Ultraschallbild, Nuckel und Informationsmaterial zum Schwangerschaftsabbruch
Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen wollen, müssen zu einem Beratungsgespräch. Bildrechte: imago/suedraumfoto

"FAKT IST!" | am 1. April aus Magdeburg | 22:05 Uhr Abbruch tabu! Neuer Streit ums Abtreibungsrecht

785.000 Kinder wurden im Jahr 2017 in Deutschland geboren. Im gleichen Zeitraum wurden hierzulande gut 100.000 Schwangerschaften abgebrochen. Ein Thema, über das fast jede zweite Frau, die einmal schwanger war, bereits nachgedacht hat. Doch darüber geredet wird im Allgemeinen nicht – aus Scham und zunehmend aus Angst vor Verurteilung. "FAKT IST!" aus Magdeburg macht das Tabu zum Thema am Montag (1. April 2019) ab 22.05 Uhr im MDR-Fernsehen.

Ultraschallbild, Nuckel und Informationsmaterial zum Schwangerschaftsabbruch
Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen wollen, müssen zu einem Beratungsgespräch. Bildrechte: imago/suedraumfoto

Seit einigen Monaten sind Schwangerschaftsabbrüche wieder in der öffentlichen Diskussion. Grund dafür ist weniger, dass Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland nach Paragraf 218 immer noch eine Straftat darstellen. Bis zur zwölften Schwangerschaftswoche bleibt der Eingriff lediglich straffrei, sofern die betroffene Frau eine unabhängige Beratung nachweisen kann.

Werbeverbot für Ärzte im Fokus

Postkarten mit der Aufschrift "Solidarität mit den angeklagten Frauenärztinnen" Paragraf 219a
Paragraf 219a regelt das "Werbeverbot" für Ärzte. Bildrechte: dpa

Der aktuelle Streit dreht sich vielmehr um den Paragraphen 219a, das sogenannte Werbeverbot für Ärzte. Sie durften bis vor kurzem nicht einmal darüber informieren, dass sie Schwangerschaftsabbrüche durchführen. Wer es dennoch tat, musste mit Klagen und Strafen rechnen. Ein Kompromiss regelt das inzwischen. Doch weiterführende Informationen zum Thema soll es auch in Zukunft nur bei staatlichen Stellen geben.

In den Augen vieler Ostfrauen ist das ein deutlicher Rückschritt. Sie konnten in der DDR eigenverantwortlich entscheiden, ob sie eine Schwangerschaft ganz legal abbrechen lassen. Mit der Wiedervereinigung trat auch im Osten der Paragraph 218 in Kraft, mit dem Abtreibung fortan wieder unter Strafe stand.

Orientierung für Betroffene immer schwieriger

Der Streit macht deutlich: Die Lage für betroffene Frauen wird zunehmend schwieriger. Denn es ist nicht nur schwierig, sich über Möglichkeiten eines Schwangerschaftsabbruchs zu informieren, auch ganz reell sinkt die Zahl der Kliniken und Ärzte, die solche Eingriffe anbieten. Selbst unabhängige Berater wie "Pro Familia" halten sich sehr bedeckt, ihre Angebote sind zum Teil schwer zu finden.

Statistik zu Schwangerschaftsabbrüchen in Deutschland
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ganz im Gegensatz zu den Abtreibungsgegnern. Ihr Widerstand formiert sich sicht- und hörbar und beschränkt sich keineswegs auf Angebote der Kirchen, betroffenen Frauen Alternativen zu einem Abbruch aufzuzeigen. Selbsternannte Lebensschützer konfrontieren beratungswillige Frauen mit Mahnwachen und expliziten Webseiten, die auch schon mal Schwangerschaftsabbrüche mit Massen- oder gar Völkermord gleichsetzen, gedeckt von der Meinungsfreiheit.

Der Widerstand wird also zunehmend radikaler. Und doch mehren sich inzwischen auch wieder die Stimmen, die Selbstbestimmung für die Frauen einfordern, und das Recht, eigenverantwortlich über ihren Körper entscheiden zu dürfen.

Lässt die Politik betroffene Frauen und Ärzte allein? Warum müssen Ärzte zum Thema schweigen, während Abtreibungsgegner offenbar alles sagen dürfen? Was ist höher zu bewerten: der Schutz des ungeborenen Lebens oder das Selbstbestimmungsrecht der Frau?

Über diese Fragen diskutiert Anja Heyde mit folgenden Gästen

Eva von Angern
Bildrechte: Marten Dietrich

Eva von Angern

Eva von Angern

Landtagsabgeordnete der Linken und Vorsitzende des Landesfrauenrates Sachsen-Anhalt

"Frauen müssen selbst entscheiden können, ohne gesellschaftlichen Druck."

Tino Sorge
Bildrechte: Tino Sorge

Tino Sorge

Tino Sorge

CDU-Bundestagsabgeordneter und Mitglied im Gesundheitsausschuss

"Wir leben zunehmend mit einer Amazon-Mentalität: online informieren, entscheiden, bestellen. Eine Abtreibung sollte aber immer nur ultima ratio sein."

Antje Bellmann
Bildrechte: Antje Bellmann

Antje Bellmann

Antje Bellmann

Gynäkologin und aktiv im Berufsverband der Frauenärzte Sachsen-Anhalt

"Eine ungewollte Schwangerschaft ist immer eine Krisensituation. Jede Frau kann und muss selbstbestimmt entscheiden."

Carla Reveland
Bildrechte: Carla Reveland

Carla Reveland

Carla Reveland

Journalistin

"Die Kriminalisierung von Frauen und Ärzt*innen darf in unserer Gesellschaft nicht toleriert werden. Denn keine Frau trifft die Entscheidung ihre Schwangerschaft abzubrechen leichtfertig."

Susanne Georgi
Bildrechte: Susanne Georgi

Susanne Georgi

Susanne Georgi

Stellvertretende Vorsitzende des Lebensrecht Sachsen e.V.

"Ich bin für das Leben und sehe in einem Schwangerschaftsabbruch nicht die Lösung für Probleme."

Und was ist Ihre Meinung dazu?

Bürgerreporter Stefan Bernschein hat Passanten zum Thema befragt und spricht unter anderem mit Beratern der Organisation Pro Familia über ihre Erfahrungen. Sie können wie immer mitdiskutieren über facebook.com/MDRSachsenAnhalt, via Twitter (#faktist) oder nutzen Sie einfach das untenstehende Formular.

Quelle: MDR/agz

Die mit einem * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.

Sicherheitsabfrage

Bitte geben Sie folgende Zahlen ein:

Die mit einem * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.

Dieses Thema im Programm: FAKT IST! | 01. April 2019 | 22:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. März 2019, 09:43 Uhr