Der Osten - Entdecke wo du lebst | MDR FERNSEHEN | 15.01.2019 | 21:00 Uhr Das Hotel Elephant in Weimar

Ein Film von Galina Breitkreuz

Fast ein Jahr dauert die Renovierung des legendären Hotels Elephant in Weimar. Im Oktober 2018 ist es dann so weit: das Haus mit seiner über 300-jährigen Historie erstrahlt im neuen Glanz.

Ob zu Goethes Zeiten oder in den Gründungstagen der Deutschen Republik, während der Diktatur der Nationalsozialisten oder in der DDR – wer nach Weimar kommt und bleibt, steigt im Hotel Elephant ab. Hier feiert Friedrich Schiller mit seinen Schauspielern, hier logiert Richard Wagner und Leo Tolstoi und hier setzt Thomas Mann in seinem berühmten Roman "Lotte in Weimar" dem Hotel ein literarisches Denkmal. 1974 wird es zum Originalschauplatz des gleichnamigen DEFA Films. In der Hauptrolle - Hollywoodstar Lilli Palmer.

Kein Zufall auch, dass die Weimarer Sängerin Ute Freudenberg ihre Band "Elefant" nach dem Ort benennt, an dem sie bereits als Studentin viele Abende verbringt. Nach der Wende geben sich Prominente wie Sir Peter Ustinov oder Armin Mueller-Stahl die Ehre. Udo Lindenberg wird gar zum Namensgeber einer Suite, die er über längere Zeit - im Europäischen Kulturstadtjahr 1999 - bewohnt.

Besuch vom Kanzler

Hotel Elepahnt in Weimar
Überraschungsbesuch in Weimar: Helmut Kohl mit Frau und Kindern Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Doch schon vor dem Mauerfall kommt politische Prominenz nach Weimar. So unternimmt Helmut Kohl 1988 eine Privatreise durch die DDR, gemeinsam mit Frau und Söhnen. Abgesehen vom Ministerium für Staatssicherheit weiß kaum jemand, dass er Weimar besucht und im Hotel Elephant übernachten wird. Zeitzeuge von damals ist der Mitarbeiter des Hotels, Günther Mras. Viele Stars lernt er im Laufe seiner mehr als 40-jährigen Arbeit im Hotel kennen, die Begegnung mit Helmut Kohl bleibt aber unvergessen.

Ich habe Helmut Kohl mit Frau und Söhnen im Restaurant bedient. Und das war schon beeindruckend, wenn man so jemanden vor sich hat. Ja, Helmut Kohl war natürlich schon persönlich eine Erscheinung, kam durch die Tür, war groß, kräftig, sehr selbstbewusst.

Günther Mras

Heute gehört das Hotel Elephant zu den ersten Adressen Thüringens. Doch kaum eine luxuriöse Herberge hat so viel Geschichte aufzuweisen wie dieser Ort. Das erste Mal urkundlich erwähnt wird der "Elephant" 1696. Der damalige Herzog gestattet dem Wirt Christian Andreas Barittig einen Gasthof zu eröffnen -  zusätzlich zu dem, den er bereits besitzt: den Schwarzen Bären in unmittelbarer Nachbarschaft.

Bilderstrecke Berühmte Gäste im Hotel Elephant

Wer etwas auf sich hielt, logierte oder dinierte im Hotel Weimarer "Elephant". Der Blick auf die Gästeliste des Hauses spiegelt die deutsche Geschichte – die Liste reicht von Goethe bis Hitler.

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Seine Künstlerfreunde bezogen gern im "Elephant" Quartier: Goethe (1749-1832) kam 1775 auf Einladung von Herzog Carl August nach Weimar und wohnte bis zu seinem Tod fast 50 Jahre gleich um die Ecke am Frauenplan. Bildrechte: imago/United Archives
Franz Liszt
Franz Liszt (1811-1886) galt als der größte Pianist seiner Zeit und "reisender Virtuose". Großherzog Carl Alexander von Sachsen holte ihn als Hofkomponisten nach Weimar. Bildrechte: IMAGO
Die Nazigrößen (l-r) Adolf Hitler, Alfred Rosenberg, Heinemann, Gottfried Feder, Rudolf Heß und Albrecht marschieren im Juni 1926 durch Weimar
Die Nazigrößen (l-r) Adolf Hitler, Alfred Rosenberg, Heinemann, Gottfried Feder, Rudolf Heß und Albrecht marschieren im Juni 1926 durch Weimar. Auch nach seinem Machtantritt bleibt Weimar Hitlers Lieblingsgau. Er residiert immer im Hotel "Elephant". Bildrechte: dpa
Anna Seghers im Gespräch mit Thomas Mann, 1955
Thomas Mann ist es wohl zu verdanken, dass das Hotel "Elephant" seine Wiedergeburt erlebte. Gemeinsam mit Anna Seghers gehörte er zu den ersten, die sich ins Gästebuch eintrugen. Bildrechte: dpa
Sting
Auch Sting logierte mal im Hotel "Elephant". Bildrechte: Universal Music/Olaf Heine
Der Literaturnobelpreisträger Imre Kertész (2003)
Literaturnobelpreisträger Imre Kertész (1929-2016) kam 2003 nach Weimar, um in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald aus seinem Buch "Roman eines Schicksallosen" zu lesen. In dem bewegenden Buch erzählt er, wie er die Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald überlebte. Auch er hinterließ einen Gästebucheintrag im "Hotel Elephant", in dem einst Hitler logierte. Bildrechte: dpa
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Seine Künstlerfreunde bezogen gern im "Elephant" Quartier: Goethe (1749-1832) kam 1775 auf Einladung von Herzog Carl August nach Weimar und wohnte bis zu seinem Tod fast 50 Jahre gleich um die Ecke am Frauenplan. Bildrechte: imago/United Archives
Der österreichische Schriftsteller und Dramatiker Franz Grillparzer in einer undatierten Lithographie des Wiener Porträtlitographen Josef Kriehuber (1800-1876).
Der österreichische Dramatiker Franz Grillparzer (1791-1872) reiste 1826 nach Weimar, um Goethe seine Aufwartung zu machen und logierte ebenfalls im "Vorzimmer zu Weimars lebender Walhalla". Bildrechte: dpa
Clara Schumann
Die Pianistin Clara Schumann (1819-1896) unternahm ausgedehnte Konzertreisen. Sie konzertierte mit Liszt, Grillparzer widmete der berühmten Künstlerin ein Gedicht ("Clara Wieck und Beethoven"), der 82-jährige Goethe hörte sie in Weimar spielen. Bildrechte: imago/United Archives
Der Komponist Richard Wagner.
Sein politisches Rebellentum zwang den Hofkapellmeister Richard Wagner (1813-1883) im Jahr 1849 zur Flucht aus Dresden. Mit der Postkutsche kam er nach Weimar zu seinem Freund Franz Liszt. Bildrechte: dpa
Lew Tolstoi,
Der russische Schriftsteller Leo Tolstoi (1828-1910) sah sich nicht nur im Goethehaus um, sondern studierte die Reform des Thüringer Schulwesens in Weimar und Jena. Bildrechte: dpa
Lilli Palmer, undatierte Aufnahme
1974 verfilmte Regisseur Egon Günther "Lotte in Weimar" im Haus, das als Interhotel firmierte. Für mächtig Auflauf sorgte die Starbesetzung, denn zur Mitwirkung verpflichtet werden konnte Weltstar Lilli Palmer als Lotte. Bildrechte: dpa
Der deutsche Altrocker Udo Lindenbergauf dem Balkon seiner Suite im Weimarer Hotel "Elephant" (1999)
Nach der Wende machte Udo Lindenberg das Hotel zu seinem Stammquartier. Im Europäischen Kulturstadtjahr 1999 sah man ihn öfter auf dem Balkon. Bildrechte: dpa
Jan Josef Liefers
Eins der schönsten Komplimente schrieb Jan Josef Liefers ins Gästebuch: "Wäre Gast ein Hauptberuf, würde ich ihn gern hier im 'Elephant' ausüben." Bildrechte: IMAGO
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"Das Vorzimmer zu Weimars lebender Walhalla"

Die Besitzer nach Barittig führen das Haus mit wechselndem Erfolg. 1766 erfolgt die Versteigerung des Unternehmens, zu dem zu der Zeit schon 14 Stuben, 14 Kammern, drei Bierkeller, ein großer Weinkeller und Stallungen für mehr als 100 Pferde gehören. Für neuen Schwung sorgt dann die Entourage von Goethe. Der kommt 1775 auf Einladung von Herzog Carl August in die Residenz an der Ilm und wohnt bis zu seinem Tod fast 50 Jahre gleich um die Ecke am Frauenplan. Seine Künstlerfreunde beziehen oft im "Elephanten" Quartier – auch die, die dem Dichterfürsten ihre Aufwartung machen wollten. So wie der österreichische Dramatiker Franz Grillparzer, der sich 1826 einmietet.

Während der sogenannten Weimarer Klassik hatte der Elephant schon wirklich einen Namen. Alle, die hierher kamen um Goethe und um Schiller zu besuchen, sind hier abgestiegen. Grillparzer hat später mal gesagt: ‚Der Elephant ist das Vorzimmer zu Weimars lebender Walhalla.'

Andrea Dietrich, Kunsthistorikerin
Hotel Elepahnt in Weimar
Hitler logierte 35 Mal in Weimar Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Doch auch finstere Jahre muss das Haus erdulden. Im Juli 1926 trägt sich Adolf Hitler erstmals ins Gästebuch des "Elephanten" ein. Als Schriftsteller. Tatsächlich hat er da schon den ersten Teil von "Mein Kampf" verfasst. Weimar wird zur "Probebühne" für seine Auftritte auf dem Weg von München nach Berlin und bleibt auch nach seinem Machtantritt eine seiner Lieblingsstädte. So sieht sich die Gauleitung veranlasst, das alte Gasthaus 1937 abzureißen, um "das modernste Hotel Europas“ zu errichten. Rund 35 Mal logiert Hitler im ersten Haus am Platze, das dann auch als Parteizentrale dient. Wie so viele Weimarer ist auch der Hoteldirektor des "Elephant" glühender Nationalsozialist. Persönlich sorgt er dafür, dass dem Vegetarier Hitler die "Weimarer Brotsuppe" serviert wird. Jüdischen Gästen hingegen wird der Zugang verwehrt.

Geschichte als Markenzeichen

Die Geschichte ist das Markenzeichen des "Elephant". Und so ist es heute umso mehr eine Herausforderung, sich dieser Geschichte zu stellen. Das weiß auch Hoteldirektor Andreas Kartschoke, der das Haus seit 2018 leitet.

Hotel Elepahnt in Weimar
Andreas Kartoschke leitet das Hotel seit 2018 Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Jeder weiß auch, was hier zum Teil für ein Unheil geplant wurde und jeder weiß auch, dass ein paar Kilometer entfernt dieses unsägliche Konzentrationslager Buchenwald war. Und genau deshalb müssen wir und wollen wir auch mit diesem Hotel Elephant einen Kontrapunkt setzen.

Andreas Kartschoke, Hoteldirektor

"Der Osten – Entdecke wo du lebst" erzählt in dieser Folge Geschichte und Gegenwart des legendären Hotels und gewährt einen exklusiven Blick hinter seine Kulissen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Der Osten - entdecke, wo Du lebst | 15. Januar 2019 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Januar 2019, 15:34 Uhr