Der Osten – Entdecke wo du lebst | MDR-Fernsehen | 10.11.2020 | 21:00 Uhr Leuchten, Lampen und Reklame – Halles Weg zum Licht

Ein Film von Tom Kühne

"Mehr Licht!" soll Walter Ulbricht mal auf einer nächtlichen Fahrt durch die ehemalige DDR gesagt haben. Seit den 1960er-Jahren rüstete die DDR deshalb auf. Ausgerechnet Halle wird dabei zum Zentrum der Leuchtproduktion.

Werbereklame des VEB Neontechnik in Halle
Der VEB "Neontechnik Halle" war der größte Hersteller von Leuchtreklame im Ostblock. Bildrechte: Dirk Seifert

Eine Legende sagt, dass Walter Ulbricht in den 1960er-Jahren mit dem jugoslawischen Staatspräsidenten Josip Broz Tito durch das nächtliche Leipzig fährt. Es ist Messe und Tito beschwert sich, wie dunkel und trist die Straßen sind. Zu wenig Licht, zu wenig Glanz! Daraufhin soll Ulbricht die Parole "Mehr Licht!" ausgegeben haben.

Wettleuchten statt Wettrüsten

Wettleuchten statt Wettrüsten – ab den 1960er-Jahren rüstet die DDR lichttechnisch auf und ausgerechnet die Chemiestadt Halle wird zum zentralen "Lichtschalter" der Republik. Hier entwickeln Techniker und Designer die ersten Hochmastleuchten der DDR und lassen Fußgängerboulevards, den Berliner Alexanderplatz oder das Gewandhaus in Leipzig im besten Licht erstrahlen.

Wir haben den Sozialismus mit unseren Neonanlagen bunter gemacht! Man denkt ja oft, eigentlich war in der DDR alles grau in grau, aber unsere Neonwerbung die war gelb, grün, blau und orange. Und wenn dann wieder so eine Lichtwerbung irgendwo montiert und dann am ersten Abend angeschaltet wurde, das war jedes Mal ein großes Ereignis!

Thomas Jost, ehemaliger Elektromonteur im VEB "Neontechnik Halle"
Zeitzeuge Thomas Jost.
Thomas Jost Bildrechte: Tom Kühne

Thomas Jost hat zu DDR-Zeiten im VEB "Neontechnik Halle", dem größten Hersteller von Leuchtreklame im Ostblock, gearbeitet. Die Olympischen Spiele, aber auch die Metropolen Prag und Budapest wären ohne die Neontechniker dunkel geblieben. Heute noch legendäre Werbe-Schriftzüge wie "Plaste und Elaste aus Schkopau", "Minol", "Narva - taghell" oder "Flughafen Berlin-Schönefeld" kamen aus Halle.

Lichtreklame in der DDR Eindrücke aus der Dokumentation

Eine Pendelleuchte P605
Die Pendelleuchte P605 ist die meistverkaufte Leuchte in der DDR. Bildrechte: Günter Höhne
Eine Pendelleuchte P605
Die Pendelleuchte P605 ist die meistverkaufte Leuchte in der DDR. Bildrechte: Günter Höhne
Design-Leuchten des VEB Metalldrücker
Design-Leuchten des VEB "Metalldrücker" Bildrechte: Günter Höhne
Katalog der Messe-Neuheiten des VEB Metalldrücker.
Der Katalog der Messe-Neuheiten des VEB "Metalldrücker" Bildrechte: Tom Kühne, Gerd-Heinz Laitko
Sammler Günter Höhne
Sammler Günter Höhne organisierte die erste Ausstellung mit Design-Lampen des VEB "Metalldrücker". Bildrechte: Tom Kühne
Lager der Metalldrücker GmbH
Das Lager der "Metalldrücker GmbH" im Jahr 2003 Bildrechte: Günter Höhne
DDR-Werbung im Buchstabenmuseum Berlin.
Im Buchstabenmuseum in Berlin... Bildrechte: Tom Kühne
Leuchtwerbung im Buchstabenmuseum Berlin.
ist Leuchtreklame aus der DDR ausgestellt. Bildrechte: Tom Kühne
Lichtwerbung Gastronom in Halle-Neustadt
Beispiele von Lichtwerbung in der DDR: Das Bild zeigt das Gastronom in Halle-Neustadt. Bildrechte: Dirk Seifert
Werbereklame des VEB Neontechnik in Halle
Hier sieht man die Lichtreklame des VEB "Neontechnik Halle". Der Betrieb war der größte Hersteller von Leuchtreklame im Ostblock. Bildrechte: Dirk Seifert
Aufbau der Hochmastleuchten am Riebeckplatz in Halle
Hochmastleuchten werden am Riebeckplatz in Halle aufgebaut. Der Riebeckplatz ist der größte Verkehrsknoten der DDR. Bildrechte: Dirk Seifert
eine Hochmastleuchte zu DDR-Zeiten.
Die erste Hochmastleuchte der DDR am Riebeckplatz in Halle Bildrechte: Tom Kühne
Zeitzeuge Thomas Jost.
Thomas Jost hat zu DDR-Zeiten im VEB "Neontechnik Halle", dem größten Hersteller von Leuchtreklame im Ostblock, gearbeitet. Bildrechte: Tom Kühne
Ein Mann kontrolliert einen Leucht-Buchstaben.
Einer der legendären Werbeschriftzüge der Firma war z.B. "Flughafen Berlin-Schönefeld". Thomas Jost hat die Buchstaben der alten Leuchtschrift wiederentdeckt. Bildrechte: Tom Kühne
Erste Ikea-Filiale in München
Die erste Ikea-Filiale wird 1974 in München eröffnet – auch Leuchten aus Halle sind im Sortiment.

Dieses Thema im Programm:
Der Osten – Entdecke wo du lebst | 10. November 2020 | 21:00 Uhr

Quelle: MDR/sp
Bildrechte: Ikea Presse
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Der Osten – Entdecke wo du lebst | 10. November 2020 | 21:00 Uhr

Zentrum für Design-Leuchten in der DDR

Halle ist aber auch ein Zentrum für Design-Leuchten in der DDR. Anfang der 1970er-Jahre wird der VEB "Metalldrücker" zum größten Exporteur für Wohnraumleuchten aus Metall. Schwedische Einkäufer entdecken die Design-Lampen auf der Leipziger Messe und sind begeistert. Und so hängen 1974 in der ersten deutschen Ikea-Filiale bei München auch Leuchten aus Halle über bayerischen Köpfen.

Design-Leuchten des VEB Metalldrücker
Design-Leuchten des VEB "Metalldrücker" Bildrechte: Günter Höhne

"Unsere Lampen waren zeitlos schön, und deshalb kann man sie auch heute noch überall finden. Erst neulich habe ich sie in einem Tatort wiedergesehen und als ein schwedischer Krimi im Fernsehen lief, habe ich gedacht, ach, da hängt ja wieder eine von uns. Und darauf ist man natürlich stolz, wenn unsere Leuchten auch nach vierzig oder fünfzig Jahren noch funktionieren!", so Gerd-Heinz Laitko, der ehemalige Chefdesigner im VEB "Metalldrücker".

Auf Zeitreise in einem Film

Der Film begibt sich auf eine Entdeckungsreise durch (fast) 40 Jahre Licht- und Werbegeschichte des Ostens. Zeitzeugen erinnern sich, unter welch schwierigen, teils aberwitzigen Bedingungen aus Halle das Licht in die DDR kam. Nach der Wende verschwand vieles von öffentlichen Plätzen und aus der Erinnerung. Doch nun sind die Leuchtbuchstaben und Lampen von früher wieder begehrt bei jungen Leuten und zeugen in Museen, wie dem Buchstabenmuseum in Berlin, von der Licht- und Leucht-Geschichte Halles.

Quelle: MDR/pat/sp

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