Wetterwarte Brocken
Bildrechte: MDR / Reiß/Gerber

Der Osten - Entdecke wo du lebst | MDR FERNSEHEN | 12.02.2019 | 21:00 Uhr Der Brocken – Hexenkult und Lauschangriff

Ein Film von Michael Erler

Seit Jahrhunderten umgibt den Brocken eine Aura des Mystischen. Zur Walpurgisnacht zieht es der Sage nach Hexen dorthin, in Zeiten des Kalten Krieges diente er Geheimdiensten zum Abhören des politischen Gegners. Der Film von Michael Erler geht den Mythen und Legenden diese Berges nach.

Wetterwarte Brocken
Bildrechte: MDR / Reiß/Gerber

Der Brocken: mit seinen 1.141 Metern ist er der höchste Berg im Harz. Sein Gipfel liegt fast immer in dichten Nebel gehüllt. Ein Ort, geprägt durch extreme Wetterbedingungen. Eiskalte Winter und schwere Stürme bescheren dem Berg ein Klima ähnlich wie auf Island.

Militärisches Sperrgebiet

Dennoch war und ist der Brocken ein Sehnsuchtsberg der Deutschen. Auch für Hansjörg Hörseljau. Der Fotograf wächst in den sechziger Jahren am Fuße des Brockens auf. Den Berg zu besteigen ist für ihn ein unerfüllbarer Traum, denn er lebt auf der Westseite des "Eisernen Vorhangs". Aber auch für DDR-Bürger bleibt der Brocken tabu. Er liegt im militärischen Sperrgebiet – ein geheimnisvoller Ort.

Hier war die Welt zu Ende. Es ging einfach nicht weiter. Der Brocken war von überall aus sichtbar. Der hat einen eigentlich immer verfolgt. Wir konnten nicht rauf.

Hansjörg Hörseljau, Fotograf

Hexentanz und Goethes Dichtung

Seit Jahrhunderten umgibt den Brocken eine Aura des Mystischen. Zur Walpurgisnacht fliegen Hexen zum Gipfel und feiern Orgien mit dem Teufel, so die alten Sagen. Johann Wolfgang von Goethe setzt dem Berg in seinem "Faust" ein literarisches Denkmal. Er selbst besteigt den Berg zweimal.

Der Hexentanzplatz
Hexentanz am Hexentanzplatz Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Goethe veredelt das natürlich mit seinem Faust. Er macht den Berg mit seiner Dichtung europaweit noch viel populärer. Er selbst hat ja mehrfach den Brocken besucht. Zum ersten Mal im Jahre 1777 bei seiner Winterbesteigung. Beim zweiten Mal übernachtete er dann auch im Wirtshaus auf der Heinrichshöhe unter relativ abenteuerlichen Bedingungen und ist begeistert von dieser wilden Natur und siedelt ja dann auch in der Brockengegend einen Teil seiner Faust-Geschichte an. Da ist der Anteil Goethes auf keinen Fall zu unterschätzen - für die Popularität des Berges.

Dr. Uwe Lagatz Historiker

Jedes Jahr treffen sich tausende Besucher am Brocken und feiern in der Nacht zum 1. Mai das Walpurgisfest. Archäologische Funde und Belege heidnischer Rituale oder Kultstätten aus prähistorischer Zeit gibt es allerdings auf dem Brocken nicht.

Ganz Ohr: Geheimdienste hören mit

Ganz real sind dagegen Relikte aus der Zeit des Kalten Krieges. Nach dem Mauerbau 1961 wird der Berg hermetisch abgeriegelt. Auf dem Gipfel installiert die DDR-Staatssicherheit raffinierte Lausch- und Spionagesysteme, die bis weit nach Westeuropa hinein den Telefon- und Funkverkehr abhören.

Stasi-Abhörkuppel innerhalb der Brockenmauer.
Eine Abhörkuppel auf dem Brocken Bildrechte: Brockenhaus

Hier oben in diesen fünf Kuppeln plus vom großen Fernsehturm - da waren ja auch noch Antennen drauf - hat man alles, was sich im Westen über Funk unterhalten wurde, abhört.

Gerd Borchert, Brockenforscher

Der Brocken war auch das "große Ohr" des sowjetischen Geheimdienstes. Eine mehr als drei Meter hohe Mauer aus Beton und Stacheldraht sicherte das geheimnisvolle Gelände.

"Am 3. Dezember stürmen wir den Brocken"

Die friedliche Revolution von 1989 macht diesem Spuk ein Ende. Am 3. Dezember 1989 erzwingen hunderte Einwohner des Harzes die Öffnung der geheimen Anlagen.

Es ist natürlich den Leuten im Harz zu bunt geworden, dass jetzt alle Grenzen auf waren, aber so ein Stück Brockenplateau ist eingemauert, unbegehbar. Das hat alle mächtig genervt und das NEUE FORUM hat im Vorfeld einen Aufruf gestartet: am 3. Dezember stürmen wir den Brocken.

Ingo Nitschke, Wetterwart

Unter ihnen ist auch der Fotograf Hansjörg Hörseljau.

Es waren alle so happy, so zufrieden, also es war ein Glückstag. Man hatte ja immer davon  geträumt, endlich mal auf diesen Berg rauf zu kommen und jetzt stand man da oben.

Hansjörg Hörseljau

Seit diesem Tag hat er die Veränderungen auf dem Brocken mit seinen Bildern begleitet. Den Abbau der Spionagetürme, das Verschwinden der Mauer und den Abzug der Russischen Soldaten. Heute ist der Brocken wieder ein freier Berg, der jährlich von hunderttausenden Touristen aus Deutschland und der ganzen Welt besucht wird.

Wetterwarte Brocken
Impression im Gegenlicht Bildrechte: MDR / Reiß/Gerber

Der Film "Der Brocken – Hexenkult und Lauschangriff" erzählt die Geschichte dieses magischen Berges, dessen wahre Geheimnisse heute noch in der Natur und den unzugänglichen streng geschützten Wäldern des Nationalparks Harz verborgen sind.   

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Der Osten - entdecke, wo Du lebst | 12. Februar 2019 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Januar 2019, 09:24 Uhr