Der Osten - Entdecke wo du lebst | MDR Fernsehen | 21.09.2021 | 21:00 Uhr Aufbruch in der Altmark: Kalbe und die Künstlerstadt

In der Künstlerstadt Kalbe tummeln sich Kreative aus der ganzen Welt. Die Stadt im Norden Sachsen-Anhalts will sich für Neues öffnen und gleichzeitig den wachsenden Leerstand bekämpfen – ein Herzensprojekt, bei dem viele Einheimische ehrenamtlich mitmachen.

Drei Frauen mit Kuscheltieren auf einer bunten Bank
Corinna Köbele, Gründerin der Künstlerstadt, zwischen den Patinnen Elke Gabriel (li.) und Sigrid Fricke (re.) auf ihrer selbst gestalteten Bank zum alljährlichen Bänkefest Bildrechte: privat

Durchschnittlich zwei Stunden pro Tag im Jahr arbeiten viele Menschen in Kalbe ehrenamtlich für ihre Stadt, seit Corinna Köbele 2012 auf die Idee mit der Künstlerstadt kam. "Wir möchten, dass unser Ort auch für junge Leute attraktiv bleibt. Jeder Wohnraum, der wieder genutzt wird, und jedes Gebäude, das in neuem Glanz erstrahlt, ist ein Gewinn. Das ist für mich der Antrieb mitzumachen", sagt Sigrid Fricke, die von Anfang an dabei ist. Sie gehört zum "harten Kern", einer Gruppe engagierter Ortsansässiger, die in der altmärkischen Kleinstadt unentgeltlich leerstehende Häuser entrümpeln, Türen reparieren, Wände verputzen und Fenster streichen, solange bis aus einem verlassenen Gehöft ein Kulturhof mit Ateliers oder aus dem Alten Gericht ein Quartier für junge Unternehmen geworden ist.

Menschen aus aller Welt in Kalbe

Seit es die Künstlerstadt gibt, kommen regelmäßig Menschen aus aller Welt nach Kalbe. Musikerinnen und Maler ebenso wie Erfinderinnen oder Architekten. Besonders beliebt ist der sogenannte Sommercampus. 230 internationale Stipendiaten waren seit Vereinsgründung schon zu Gast. Auch dieses Jahr haben sich Studierende aus zwölf Nationen angekündigt, darunter aus Armenien, China und dem Iran. Drei Monate werden sie in Kalbe arbeiten und die schöne, aber verschlafene Stadt mit ihren kreativen Ideen füllen – oft, jedoch nicht immer zur Freude der Einheimischen.

Bildergalerie Aufbruch in der Altmark - Kalbe und die Künstlerstadt

Wegweiser mit vielen Pfeilen an Straße in Ortschaft
Von Kalbe in die Welt und zurück: In dem kleinen Städtchen in der Altmark im Norden Sachsen-Anhalts begegnet man dem wachsendem Leerstand mit Offenheit gegenüber dem Neuen. Bildrechte: MDR/Schmidtfilm Produktion
Wegweiser mit vielen Pfeilen an Straße in Ortschaft
Von Kalbe in die Welt und zurück: In dem kleinen Städtchen in der Altmark im Norden Sachsen-Anhalts begegnet man dem wachsendem Leerstand mit Offenheit gegenüber dem Neuen. Bildrechte: MDR/Schmidtfilm Produktion
Frau mit Hund zu ihren Füßen in einem Atelier
Künstler aus aller Welt sind willkommen, um hier zu leben und sich einzubringen: Elvira Chevalier und Hund Jack. Bildrechte: MDR/Schmidtfilm Produktion
 Corinna Köbele, Gründerin der Künstlerstadt, zwischen den Patinnen Elke Gabriel (li.) und Sigrid Fricke (re.)
Corinna Köbele ist die Gründerin der Künstlerstadt, hier zwischen den Patinnen Elke Gabriel (li.) und Sigrid Fricke (re.) auf ihrer selbst gestalteten Bank zum alljährlichen Bänkefest. Bildrechte: MDR/Schmidt-Film/priv
Frau sitzt an Küchentisch und putzt Erdbeeren, hinter ihr steht ein Mann, beide lächeln
Teil des harten Kerns, der sich für das Projekt "Künstlerstadt Kalbe" ehrenamtlich engagiert: Sigrid Fricke und Ralf Schulenburg. Bildrechte: MDR/Schmidtfilm Produktion
Mann steht auf Hof und fegt Grünschnitt
Auch Architekturstudent Dustin packt dort mit an, wo Hilfe benötigt wird. Bildrechte: MDR/Schmidtfilm Produktion
Menschen stehen rund um gedeckten Tisch und werden gefilmt
Zeit zum Innehalten muss sein: Kaffeepause im Kulturhof. Bildrechte: MDR/Schmidtfilm Produktion
Hof mit alten Häusern und einer gespannten bunten Wimpelkette
Orte des Wandels in Kalbe: früher Kfz-Werkstatt, heute Ort für Künstler: die Trabbibude. Bildrechte: MDR/Schmidtfilm Produktion
Kalbes ehemalige Amtsgericht wird zum Gründerlabor
Kalbes ehemaliges Amtsgericht wird zum Gründerlabor. Bildrechte: MDR/Schmidt-Film/priv
Vom Bauern- zum Kulturhof werden in Kalbe leerstehende Gebäude
Vom Bauern- zum Kulturhof: Eines von vielen Beispielen wie in Kalbe leerstehenden Gebäuden neues Leben eingehaucht wird. Bildrechte: MDR/Schmidt-Film
Bunte Fahrräder in einer Garage
Motiviert bereitet sich die Fahrradflotte der Künstlerstadt auf die nächste Tour vor. Bildrechte: MDR/Schmidtfilm Produktion
Blick auf Kirchturm und Altstadt von Kalbe
Blick auf den Kirchturm und die Altstadt der Künstlerstadt Kalbe. Bildrechte: MDR/Schmidtfilm Produktion
Vogelperspektive Storch brütet auf altem Giebel, darunter die Stadt Kalbe mit Fluss und Häusern
Störche brüten auf der Wasserburgruine mit Blick auf die Milde. Bildrechte: MDR/Schmidtfilm Produktion
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Die Künstlerstadt möchte nicht jedem gefallen und doch für alle offenbleiben. Gelegenheiten zum Austausch mit den Gästen gibt es daher viele: beim Konzertabend ebenso wie beim Sommerkino und vor allem beim samstäglichen Atelierrundgang, wenn die Künstlerinnen und Künstler ihre kreativen Ergebnisse präsentieren. Auch privat trifft man sich: Die Kalbenser übernehmen Patenschaften und laden in ihre Gärten ein. Die Kunstschaffenden danken es mit Begeisterung und Neugierde für den Ort. Am Ende eines Sommers profitieren alle.

Kreative Antwort gegen den demografischen Wandel

So bietet die Künstlerstadt eine kreative Antwort auf den Weggang junger Leute und den demografischen Wandel einer Region. Wie auch andere Vereine der Einheitsgemeinde, lädt die Initiative von Corinna Köbele Menschen dazu ein, sich wieder für ihren Ort einzusetzen – nur eben auf etwas ungewöhnlichere Weise. Ein MDR-Team war dabei und zeigt, wie die Kalbenser ihr Städtchen umkrempeln, dem Leerstand Leben einhauchen und sich auf die jungen Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt und ihre Kunst einlassen und selbst kreativ werden.

Ein Film von Amelie Befeldt und Anna Neuhaus

Quelle: MDR/Anne Gehn-Zeller

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Der Osten - Entdecke wo du lebst | 21. September 2021 | 21:00 Uhr