Der Osten – Entdecke wo du lebst | MDR FERNSEHEN | 10.03.2020 | 21:00 Uhr Endlager Morsleben - Geheimnis, Mythos, Wirklichkeit

Ein Film von Galina Breitkreuz

Das kleine Dorf Morsleben - eine Idylle in der sachsen-anhaltischen Börde und der perfekte Ort, um Unliebsames zu verbergen. Es gibt kaum einen Ort im Osten Deutschlands, dessen Image widersprüchlicher sein könnte. Das liegt vor allem am Bergwerk, das sich seit mehr als 100 Jahren in Morsleben befindet.

Erschlossen für den Kalisalz-Abbau bleibt später vieles, was sich unter Tage tut, der Öffentlichkeit verborgen, wie die Lagerung von Munition, lange bevor die meisten Deutschen ahnen, dass es einen 2. Weltkrieg geben wird. Als er dann schon fast zu Ende ist, beginnt tief in der Erde unter Morsleben die Produktion geheimer Waffen. Dass es Zwangsarbeiter sind, Häftlinge des in der Nähe erbauten Konzentrationslagers, darüber beginnt erst Jahrzehnte später eine Auseinandersetzung.

Von der Stasi überwacht

Mit dem Bau der Mauer wird  Morsleben, das kleine Dorf an der innerdeutschen Grenze, zur Enklave. Als sogenanntes Sperrgebiet, ist es nur für Bewohner oder mit offizieller Genehmigung zugänglich. Was sich zu jener Zeit dort tut, wofür das Bergwerk in der DDR genutzt wird, wissen nur Wenige.

Morsleben
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die industrielle Nutzung der Kernenergie galt in der DDR als Fortschrittsideologie, womit eben Hoffnungen verknüpft gewesen sind, auf ein größeres Wirtschaftswachstum, auf einen größeren gesellschaftlichen Wohlstand und nicht zuletzt auf eine größere internationale Anerkennung.

Historiker Sebastian Stude

Für den anfallenden radioaktiven Müll aus der Nutzung der Kernenergie muss man allerdings eine Lösung finden. Und plötzlich gerät das Salzbergwerk direkt an der innerdeutschen Grenze in den Fokus. Alle Anforderungen scheinen dort erfüllt: im Bergwerk Morsleben wird im Geheimen und unter strenger Überwachung der Staatsicherheit eingelagert.

Das ändert sich schlagartig, als mit der Wende plötzlich bekannt wird, im Bergwerk lagern schwach- und mittelradioaktive Abfälle. Protestaktionen gegen das Endlager beginnen. Nach und nach erfährt die Öffentlichkeit, dass mit der Einlagerung bereits in den 1970-er Jahren begonnen wurde. Außerdem wurde in einem Teil des Bergwerks die einzige Hühnermastanlage der DDR unter Tage betrieben. Die wird geschlossen, als ab 1987 20.000 Fässer mit giftigen chemischen Abfällen in das Bergwerk nach Morsleben kommen.

Gesamtdeutsches Endlager

Allen Protesten zum Trotz wird das Endlager für radioaktive Abfälle in Morsleben nach der Wende zum gesamtdeutschen Projekt. Was zu DDR Zeiten nicht geschah, wird plötzlich nach der Wiedervereinigung möglich, radioaktiver Müll aus ganz Deutschland kommt nun in die Anlage nach Morsleben.

Morsleben 2 min
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Der Einigungsvertrag hat ja vorgesehen, dass die strengen Maßstäbe, die im Westen gültig waren, ja auch in der DDR Anwendung finden sollten. Und hier wurden Sonderregelungen geschaffen - als Übergangsregelungen, die genutzt wurden, […} um die Lager in den westdeutschen Kraftwerken, beziehungsweise die Zwischenlager zu leeren.

Wolfram König, Bundesamt für Sicherheit der nuklearen Entsorgung

Das Endlager Morsleben gibt es noch immer, auch wenn die Einlagerung schon 1998 gestoppt wurde und die Fässer mit chemischem Giftmüll dort inzwischen nicht mehr lagern. Geplant ist eine endgültige Stilllegung. Bis dahin allerdings bleibt das Endlager Morsleben wichtigster Arbeitgeber für die meisten der 329 Bewohner des kleinen Ortes.  Wie ihr Arbeitsalltag heute im Endlager Morsleben aussieht, auch davon erzählt dieser Film.

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