Ein Junge auf einem Schlitten.
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FIGARINO-Geschichte & Reportage | MDR KULTUR | 13.01.2018 | 18:05 Uhr Die Geschichte des Schlittens

Was gibt es Schöneres, als an einem sonnigen Wintertag mit einem Schlitten einen frisch verschneiten Hang hinunterzusausen? Dabei begann die Geschichte des Schlittens einst in der Wüste - vor 5.000 Jahren. Bis aus dem Transportmittel Schlitten ein Spielgerät wurde, dauerte es jedoch noch sehr lange, erfuhr FIGARINO-Reporterin Tina Murzik-Kaufmann.

Ein Junge auf einem Schlitten.
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Die Figarino-Geschichte

Figarino sehnt sich nach Schnee zum Rodeln. Doch weit und breit gibt es keinen. Was läge da näher, als sich auf eine Rodelbahn im Internet zu klicken. Leider finden sich Figarino und sein Kater Long John auf einem tief verschneiten Hügel wieder - ohne Schlitten. Der steht noch in der Werkstatt. Sofort wollen sie zurück. Doch das Mausklicken zeigt keine Wirkung!

Wie wird ein Schlitten gebaut?

In der Tischlerwerkstatt von Ralph Messerschmidt ist es laut, wenn ein Schlitten gebaut wird. Mit einer Kreissäge, die so laut ist, dass selbst der Tischlermeister beim Arbeiten Ohrenschützer tragen muss, sägt er die verschiedenen Teile zu. Dann erzählt er, was beim Bauen beachtet werden muss: "Zuerst baut man die Kufen", erklärt er. Die Kufen werden aus vielen dünnen Streifen aufgespannt und geleimt. Dann kommen die Böcke dazu, dann das Sitzbrett und einige Metallteile. Zwei Kufen, zwei Böcke, ein Sitzbrett - so sehen die meisten Schlitten heutzutage aus.

Schlitten - viel Spaß im Schnee

Kind auf einem Schlitten
Rodeln macht Spaß, kostet nichts und ist ganz einfach: Schlitten schnappen, den Berg hochstiefeln und losfahren! Bildrechte: Colourbox
Kind auf einem Schlitten
Rodeln macht Spaß, kostet nichts und ist ganz einfach: Schlitten schnappen, den Berg hochstiefeln und losfahren! Bildrechte: Colourbox
Kinder auf Schlitten
Noch mehr Spaß macht das Rodeln natürlich, wenn man dabei Begleitung hat. Praktisch: Die Lehne, damit beim nächsten Hügel niemand nach hinten purzelt ... Bildrechte: Colourbox
Mädchen läuft im Schnee
Inzwischen gibt es eine Vielzahl moderner Schlitten-Varianten: Wer mag, kann auf runden Kunststoffrodeln den Berg hinuntersausen. Bildrechte: Colourbox
Mädchen auf Schlitten mit Sonnenbrille
Auch sehr beliebt sind kleine Rennschlitten! Bildrechte: Colourbox
Mädchen das auf dem Bauch rodelt
Spaß macht das Rodeln auch mit luftgefüllten Geräten - wer will, nimmt den aufgepusteten Schlauch eines LKWs! Bildrechte: Colourbox
Schlittenhunderennen
Ein riesiger Spaß ist es auch, wenn man seinen Schlitten von Schlittenhunden ziehen lässt. Gern verwendet man dafür Huskys. Sie sind unglaublich ausdauernd und vertragen die Kälte gut. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Warm angezogener Mann fährt auf einem Pferdeschlitten
Schlitten statt Kutsche: Früher spannte man auch gern ein Pferd vor den Schlitten. Bildrechte: IMAGO
Weihnachtsmann mit Schlitten
Und natürlich kommt auch er mit dem Schlitten: der Weihnachtsmann! Bildrechte: Colourbox
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Der Schlitten kommt aus der Wüste

Doch das war nicht immer so. Um zu den Ursprüngen des Schlittens zu gelangen, muss man weit in unserer Geschichte zurückgehen: Schlitten gibt es, seit der Mensch begonnen hat, große Lasten zu transportieren. Und vor der Erfindung des Rades tat er das mit Hilfe von Schlitten. Schon die alten Ägypter haben beim Bau ihrer Paläste, Tempel und Pyramiden Schlitten verwendet, um die zahlreichen, tonnenschweren Steinblöcke zu transportieren. Der wohl älteste Beweis für einen Schlitten ist die Abbildung auf einer Tontafel aus Mesopotamien, dem heutigen Irak. Sie ist über 5.000 Jahre alt.

Riesengroße Hornschlitten für Transporte

Pferdeschlitten aus Holz stehen vor einem Gebäude
Früher wurden Schlitten auch für Transporte genutzt. Bildrechte: Colourbox.de

Auch der Schlitten, den Ralph Messerschmidt baut, sieht nicht wirklich modern aus. Es ist ein richtiger Riesenschlitten. Er ist so groß, dass drei Erwachsene gut darauf Platz haben. Seine Kufen enden nicht wie bei gewöhnlichen Schlitten auf Höhe der Sitzbank, sondern ragen gut einen halben Meter in die Luft. Ralph Messerschmidt baut einen Hornschlitten, wie ihn früher vor allem Bauern verwendet haben. "Ursprünglich wurden in Thüringen im Winter die Schlitten zum Holztransport aus dem Wald genutzt", erzählt Ralph Messerschmidt. In Bayern transportierte man Heu damit. "Auf vielen Berghängen gab es damals nur kleine Scheunen, und da musste das Heu im Winter zu den Ställen im Tal hinuntergebracht werden."

Früher gab es prunkvolle Riesenschlitten

Alte/r Zeichnung/Stich: Schlittenfahrt in Berlin
Das verschneite Berlin im 19. Jahrhundert: Viele Leute fuhren Schlitten! Bildrechte: IMAGO

Traditionelle Hornschlitten werden heute nur noch selten verwendet. Schlitten sind keine Transportmittel mehr, sondern werden zum Vergnügen genutzt. Dieser vergnügliche Teil der Geschichte des Schlittens begann Anfang des 15. Jahrhunderts. Damals brach ein richtiger Schlittenkult aus. Wer es sich leisten konnte, schaffte sich einen prunkvollen Pferdeschlitten an. Sehr beliebt waren Verzierungen, wie zum Beispiel geschnitzte Bären-, Tiger- und Löwenköpfe. Den wohl prachtvollsten Schlitten der Welt gab es im 18. Jahrhundert. Er gehörte Zarin Katharina der Großen von Russland, die viel und gern durch ihr ausgedehntes Reich reiste und sich dafür einen ganz speziellen Schlitten bauen ließ - der hatte sogar mehrere Räume!

Der Gala-Schlitten von König Ludwig II.
Der prächtige Gala-Schlitten des bayerischen Königs Ludwig II. stammt aus dem 19. Jh. Bildrechte: dpa

Rodelwettbewerbe gab es erstmals gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Damals waren Schlitten zumindest in den Bergregionen Europas so selbstverständlich wie heutzutage ein Fernsehgerät. Überall wurde gerodelt: Auf natürlichen Rodelbahnen oder eigens angefertigten Eisrutschbahnen. Die erste Rodelanlage der Welt wurde schließlich 1879 im schweizerischen Davos eingeweiht.