Fakt ist! | am 12.04.2021 aus Magdeburg | 22:10 Uhr bis 23:10 Uhr | ab 20:30 Uhr im Livestream Doppeltes Handicap – Menschen mit Behinderung auf dem Arbeitsmarkt

Die Beschäftigung schwerbehinderter Menschen ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Dennoch bleibt die angestrebte Inklusion eine Illusion. Über die Gründe diskutiert die Runde bei "Fakt ist!" aus Magdeburg am 12. April 2021 ab 20:30 Uhr im Livestream auf mdr.de/tv sowie um 22:10 Uhr im MDR-Fernsehen und im Anschluss in der ARD Mediathek.

Ein Mann mit Behinderung fährt mit seinem Rollstuhl an dem aufgestellten Wort «Arbeit» entlang.
Auch wenn die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung zugenommen hat, arbeiten durschnittlich zu wenige auf dem ersten Arbeitsmarkt – besonders in Mitteldeutschland. Bildrechte: dpa

Fast acht Millionen Menschen in Deutschland gelten als schwerbehindert. Das ist etwa ein Zehntel der Bevölkerung. Und einem großen Teil dieser Menschen wird eine faire und gerechte Teilhabe am Leben noch immer schwer gemacht. Das zeigt sich auch und besonders auf dem Arbeitsmarkt.

Menschen mit Behinderungen gelingt es seltener als nichtbehinderten, auf dem so genannten ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Zwar hat der Gesetzgeber dafür Vorkehrungen geschaffen: Ab einer Größe von 20 Arbeitsplätzen sind Unternehmen verpflichtet, fünf Prozent davon mit schwerbehinderten Menschen zu besetzen. Doch nicht einmal die Hälfte der Unternehmen erfüllt diese Pflichtquote.

Großteil der Unternehmen kauft sich aus Pflichtquote frei

Der Rest kauft sich gewissermaßen frei: mit der Ausgleichsabgabe, einem monatlichen Betrag für jeden nicht entsprechend besetzten Arbeitsplatz. Rund 60 Prozent aller in Frage kommenden Unternehmen zahlen diese Abgabe, weil sie die Pflichtquote nur zum Teil oder gar nicht erfüllen. Interessenvertreter behinderter Menschen sehen die Abgabe deshalb auch kritisch.

Im Bundesdurchschnitt sind etwa 4,6 Prozent aller Arbeitsplätze durch behinderte Menschen besetzt. Der öffentliche Dienst zeigt sich dabei deutlich offener als die Privatwirtschaft. Die drei mitteldeutschen Länder liegen aber allesamt unter dem Bundesdurchschnitt.

"Niemand sagt, dass es einfach ist", sagt der Inklusions-Aktivist Raul Krauthausen. Stellvertretend für viele Betroffene fordert er größere Anstrengungen und bessere politische Rahmenbedingungen, um mehr Teilhabe für Menschen mit Behinderungen zu erreichen – auf dem Arbeitsmarkt und natürlich weit darüber hinaus.

Wie kann man die Bedingungen für die Betroffenen auf dem Arbeitsmarkt verbessern? Ist Inklusion tatsächlich machbar? Kann man sie gar verordnen? Und wie offen ist unsere Gesellschaft für behinderte Menschen?

Über diese und andere Fragen diskutieren Anja Heyde und Stefan Bernschein mit:

Raul Krauthausen
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Raul Krauthausen

Raul Krauthausen

Menschenrechtsaktivist und Moderator

"Inklusion ist kein Ziel, sondern ein Prozess."

Karsten Isaack sitzt auf Sofa
Bildrechte: Ines Klein/MDR

Karsten Isaack

Karsten Isaack

Bundesverband evangelische Behindertenhilfe

"Ich frage mich, ob unsere gesamte Gesellschaft und die Politik im Herzen, aber auch im Geiste bereit ist für die Herausforderung der Inklusion."

Doreen Lange sitzt auf Hocker vor einer Wand.
Bildrechte: privat, Doreen Lange

Doreen Lange

Doreen Lange

Bürokauffrau mit Behinderung

"Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren."

Jürgen Dusel sitzt gestikulierend an Tisch
Bildrechte: Henning Schacht

Jürgen Dusel

Jürgen Dusel

Beauftragter der Bundesregierung für Menschen mit Behinderungen

"Die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am Arbeitsleben ist ein Recht und zentral, wenn es um Inklusion geht. Deswegen erwarte ich, dass Unternehmen ihrer Beschäftigungspflicht konsequent nachkommen."

Klemens Gutmann
Bildrechte: Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände Sachsen-Anhalt e.V.

Klemens Gutmann

Klemens Gutmann

Arbeitgeberpräsident Sachsen-Anhalt

"Wir Unternehmer sind Teil der Gesellschaft und stehen deshalb selbstverständlich mit in der Verantwortung gegenüber Schwerbehinderten. Das Instrument der Ausgleichsabgabe gehört als Kompensationsmechanismus zu unserem Sozialsystem, sie darf aber nicht wie eine Strafe gehandhabt werden."

Ragner Wenzel steht vor Gebäude mit Schild "Landesverwaltungsamt"
Bildrechte: Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt, Pressestelle

Ragner Wenzel

Ragner Wenzel

Integrationsamt Sachsen-Anhalt

"Eine der Kernkompetenzen des Landesverwaltungsamtes Sachsen-Anhalt besteht darin, Arbeitgeber*innen und Menschen mit Behinderung zusammen zu bringen. Es gibt dabei Hürden, aber diese wollen wir gemeinsam überwinden."

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Die Moderatoren Anja Heyde und Stefan Bernschein.
Es moderieren Anja Heyde und Stefan Bernschein (Archivbild). Bildrechte: MDR/Andreas Lander

Die Sendung wird live gedolmetscht in Gebärdensprache.

Zuschauerinnen und Zuschauer können sich per E-Mail unter faktist@mdr.de an der Diskussion beteiligen.

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Quelle: MDR/agz

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | FAKT IST! | 12. April 2021 | 22:10 Uhr