhäuser am Krummen Weg, der Gartenstraße oder eben der Langen Zeile. Bildrechte: Haus der Geschichte Wittenberg / Aus dem Band: "Freitags ging Mutter immer zum Markt vorm Haus Feierabend"
Hochzeit im Krummen Weg 1925
Hochzeit im Krummen Weg, 1925 Bereits im Dezember 1916 ziehen die ersten Stickstoffwerker mit ihren Familien in die Häuser am Krummen Weg. Dort sollen auch alle Feuerwehrleute wohnen, um im Brandfall einander schnell informieren und agieren zu können. Bildrechte: Haus der Geschichte Wittenberg / Aus dem Band: "Freitags ging Mutter immer zum Markt vorm Haus Feierabend"
Markttag in Piesteritz 1930er Jahre
Markttag in Piesteritz ,1930er Jahre Angelegt ist die Werkssiedlung wie ein Dorf mit Rathaus, Kirche und auch einem Marktplatz. Bildrechte: Haus der Geschichte Wittenberg / Aus dem Band: "Freitags ging Mutter immer zum Markt vorm Haus Feierabend"
Der 1.Mai Festwagen des Frieursalons Zille 1933
Der 1. Mai-Festwagen des Frieursalons Zille, 1933 Die Dokumentation mit Bildern und Zeitzeugenberichten umfasst den Zeitraum von 1919 bis 2009. Der Band wurde vom Haus der Geschichte Wittenberg herausgeben. Weitere Informationen: http://www.pflug-ev.de/ Bildrechte: Haus der Geschichte Wittenberg / Aus dem Band: "Freitags ging Mutter immer zum Markt vorm Haus Feierabend"
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Der Osten - Entdecke wo du lebst | 14. Mai 2019 | 21:00 Uhr