Fakt ist! | am 04.10.2021 aus Magdeburg | 22:10 Uhr | ab 20:30 Uhr im Livestream Die Kohle geht – doch was kommt?

Der Kohleausstieg wird kommen. Spätestens 2038 – doch was kommt danach? Wo werden die Menschen arbeiten und wie werden die Regionen dann aussehen. Darüber wie ein Strukturwandel aussehen und gelngen kann, diskutiert die Runde bei Fakt ist! aus Magdeburg am Montag, 4. Oktober ab 20:30 Uhr im Livestream auf mdr.de/tv sowie um 22:10 Uhr im MDR-Fernsehen und im Anschluss in der ARD Mediathek.

Die Silhouette des Kraftwerkes Schkopau zeichnet sich im Gegenlicht der Sonne ab.
Tausende Jobs in der Braunkohle werden durch den Kohleausstieg wegfallen. Doch wo werden neue Arbeitsplätze entstehen? Bildrechte: dpa

Spätestens im Jahr 2038 will Deutschland aus der Verstromung des fossilen Brennstoffs aussteigen, einige rechnen auch mit einem früheren Termin.

Tausende Arbeitplätze

Für etwa 10.000 Beschäftigte in Ostdeutschland bedeutet das das Ende ihres Arbeitslebens oder den Umstieg in andere Jobs. Tausende weitere Jobs hängen indirekt an der Kohle, die 150 Jahre die Region geprägt hat. Schon Ende dieses Jahres geht das älteste Braunkohle-Kraftwerk Deutschlands, das Kraftwerk Deuben im Süden Sachsen-Anhalts, vom Netz

Milliarden für Strukturwandel

Mit etwa 40 Milliarden Euro insgesamt will die Bundesregierung die betroffenen Regionen in ganz Deutschland unterstützen und den sogenannten Strukturwandel gestalten. Allein das Mitteldeutsche Revier – das Sachsen, Sachsen-Anhalt und einen kleinen Zipfel von Thüringen umfasst – erhält bis 2038 bis zu 8 Milliarden Euro. Für das Lausitzer Revier in Sachsen und Brandenburg sind bis zu 17 Milliarden vorgesehen.

Wer von der Fördermittelvergabe profitiert

Stattliche Summen: Unter anderem vorgesehen für Verkehrswege, Forschungsprojekte, das Ansiedeln von Bundesbehörden sowie Vorhaben zur Digitalisierung. Doch kommen die Fördermilliarden wirklich den Kohleregionen und den dort Beschäftigten zugute? An mehreren Projekten wie etwa der Fassadenreinigung des Naumburger Doms gibt es bereits Kritik - während Gemeinden mit den Tücken der Fördermittelvergabe heftig zu kämpfen haben.  

Werden die Strukturmaßnahmen überhaupt die entstehenden Job-Lücken in den durch Bergbau geprägten Orten füllen? Und was passiert mit den Gemeinden, wo heute noch die meisten einer Arbeit im Kraftwerk oder im Tagebau nachgehen? Sind neue Agenturen, Maker Spaces oder Science Labs das, was man sich dort erhofft hat?

Beschäftigte im Braunkohlesektor

Im Mitteldeutschen Revier sind derzeit knapp 2.000 Menschen in der Braunkohle beschäftigt (Quelle: Statistik der Kohlenwirtschaft e.V.).

Laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) wird der Braunkohleausstieg hier bis zu 7.000 Jobs treffen. Weitere 27.000 hängen an energieintensiver Industrie - wie Chemie, Nahrungsmittel oder Baustoffe - die sich einst im Umfeld der Kohle angesiedelt hatten. noch zu verifizieren
(Quelle: https://www.arbeitsagentur.de/vor-ort/rd-sat/content/1533718035010)

Im Lausitzer Revier gibt es derzeit noch knapp 8.000 Kohle-Beschäftigte und etwa 16.000 indirekt Beschäftigte.

Darüber, wo es beim Strukturwandel hakt und welche Lösungen es geben könnte, diskutiert Anja Heyde mit folgenden Gästen:

Hartmut Pleß
Bildrechte: Reiner Eckel

Hartmut Pleß (SPD)

Hartmut Pleß (SPD)

Gemeinderat Gemeinde Elsteraue

"Wer etwas will, findet Wege, wer etwas nicht will, findet Gründe."

Sven Schulze
Bildrechte: Sven Schulze

Sven Schulze (CDU)

Sven Schulze (CDU)

Minister für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten in Sachsen-Anhalt

"Ein erfolgreicher Strukturwandel kann nur gelingen, wenn er die Menschen in der Region in den Mittelpunkt rückt. Die Schaffung und der Erhalt von hochwertigen und zukunftssicheren Arbeitsplätzen sind mir dabei vordringliches Anliegen. Dramatische wirtschaftliche Abbrüche wie nach der Wiedervereinigung darf es nicht geben."

Thomas Brockmeier
Bildrechte: IHK Halle-Dessau

Thomas Brockmeier

Thomas Brockmeier

Hauptgeschäftsführer der IHK Halle-Dessau

"Hiesige Firmen müssen wachsen und neue Unternehmen müssen sich ansiedeln können. Dafür braucht es wirksame zusätzliche Investitionsanreize. Förderung zum Kohleausstieg und Strukturwandel darf nicht ausschließlich über kommunale Träger zugänglich sein. Investitionen müssen direkt in den Unternehmen unterstützt werden können!"

Joachim Ragnitz
Bildrechte: ifo Institut

Joachim Ragnitz

Joachim Ragnitz

ifo Institut Dresden

"Wenn man die ambitionierten Ziele des Strukturwandels in den Kohleregionen ernst nimmt, darf man die Gelder nicht für Vorhaben einsetzen, die zwar die Lebensqualität der heutigen Einwohner verbessern mögen, aber nichts zur Gründung und Ansiedlung neuer Unternehmen beitragen. Die Landesregierungen müssen deshalb ihre Kommunen bremsen, denn sonst versickern die Mittel in unnützen Projekten."

Bürgerreporter Stefan Bernschein hat sich vor Ort ein Bild der Lage gemacht und Bürger aus dem Kernrevier eingeladen, etwa Frank Puschendorf sowie Gudrun Jochmann vom Bergbaumuseum Deuben.

Zuschauerinnen und Zuschauer können sich per E-Mail unter faktist@mdr.de oder auf der Facebook-Seite von MDR SACHSEN-ANHALT an der Diskussion beteiligen.

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Quelle: MDR/agz

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | FAKT IST! | 04. Oktober 2021 | 22:10 Uhr