Der Osten – Entdecke wo du lebst | MDR FERNSEHEN | 01.10.2019 | 21:00 Uhr Farbfernseher aus Staßfurt – Der RFT Color 20

Der RFT Color 20 galt seinerzeit als Weltsensation. 1969 in Staßfurt unter Zeitdruck und Matrialmangel gebaut, war er der erste stromsparende Farbfernseher. Der Film erzählt davon und blickt hinter die Kulissen des DDR-Fernsehens.

Historisches Bild: Arbeiter stehen hinter Fernsehgerät
Am 2. Oktober 1969 - einen Tag vor der Eröffnung des Farbfernsehsenders - haben die Staßfurter den 1000. "Color 20" gebaut. Bildrechte: RFT-Verein Staßfurt, Christoph Dziolloß

Ich weiß noch genau, wie wir am 3. Oktober 1969 im RFT-Fernsehgerätewerk Staßfurt der allerersten DDR-Farbsendung entgegenfieberten. Wir hatten drei funkelnagelneue 'Color 20' aufgestellt und die Mitarbeiter saßen in Scharen davor, gespannt, ob es tatsächlich funktionieren würde und wir das erste Mal live in Farbe fernsehen können. Das war sehr aufregend.

Franz Korsch, ehemaliger Betriebsdirektor des RFT-Fernsehgerätewerks Staßfurt

Das Projekt Farbfernsehen in der DDR glückt mit Bravour. Um 20 Uhr am 3. Oktober 1969 – nur zwei Jahre nach der BRD – strahlt das DDR-Fernsehen seine erste Sendung in Farbe aus. Gebührend feierlich drückt Walter Ulbricht auf den großen roten Knopf und eröffnet damit das zweite Programm des DDR-Fernsehens, das von nun an jeden Abend bunte Unterhaltung in die Wohnzimmer der Bürger bringt. "In diesen Minuten beginnt der Fernsehfunk der Deutschen Demokratischen Republik mit den Sendungen des zweiten Programms. Damit werden zum ersten Mal auch Farbfernsehprogramme in unserem Land ausgestrahlt", so Ulbricht in seiner Eröffnungsansprache.

Staßfurter bauen Weltsensation

Mann steht neben altem Fernseher und erklärt etwas
Chefentwickler des "Color 20" Horst Schlesier im Forschungslabor in Dresden Bildrechte: Jan Siegmeier, Fa. Werkblende

Die brandneue Flimmerkiste dazu ist eine Sensation. Der "RFT Color 20" ist das weltweit erste Gerät, das volltransistorisiert auf Halbleiterbasis gebaut wird und damit weniger Energie verbraucht als alle anderen zuvor entwickelten Geräte. Mit erheblichem Materialmangel und unter enormem Zeitdruck gelang es den Wissenschaftlern in nur vier Jahren, alle Schwierigkeiten auszumerzen und einen Fernseher zu entwickeln, der stromsparend und noch dazu in Farbe sendet. Eine Meisterleistung!

"Der Farbfernseher sollte eigentlich erst 1970 in Produktion gehen. Doch 1967 - als das Westfernsehen Farbe einführte - hieß es plötzlich von ganz oben, das Gerät müsse bereits 1969, zum 20. Jahrestag der DDR, fertig sein und soll den Namen Color 20 tragen," erinnert sich der Chefentwickler des "Color 20", Horst Schlesier. "Ein Jahr weniger für die Entwicklung! Das hat uns oft an unsere Grenzen gebracht. Aber wir haben es geschafft."

Mit der Produktion des "Color 20" entwickelt sich das RFT-Werk in Staßfurt zu dem Fernsehgerätehersteller der DDR. Zu Spitzenzeiten arbeiten dort 4.000 Beschäftigte.

Das RFT-Werk in Staßfurt - wo DDR-Fernsehgeschichte geschrieben wurde

Historisches Bild: Ausstellung mit Fernsehgeräten
Die Leipziger Herbstmesse 1960: Das Fernsehgerätewerk zeigte hier noch seine Schwarz-Weiß-Geräte. Bildrechte: RFT-Verein Staßfurt, Christoph Dziolloß
Historisches Bild: Ausstellung mit Fernsehgeräten
Die Leipziger Herbstmesse 1960: Das Fernsehgerätewerk zeigte hier noch seine Schwarz-Weiß-Geräte. Bildrechte: RFT-Verein Staßfurt, Christoph Dziolloß
Historisches Bild: Fabrikgelände mit mehreren Hallen
Betriebsansicht 1965: Das Staßfurter Werk wurde für die Produktion des ersten Farbfernsehgerätes aufwendig ausgebaut. Bildrechte: RFT-Verein Staßfurt, Christoph Dziolloß
Historisches Bild: Frauen montieren Teile
Das Fernsehgerätewerk beschäftigte hauptsächlich Frauen. Hier ist zu sehen, wie sie Chassis montieren. Bildrechte: RFT-Verein Staßfurt, Christoph Dziolloß
Historisches Bild: Arbeiter stehen hinter Fernsehgerät
Am 2. Oktober 1969 - einen Tag vor der Eröffnung des Farbfernsehsenders - haben die Staßfurter den 1000. "Color 20" gebaut. Bildrechte: RFT-Verein Staßfurt, Christoph Dziolloß
Historisches Bild: Walter Ulbricht drückt Knopf
Am 3. Oktober 1969 eröffnete Walter Ulbricht feierlich das 2. Programm des DDR-Fernsehens, das vorerst nur am Wochenende vier Stunden in Farbe sendete. Bildrechte: RFT-Verein Staßfurt, Christoph Dziolloß
Historisches Bild: Frauen montieren Geräte in Werkhalle
In solchen großen Hallen wurden die Fernsehgeräte gebaut. In Spitzenzeiten arbeiteten hier 4.000 Menschen. Bildrechte: RFT-Verein Staßfurt, Christoph Dziolloß
Historisches Bild: Mann repariert einen Fernseher
Die Produktion des "Color 20" 1969 Bildrechte: RFT-Verein Staßfurt, Christoph Dziolloß
Historisches Bild: Männer montieren Fernsehgeräte
Die "Color 20"-Geräte wurden einzeln und in mehreren Schritten getestet, bevor sie in den Verkauf gingen. Bildrechte: RFT-Verein Staßfurt, Christoph Dziolloß
Historisches Bild: Fernsehgerät, davor zwei Frauen, die etwas trinken, und ein Mann, der Pfeife raucht
Werbefoto "Color 20" 1969 Bildrechte: RFT-Verein Staßfurt, Christoph Dziolloß
Historisches Bild: Parkplatz mit Autos vor Hochhaus
Das Wahrzeichen von Staßfurt - das Hochhaus des Fernsehgerätewerkes. Nach der Wende wurde es gesprengt. Bildrechte: RFT-Verein Staßfurt, Christoph Dziolloß
Mann steht neben altem Fernseher und erklärt etwas
Horst Schlesier und der von seinem Team entwickelte "Color 20". In nur vier Entwicklungsjahren haben sie Farbe auf die Mattscheibe gebracht - eine Sensation! Bildrechte: Jan Siegmeier, Fa. Werkblende
Mann sitzt an Tisch vor Unterlagen
Chefentwickler Schlesier ist heute 88 Jahre alt. Noch immer hütet er seine alten Unterlagen. Bildrechte: Jan Siegmeier, Fa. Werkblende
Mann blickt in Innenleben eines alten Fernsehers
Gemeinsam mit 35 Mitarbeitern hat er den "Color 20" entwickelt. Bildrechte: Jan Siegmeier, Fa. Werkblende
Zwei Männer stehen in Werkstatt und lächeln sich an
Franz Korsch (links) war ehemaliger Betriebsdirektor in Staßfurt. Heute leitet er dort ein kleines RFT-Museum und repariert mit seinem Team alte Fernsehgeräte. Bildrechte: Jan Siegmeier, Fa. Werkblende
Mann arbeitetet mit Lötkolben in Werkstatt
Hier ein Mitarbeiter des RFT-Museums bei der Reparatur eines "Color 20". Bildrechte: Jan Siegmeier, Fa. Werkblende
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Die Dokumentation zeigt die Geschichte des RFT-Werkes - von den Anfängen bis zum Kampf um das Werk nach der Wende. Autorin Linda Süß taucht ein in die aufwändige Entwicklung des ersten Farbfernsehers, trifft den Chefentwickler, Horst Schlesier, und begleitet den ehemaligen Betriebsdirektor des Werkes, Franz Korsch, der mit seinen 82 Jahren noch immer für Fernsehgeräte aller Art große Leidenschaft hegt. Dafür steht unter anderem sein RFT-Museum in Staßfurt.

Die Umstellung auf Farbfernsehen - keine leichte Aufgabe

Ein Blick hinter die Kulissen des DDR-Fernsehens verdeutlicht zudem, wie aufwändig 1969 die Umstellung auf Farbe war. Die Studioleiter, Kameramänner und -frauen, Moderatorinnen und die Maskenbildnerinnen mussten ihre Arbeit völlig neu interpretieren. Jeder einzelne von ihnen ist heute noch stolz darauf, bei einem so einzigartigen Ereignis dabei gewesen zu sein.

Ein Film von Linda Süß

Quelle: MDR/agz

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Der Osten - entdecke, wo Du lebst | 01. Oktober 2019 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. September 2019, 09:21 Uhr

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