Der Osten – Entdecke wo du lebst | 11.05.2021 | 21:00 Uhr Tatra, Funken, scharfe Kurven – Halles Straßenbahngeschichte(n)

In Halle geht vor 130 Jahren das erste elektrische Straßenbahnnetz Europas in Betrieb – der Beginn einer neuen Zeitrechnung. Später folgen andere Städte: 1893 Dresden, 1894 Erfurt, 1896 Leipzig, 1899 Magdeburg. Der Film von Tom Kühne und Steffi Lischke begibt sich auf eine unterhaltsame Entdeckungsreise durch die Straßenbahngeschichte des Ostens.

Triebwagen 4 45 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Millimeter um Millimeter wird ein alter Triebwagen im Straßenbahnmuseum von Halle auf sein Fahrgestell gehoben, die sogenannte "Hochzeit". Der historische "Kirchenfensterwagen" von 1926 war einst in Gotha gefertigt worden und wird nun vom Verein "Hallesche Straßenbahnfreunde e.V." liebevoll saniert.

Auch an einem Zug der sächsischen "Kirnitzschtalbahn" wird gearbeitet, soll doch auch sie im Sommer als fahrendes Denkmal auf Halles Gleisen für Aufmerksamkeit sorgen. Das Glanzstück des Vereins ist die älteste noch funktionsfähige Straßenbahn Europas von 1894, der Wagen "4".

Halle (Saale) 130 Jahre Straßenbahngeschichte im Osten: Bilder vom Dreh

Weißhaarige Frau in Anzug und Bluse und ein junger blonder Mann in orangener Arbeitskleidung stehen in einer Straßenbahn nebeneinander
Eine "HAVAG - Straßenbahnfamilie": Marina Blanke kennt als Fahrerin die Linie 5 nach Bad Dürrenberg aus dem "FF". Ihr Sohn Ricardo ist im Vorstand der Halleschen Straßenbahnfreunde e.V. Bildrechte: MDR/ariane-film gmbh/Daniel Laudowicz
Weißhaarige Frau in Anzug und Bluse und ein junger blonder Mann in orangener Arbeitskleidung stehen in einer Straßenbahn nebeneinander
Eine "HAVAG - Straßenbahnfamilie": Marina Blanke kennt als Fahrerin die Linie 5 nach Bad Dürrenberg aus dem "FF". Ihr Sohn Ricardo ist im Vorstand der Halleschen Straßenbahnfreunde e.V. Bildrechte: MDR/ariane-film gmbh/Daniel Laudowicz
Rotblonde Frau im Chefsessel vor zahlreichen Computerbildschirmen
Dispatcherin Heidrun Düfer sorgt in der Leitstelle der HAVAG für den reibungslosen Verkehr. Bildrechte: MDR/ariane-film gmbh/Daniel Laudowicz
Kameramann filmt drei Mechaniker in einer Werkstatt an einem alten Motor
Der Motor der historischen "Kirnitzschtalbahn" in der HAVAG-Werkstatt Bildrechte: MDR/ariane-film gmbh/Christian Schulzki
Fünf grauhaarige Männer stehen um eine Werkbank herum
Die "Halleschen Straßenbahnfreunde" mit Vorstandsmitglied Erhard Krüger (2.v.l.) und Vorstandschef Harald Mey (1.v.r.) Bildrechte: MDR/ariane-film gmbh/Daniel Laudowicz
Eine Gruppe älterer Männer in Alltagskleidung steht in einer Werkstatt vor einer alten Straßenbahn
Dreh im historischen Depot der "Halleschen Straßenbahnfreunde e.V.": Der Kirchenfensterwagen feiert "Hochzeit": Die Verbindung von Fahrgestell und Wagenkasten ist hergestellt. Bildrechte: MDR/ariane-film gmbh/Daniel Laudowicz
Straßenbahn vor dem Leipziger Hauptbahnhof zu DDR-Zeiten.
Blick zurück: Tatra-Straßenbahnen vor dem Leipziger Hauptbahnhof in den 1970er-Jahren Bildrechte: imago/imagebroker
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130 Jahre Straßenbahngeschichte in Halle

"Auf unseren Triebwagen 4 sind wir besonders stolz!", sagt Harald Mey, Vorsitzender der Halleschen Straßenbahnfreunde e.V. "Mit einem solchen Fahrzeug wurde 1891 in Halle das erste elektrische Straßenbahnnetz Europas eröffnet. Einige Jahrzehnte hat er als Hühnerschuppen in einer Kleingartenanlage gestanden. Durch unsere Mitglieder wurde er wieder flott gemacht."

Die "Bimmel" für Personen und Waren

1891, vor 130 Jahren, geht in Halle das erste elektrische Straßenbahn-Netz Europas in Betrieb. Es ist der Beginn einer neuen Zeitrechnung. Einige Jahre später folgen andere Städte dem Beispiel der Saalestadt nach: 1893 Dresden, 1894 Erfurt, 1896 Leipzig und 1899 Magdeburg. Doch Halles Straßenbahn, im Volksmund liebevoll "Bimmel" genannt, kann noch mit anderen Superlativen aufwarten. 1902 wird das elektrische Streckennetz bis Merseburg und ab 1971 als Linie 5 bis nach Bad Dürrenberg erweitert. Mit 31 Kilometern ist das die längste Straßenbahnlinie der DDR. Noch bis in die 1980er-Jahre werden auf der Linie 5 nicht nur Fahrgäste, sondern auch zweimal täglich die "Waren des täglichen Bedarfs" transportiert: Tapeten und Fassbier, Kindernahrung und Zigaretten, Kondensmilch und Drogeriewaren.

Jüngste Straßenbahnfahrerin in Halle

Das ist natürlich längst Geschichte, doch zuverlässig wie eh und je rollt die Legende bis heute – bald auch gesteuert von der jüngsten Straßenbahnfahrerin der Saalestadt. "Mein Vater arbeitet bei der Halleschen Straßenbahn und so wusste ich schon ziemlich früh, was auf mich zukommt. Man muss nicht nur die große Technik gut beherrschen, sondern oft auch sehr früh raus. Trotzdem – für mich ist es der Traumberuf!", sagt Carolin Knittel, Auszubildende der Halleschen Verkehrs-AG (HAVAG).

Carolin Knittel Tatra HalleStraßenbahn von vorn mit Blick ins Fahrerhäuschen, wo eine junge blonde Frau sitzt
Carolin Knittel (re.) mit der Fahrlehrerin Frau Voigt Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Film Der Film von Tom Kühne und Steffi Lischke begibt sich auf eine unterhaltsame Entdeckungsreise durch 130 Jahre Straßenbahngeschichte des Ostens. Zeitzeugen erinnern sich, wie die ersten Tatra-Straßenbahnen nach Halle kamen und wie im Katastrophenwinter 1978/79 unter schwierigsten Bedingungen die Gleise freigehalten wurden. Das MDR-Team schaut sich um in einer der modernsten Leitstellen Deutschlands, in der der Straßenbahnverkehr heute von einer Frau überwacht wird, und ist auf der legendären Überlandlinie 5 nach Bad Dürrenberg unterwegs.

Quelle: MDR/Julia Heundorf

Dieses Thema im Programm: Der Osten – Entdecke wo du lebst | 11. Mai 2021 | 21:00 Uhr