Der Osten – Entdecke wo du lebst | 14.01.2020 Wo der Stahl gehärtet wurde – die Maschinenbaustadt Magdeburg

Magdeburg-Buckau gilt als die "Wiege des Maschinenbaus". Vor 165 Jahren gründete dort Hermann Gruson die erste Maschinenfabrik. Seitdem arbeiteten Generationen in den Betrieben, von denen heute nicht mehr viel geblieben ist. Der Film begibt sich auf Entdeckungsreise, lässt Zeitzeugen zu Wort kommen und zeigt historische Aufnahmen.

Alte Aufnahme vom SKET-Eingang in Magdeburg
Aus dem Archiv: So sah der Eingang zum Betriebsgelände des Schwermaschinenbaukombinat Ernst Thälmann (SKET) mal aus. Bildrechte: MDR/Tom Kühne

"Die Stadtgeschichte Magdeburgs ist durch den Maschinenbau geprägt. Da sind Generationen durch die Betriebe gegangen, die haben sich damit identifiziert", weiß Gerhard Unger, Ingenieur und ehemaliger Mitarbeiter vom Schwermaschinenbaukombinat Ernst Thälmann, kurz SKET.

Heute ist der Großteil des Geländes eine riesige Industriebrache, umfasst eine Fläche von 56 Fußballfeldern. Wo bis zum Ende der DDR 13.000 Werktätige für rege Betriebsamkeit sorgten, montieren heute wieder 400 Beschäftigte Maschinenbauteile. Das Gelände steht für Absturz, Katastrophen und Neubeginn der Menschen in Magdeburg, für Mut und Erfinderkraft.

Gruson prägt Magdeburg – mit Maschinenfabrik und Kakteensammlung

Die Geschichte des Maschinenbaus im Magdeburger Stadtteil Buckau beginnt im Jahr 1855. Hermann Gruson gründet eine Maschinenfabrik. Der Nachkomme französischer Flüchtlinge entwickelt ein Gusseisen, das an Stabilität und Festigkeit alle bis dahin bekannten Produkte übertrifft. Magdeburg wird zur "Wiege des Maschinenbaus".

Alte Frau in Gewächshaus, neben ihr stehen Kinder
Roswitha Gerber: "Das Gewächshaus ist meine zweite Heimat." Bildrechte: MDR/Tom Kühne

Und noch ein Erbe hat Gruson seiner Heimatstadt hinterlassen – die weltweit größte Kakteensammlung. In den Tropenhallen der Gruson-Gewächshäuser kümmert sich Roswitha Gerber seit vielen Jahren um das einmalige grüne Vermächtnis. "Das Gewächshaus ist meine zweite Heimat! Hier rückt die Welt zusammen."

Maschinenbau wird der Stadt im 2. Weltkrieg zum Verhängnis

Der Maschinenbau war es aber auch, der die Gruson-Werke zum Weltmarktführer für Panzertürme und Geschütze machte. Und damit Magdeburg auf die Liste der deutschen Städte brachte, die die Alliierten im Zweiten Weltkrieg unbedingt zerstören wollten.

Am 16. Januar 1945 verloren innerhalb von 30 Minuten Tausende ihr Leben, 90 Prozent der Innenstadt fielen in Schutt und Asche, auch das Gruson-Werk. "So etwas vergisst man nicht", sagt Roswitha Gerber, die als Kind dabei war. "Als ich mit meinem Vater die Kellertreppe hochgekrochen bin und er die Tür geöffnet hat, da war der Himmel über Magdeburg blutrot." Es war eines der verheerendsten Bombardements auf eine deutsche Großstadt. Nach dem Krieg beginnt zügig der Wiederaufbau. Statt Rüstungstechnik werden nun aber Kräne und Walzwerkanlagen produziert und in alle Welt geliefert.

165 Jahre Maschinenbau-Tradition in Magdeburg

Altes schwarz/weiß Foto von Hermann Gruson
Portrait des alten Hermann Gruson, der 1855 in Magdeburg eine Maschinenfabrik gründete. Bildrechte: MDR/Tom Kühne
Altes schwarz/weiß Foto von Hermann Gruson
Portrait des alten Hermann Gruson, der 1855 in Magdeburg eine Maschinenfabrik gründete. Bildrechte: MDR/Tom Kühne
Altes schwarz/weiß Foto vom Gruson-Werk
Blick in das Werk, das nach dessen Gründer benannt ist. Dort entstand damals ein neuartiges Gusseisen, das besonders stabil war. Bildrechte: Sächsisches Staatsarchiv Leipzig
Abbildung des Gruson-Werks in Magdeburg
Eine alte Zeichnung zeigt das komplette Betriebsgelände. Bildrechte: MDR/Tom Kühne
schwarz/weiß-Fotografie der Kakteensammlung in den Grusonschen Gewächshäusern
Mit Gruson kam nicht nur der Maschinenbau, sondern auch die weltweit größte Kakteensammlung nach Magdeburg. Sie findet in den Gruson-Gewächshäusern ein zu Hause. Bildrechte: MDR/Tom Kühne
schwarz/weiß-Fotografie der zerstörten Grusonschen Gewächshäuser
Wie ein Großteil der Stadt, wurden auch Teile der Gruson-Gewächshäuser während des 2. Weltkrieges zerstört. Bildrechte: MDR/Tom Kühne
Dreharbeiten im SKET-Werk Magdeburg
Zu DDR-Zeiten arbeiteten Tausende auf dem riesigen SKET-Gelände – hier Filmarbeiten 1977. Bildrechte: DRA/DFF
Alte Aufnahme vom SKET-Eingang in Magdeburg
Den Eingang zum Betriebsgelände des Schwermaschinenbaukombinat Ernst Thälmann (SKET) kannten alle. Bildrechte: MDR/Tom Kühne
Marode Fabrikhalle, in der Bäume wachsen
Heute erinnern vielerorts nur noch verlassene Ruinen an die einstige Blütezeit des SKET-Werks – Blick in den ehemaligen Betriebsteil 13. Bildrechte: MDR/Tom Kühne
Treppe, die zu altem Bunker führt
Der Zugang zum ehemaligen Werksbunker existiert noch ... Bildrechte: MDR/Tom Kühne
Statue eines Mannes vor einem eingezäunten Gelände
... genau wie die Statue vom Namenspaten Ernst Thälmann vor der SKET-Brache. Bildrechte: MDR/Tom Kühne
Verschiedene alte Wimpel vom SKET
Auch Wimpel mit SKET-Logo erinnern an die erfolgreiche Vergangenheit des Industriezweigs in Magdeburg. Bildrechte: MDR/Tom Kühne
Blick in Halle mit alten Maschinen
Was bleibt, sind historische Maschinen und Teile ... Bildrechte: MDR/Tom Kühne
Eingang Technikmuseum Magdeburg
... sie können im Technikmuseum auf dem ehemaligen SKET-Gelände bestaunt werden. Bildrechte: MDR/Tom Kühne
Nahaufnahme Mann in einer Halle
Ingenieur Gerhard Unger hat früher im SKET gearbeitet und sagt: "Die Stadtgeschichte Magdeburgs ist durch den Maschinenbau geprägt. Da sind Generationen durch die Betriebe gegangen, die haben sich damit identifiziert." Bildrechte: MDR/Tom Kühne
Alte Frau in Gewächshaus, neben ihr stehen Kinder
Auch Roswitha Gerber identifiziert sich mit Grusons Erbe. Seit vielen jahren arbeitet sie in der Tropenhalle der Gruson-Gewächshäuser und sagt: "Das Gewächshaus ist meine zweite Heimat! Hier rückt die Welt zusammen." Bildrechte: MDR/Tom Kühne
Blick in großes Gewächshaus mit Palmen
In den Tropenhallen gedeiht nicht nur die größte Kakteensammlung der Welt ... Bildrechte: MDR/Tom Kühne
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Geschichte zum Anfassen im Technikmuseum

An die bis heute anhaltende Geschichte der Maschinenbaustadt Magdeburg erinnert das Technikmuseum auf dem ehemaligen SKET-Gelände. Es ist auch ein lebendiger Ort des Austausches zwischen den Generationen.

Industriebrachen, wie die vom SKET im Magdeburger Ortsteil Buckau, gibt es überall in Mitteldeutschland. Sie sind die Narben unserer Geschichte. Der Film begibt sich mit Zeitzeugen und historischen Filmaufnahmen auf Entdeckungsreise.

Ein Film von Tom Kühne

Quelle: MDR/agz

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Der Osten - entdecke, wo Du lebst | 14. Januar 2020 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Januar 2020, 11:15 Uhr

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