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Erleben wir jetzt in der vierten Corona-Welle eine gesellschaftliche Spaltung? Bildrechte: dpa

MDR FERNSEHEN | "FAKT IST!" aus Dresden am 13.12.2021 | 22:25 UhrCorona: Das Virus und die Wut.

Stand: 13. Dezember 2021, 10:09 Uhr

Die vierte Corona-Welle rollt über Deutschland. Besonders stark betroffen ist Mitteldeutschland. Hier sind die Infektionszahlen so hoch wie sonst nirgends in Deutschland. Die Kliniken haben nur noch wenige freie Betten, Ärzte und Pfleger arbeiten am Limit. Doch die Maßnahmen-Gegner sind so laut wie nie. Das lässt den Unmut auch bei Befürwortern der Corona-Regeln wachsen. Radikalisiert sich der Protest? Und können wir überhaupt noch miteinander reden?

Die Pandemie soll endlich vorbei sein! Darüber sind wir uns einig. Aber über den Weg dorthin wird heftig gestritten - in Familien, Freundeskreisen und auf der Straße. Die einen sind für eine Impfpflicht, einen Lockdown oder weitere Einschränkungen für Ungeimpfte. Die anderen fühlen sich in ihrer Freiheit beschnitten und demonstrieren - lautstark, oft ohne Maske und Abstand. Inzwischen werden Politikerinnen und Politiker bedrängt oder gar bedroht. Jüngst hat der Fackelaufmarsch vor dem Haus der sächsischen Sozialministerin in Grimma für Schlagzeilen gesorgt.

Corona-Proteste radikalisieren sich

"Die Gesellschaft polarisiert sich", sagt Sozialpsychologe Prof. Oliver Decker. Er leitet das Kompetenzzentrum für Rechtsextremismus- und Demokratieforschung an der Uni Leipzig. Er beobachtet eine deutliche Radikalisierung der Corona-Proteste in Ostdeutschland. Wer behaupte, diese würden jetzt von Rechten missbraucht, zeichne es zu weich, so Decker. Sie hätten gerade in Ostdeutschland eine andere Dynamik und stünden deutlich weiter rechts als zum Beispiel in Baden-Württemberg. Viele, die dort mitliefen, seien bisher nicht auffällig gewesen, trotzdem teilten sie ein rechtes Gedankengut, auch wenn sie sich politisch selbst nicht so einordnen würden, sagt der Extremismusforscher.

Weiter miteinander reden

Bildrechte: Karoline Preisler

Die FDP-Politikerin Karoline Preisler wollte sich selbst ein Bild von den Anti-Corona-Demos machen. Nach einer mittelschweren Corona-Erkrankung stellt sie sich mit einem Schild an den Rand der Demos, auf dem stand: "Ich hatte Covid-19 und mache mir Sorgen um euch." Preisler hat das Gespräch gesucht. Denn die Politik müsse zuhören und dürfe nicht zu schnell in gut oder böse unterscheiden. Preisler findet, dass die Demonstranten pauschal vorverurteilt würden. Gleichzeitig zeigt sie sich besorgt über den auf den Demos offen zur Schau gestellten Antisemitismus. Das sei nicht hinnehmbar, so die Autorin des Buches "Demokratie aushalten!".

Angespannte Lage im Erzgebirge

Viele derer, die auf den Corona-Demos mitliefen, hätten Anstand und Respekt verloren, sagt der Geschäftsführer des Erzgebirgsklinikums Marcel Koch. Er findet: Die Spaltung der Gesellschaft gehe von dieser Minderheit aus. Gerade im Erzgebirge hätten aus seiner Sicht viele Tote vermieden werden können, gäbe es nicht diese große Ignoranz. Das rücksichtslose Verhalten Einzelner führe zu weiteren Einschränkungen, so Koch. In einer Online-Diskussion mit Sachsens Ministerpräsident Kretschmer hatte Marcel Koch über die dramatische Lage im Erzgebirgsklinikum berichtet. Vor wenigen Tagen habe man kurz vor der Triage gestanden, eines der vier Häuser musste man vergangene Woche von der Notfallversorgung abmelden und momentan seien gerade mal zwei Beatmungsgeräte frei.

Erleben wir jetzt, in der vierten Welle, eine Spaltung unserer Gesellschaft?

Darüber diskutiert Andreas F. Rook am Montagabend mit:

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Dieses Thema im Programm:"Fakt ist!" aus Dresden | 13. Dezember 2021 | 22:25 Uhr