Fledermaus
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FIGARINO-Geschichte & Reportage | 16.06.2018 | 18:05 Uhr Das Paradies der Fledermäuse

Sie sind die heimlichen Herrscher der Nacht – für manche auch die unheimlichen. Fledermäuse huschen kaum hörbar durch den Wald, flattern gespenstisch über den Dorfteich, und zwar genau dann, wenn die meisten Vogel längst schlafen: im Dunkeln. Wie sie das machen und wo diese einzigen fliegenden Säugetiere ihre Quartiere haben, hat FIGARINO-Reporter Tobias Barth in Thüringen erkundet.

Fledermaus
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Die Figarino-Geschichte
Figarino und Kater Long John besichtigen eine Höhle. Vor lauter Begeisterung verlieren sie die Besuchergruppe und wissen nicht, wie sie wieder herauskommen können. Zu allem Überfluss hängt auch noch ein Vampir von der Decke. Doch Long John erkennt, dass es sich dabei um eine Fledermaus handelt, und er hat auch gleich eine Idee, die Rettung verspricht.

Fledermaus
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MDR KULTUR - Das Radio Sa 16.06.2018 18:05Uhr 25:43 min

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Fledermaus
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Der Fledermausturm von Gehofen

Mopsfledermaus
Nur 5 cm groß: die Mopsfledermaus. Bildrechte: IMAGO

In der Dämmerung huscht es gespenstisch über der Dorfkirche von Gehofen. Es ist die Zeit der Großen Mausohrfledermäuse. Zu hunderten haben Exemplare dieser Fledermausart ihre Wochenstuben in den Dächern des alten Gemäuers. Der Fledermausforscher Wigbert Schorcht kümmert sich mit ein paar Mitstreitern um die Quartiere der Fledermäuse und um den Schutz der seltenen Arten wie Mopsfledermaus, Nymphenfledermaus oder Bechsteinfledermaus. Sie alle kommen im Wald bei Gehofen vor.

"Dieses Quartier kennen wir seit 1985, es hatte früher etwa 50 Tiere. Und dieses Quartier ist angewachsen, auch durch Zuzug vom benachbarten Kloster Donndorf. Wir haben jetzt bis 1.800 Tiere mit Jungtieren, und das ist natürlich spannend, wenn die miteinander kommunizieren,  selbst in der Mittagszeit, wenn man meistens meint, die schlafen, weil sie ja nachtaktiv sind. Gerade die Mütter mit den Jungtieren kommunizieren, und das macht Spaß, das zu sehen. Auch wenn sie sich putzen, das kann man sehr schön verfolgen."
Wolfgang Sauerbier, Fledermausfreund

Die Welt der Fledermäuse

Fledermäuse in Sachsen - Kleine Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros)
Kleine Hufeisennase Die "Kleine Hufeisennase" hat ein sehr weiches Fell und ist nur etwa 4 cm groß. Bildrechte: IMAGO
Fledermäuse in Sachsen - Kleine Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros)
Kleine Hufeisennase Die "Kleine Hufeisennase" hat ein sehr weiches Fell und ist nur etwa 4 cm groß. Bildrechte: IMAGO
Eine Fledermaus der Gattung Große Hufeisennase hängt Kopfüber in einer Felsenhöhle.
Große Hufeisennase Die "Große Hufeisennase" bringt es dagegen auf 7 cm Körperlänge und eine Flügelspannweite von bis zu 40 cm. Der Name stammt übrigens von ihrer Nasenform. Der vordere Teil der Nase erinnert an ein Hufeisen. Bildrechte: imago stock&people
Mopsfledermaus
Mopsfledermaus Dunkles Fell und ein mopsiges Gesicht kennzeichnen die Mopsfledermaus. Maximal 10 Gramm bringen die kleinen Tiere auf die Waage. Bildrechte: IMAGO
Eine Fledermaus der Gattung Kleines Mausohr in einer Nahaufnahme die den Kopf der Fledermaus zeigt.
Kleines Mausohr Tatsächlich: Sie hat Ohren wie eine richtige Maus. 2,5 cm werden diese Ohren lang. Die Mausohrfledermaus hat auch ein auffallend helles Fell. Bildrechte: imago stock&people
Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii)
Bechsteinfledermaus Große Ohren hat auch die Bechsteinfledermaus. Deshalb gehört sie wie die Mausohrfledermaus zur Gattung der Mausohren. Benannt wurde sie nach dem Naturforscher Johann Matthäus Bechstein, der sich bereits im 19. Jahrhundert für den Schutz der Feldermäuse einsetzte. Bildrechte: IMAGO
Hände halten eine Fledermaus
Beim genauen Betrachten der Flügel einer Fledermaus endeckt man Haken. Dabei handelt es sich tatsächlich um die Daumen! Bildrechte: MDR/Bettina Wobst
Flughund
Wer genau hinschaut, sieht, wo die restlichen Finger stecken: in den Flügeln! So eine Fledermaus sieht aus wie ein kleiner Drache. Sie fliegt mit ihren Armen. Bildrechte: Colourbox.de
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Vom Aussterben bedroht

Zweimal jährlich wird gezählt, damit die Fledermausforscher wissen, wie sich die Bestände entwickeln. Denn viele Fledermausarten sind gefährdet: Das Insektensterben durch die Gifte in der Landwirtschaft macht ihnen zu schaffen, auch durch den Ausbau vieler Dachböden fehlt es vielerorts an geeigneten Quartieren. Der schlimmste Feind der Fledermäuse ist leider der Mensch.

Fledermäuse
Tagsüber hängen Fledermäuse am liebsten in Höhlen oder auf Dachböden. Bildrechte: IMAGO

Bei der Sanierung in Gehofen wurde Platz gelassen für die fliegenden Säugetiere. Wenn man in den Kirchturm steigt, kann man sie sehen: Auf dem Dachboden über dem Kirchenschiff hängen sie in dicken Klumpen. Auf dem Boden hat jemand Folien ausgebreitet. Darauf liegen viele kleine Krümel. Das ist der Fledermauskot, er riecht unheimlich stechend.

"Der ist ziemlich schwarz und glänzt und man sieht, wenn man das vorsichtig zerreibt, dass es sich um Bruchstücke handelt von verdauten Insekten, vor allem von schwarzen Laufkäfern. Wenn man das unters Mikroskop legen würde, könnte man Fühlerglieder entdecken oder Beinstückchen oder von den Flügeldecken, die eben zerkaut und verdaut wurden."
Martin Biedermann, Fledermausfreund

Die Fledermäuse in diesem Quartier sind Große Mausohren. Diese Art jagt nachts mit Vorliebe die Insekten am Waldboden. Wie alle Fledermäuse nutzen sie dafür den Ultraschall, um sich im Dunkeln zu orientieren.

"Die Orientierungsrufe sind für uns mit bloßen Ohren nicht zu hören, die liegen im Ultraschallbereich und die kann man mit einem Fledermausdetektor hörbar machen."
Wigbert Schorcht

Fledermaus
Tatsächlich: So eine Fledermaus hat große Ähnlichkeit mit einem Vampir! Bildrechte: Colourbox

Übrigens: Wer einmal einen Blick ins Fledermausquartier von Gehofen werfen möchte, der muss ins Regionalmuseum Bad Frankenhausen gehen. Dort nämlich gibt es auf einem Bildschirm eine Live-Übertragung direkt aus der Wochenstube der Fledermäuse. Gerade im Juni ist das interessant – dann nämlich sind gerade die kleinen Fledermäuse geboren.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Figarinos Fahrradladen | 16. Juni 2018 | 18:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Juni 2018, 15:55 Uhr

Fledermäuse hängen unter einem Dach.
Bildrechte: MDR/Landratsamt Nordhausen

Regionalmuseum Bad Frankenhausen

Regionalmuseum Bad Frankenhausen

Schloßstraße
06567 Bad Frankenhausen
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