"FAKT IST!" | am 29. April aus Magdeburg | 22:05 Uhr Abschuss oder Schutz – wenn der Wolf zum Nachbarn wird

Seit fast 20 Jahren ist er wieder da: der Wolf! Und fast so lange wird über das Raubtier gestritten, das hierzulande lange ausgerottet war und mit dem sich so viele Legenden verbinden. Ob und wie er in unsere heutige Gesellschaft passt, darüber diskutiert die Runde bei "FAKT IST!" aus Magdeburg am Montag (29. April 2019) ab 22.05 Uhr im MDR-Fernsehen.

Wolf auf Waldweg
Das Wolfskompetenzzentrum Iden (WZI) sichtet Wolfsspuren und wertet sie aus. Bildrechte: Wolfskompetenzzentrum Iden

Etwa 800 Wölfe leben inzwischen wieder in Deutschland. Vor allem den Osten Sachsens und den Süden Brandenburgs haben die Tiere für sich entdeckt; aber auch im Norden Sachsen-Anhalts und in Teilen Niedersachsens sind sie wieder heimisch – und zum Zankapfel geworden.

Während vor allem Naturfreunde die Rückkehr des Wolfs begrüßen und ihn unter strengem Schutz sehen wollen, sind andere überhaupt nicht begeistert. Landwirte, Schäfer etwa, deren Herden immer wieder betroffen sind, wenn Wölfe einzelne oder gar mehrere Tiere reißen und so mitunter beträchtlichen materiellen Schaden anrichten.

Viele Bürger verunsichert

Aber auch viele Bewohner von Gebieten, in die der Wolf zurückgekehrt ist, fühlen sich verunsichert. Sie fragen sich zum Beispiel, ob ihre Kinder noch im Freien spielen dürfen oder ob man im Wald den Hund noch ohne Leine laufen lassen kann. Beteuerungen, dass der Mensch nicht zum Beuteschema des Wolfs gehöre, beruhigen sie nicht.

Einer Forsa-Umfrage zufolge meinen 78 Prozent der Bundesbürger, dass der Wolf in Deutschland leben kann. Aber Zweifler, Skeptiker und Gegner haben eine laute Stimme und verschaffen sich immer besser Gehör. Die Politik gerät so zunehmend unter Druck.

Die Politik ist gefordert

Zum einen geben die Bundesländer seit Jahren viel Geld aus, um Schutzmaßnahmen für Weiden und Herden zu fördern und um – im Falle nachgewiesener Wolfsrisse – betroffene Landwirte zu entschädigen. Zum anderen mehren sich die Forderungen, eine Bejagung des Wolfs zuzulassen, um seinen Bestand zu regulieren. In Sachsen hat die Landespolitik jetzt nachgegeben: Eine neue Verordnung erleichtert dort ab sofort den Abschuss von Wölfen, wenn sie zum Problem werden.

Aktuelle Umfrage von Infratest Dimap

Gehört der Wolf noch – oder wieder – zu uns und unserer Gesellschaft? Oder ist seine Wiederansiedlung das Ergebnis falsch verstandener Öko-Romantik? Muss man ihn bedingungslos schützen oder darf man ihn jagen? Und: Was ist nötig, damit Mensch und Wolf in unserer dicht besiedelten Kulturlandschaft zusammenleben können und miteinander auskommen?

Darüber diskutiert Anja Heyde mit folgenden Gästen:

Claudia Dalbert
Bildrechte: Rainer Kurzeder

Claudia Dalbert

Claudia Dalbert

Bündnis '90/Die Grünen – Umweltministerin von Sachsen-Anhalt

"Entscheidend für eine friedliche Koexistenz von Wolf und Weidetieren ist der Herdenschutz. So können Weidetierhalter ihre Herde gut vor Übergriffen durch den Wolf schützen."

Eine Frau steht vor einem Baum und lächelt in die Kamera
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Antje Weber

Antje Weber

Biologin am Wolfskompetenzzentrum Sachsen-Anhalt

"Mit einer Bejagung des Wolfes erreicht man nur das Gegenteil von dem, was man möchte – effizienter Herdenschutz dagegen ist zentrales Element im Wolfsmanagement."

Bernhard Daldrup
Bildrechte: Rayk Weber

Bernhard Daldrup

Bernhard Daldrup

CDU-Landtagsabgeordneter in Sachsen-Anhalt

"Durch Streicheln wird der Wolf kein Schmusekätzchen."

Friedrich Noltenius mit Hund vor Wand aus Holzscheiden
Bildrechte: Friedrich Noltenius

Friedrich Noltenius

Friedrich Noltenius

Jäger und Wildtierbeauftragter in Sachsen, Blogger "Wolfszone.de"

"Nicht der Mensch muss lernen mit dem Wolf zu leben, der Wolf muss lernen mit uns Menschen zu leben."

Rainer Frischbier

Rainer Frischbier

Schäfer aus Zerbst/Anhalt

"Für Weidetiere gibt es keine Lösung. Wir Schäfer rüsten auf – aber auch der Wolf wird immer schlauer."

Und was ist Ihre Meinung dazu?

Bürgerreporter Stefan Bernschein hat unter anderem einen Campingplatz in Sachsen-Anhalt besucht, in dessen Nähe ein Wolf gesichtet wurde. Er spricht mit einer Familie aus Magdeburg, die mitten in der Stadt einen Wolf an ihrem Gartenzaun entdeckte und hat einen Vertreter des Landesjagdverbandes zu Gast.

Sie können wie immer mitdiskutieren über facebook.com/MDRSachsenAnhalt, via Twitter (#faktist) oder nutzen Sie einfach das untenstehende Formular.

Quelle: MDR/agz

Dieses Thema im Programm: FAKT IST! | 29. April 2019 | 22:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. April 2019, 10:18 Uhr