Ein Kind wird beim Kinderarzt untersucht
Der Kinderarzt guckt überall genau hin! Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Traumberuf Kinderarzt

Husten, Schnupfen, Fieber, Mumps, Masern, Röteln. Wer von euch krank ist oder schon mal krank war, weiß, wie schlecht es einem dann geht. Dann kann nur noch einer helfen: der Kinderarzt. Ist es ein Traumjob, Kindern zu helfen, wieder gesund zu werden? Welche besonderen Fähigkeiten braucht man in diesem Beruf und was macht die meiste Freude dabei? FIGARINO-Reporterin Anja Rieger hat Kinderarzt Dr. Sebastian Keymer einen Tag lang bei seiner Arbeit begleitet.

Ein Kind wird beim Kinderarzt untersucht
Der Kinderarzt guckt überall genau hin! Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Praxis von Kinderarzt Dr. Sebastian Keymer im Waldstraßenviertel in Leipzig platzt aus allen Nähten. Es ist voll, und das heißt für alle: warten. Damit die Zeit ganz schnell rum geht, gibt es jede Menge Spielzeug: eine Eisenbahn, Bauklötze, Autos, sogar ein Schaukelpferd und jede Menge Bücher. Das Wartezimmer gleicht einem großen Kinderzimmer, in dem Mütter und Väter mit ihren Kindern spielen.

Heute sind vor allem die kleineren Patienten in die Sprechstunde gekommen: Babys, Krippen- und Kita-Kinder. Kinder mit Ohrenschmerzen, mit Fieber, welche die sich eine Spritze abholen müssen oder aber zur jährlichen Vorsorgeuntersuchung kommen. Auch der dreijährige Vincent ist mit Mama Carmen da.

Zunächst Messen und Wiegen

Eine Ärztin untersucht den Mundraum eines Mädchens
In den Hals gucken, ist manchmal fies. Bildrechte: colourbox.com

Bevor es zum Arzt geht, muss Vincent zu Schwester Katharina. Und warum? "Also ich guck, ob sie gewogen oder gemessen werden müssen und bereite soweit alles vor, dass der Doktor loslegen kann mit der Untersuchung", erklärt Schwester Katharina.

Draußen im Wartezimmer sitzt inzwischen der vierjährige Erik. Neben Mama hat er auch sein Plüschtier mitgebracht. Das Plüschtier tröstet Erik, denn zum Arzt geht er nicht so gern. "Der hat mir schon mal eine Spritze gegeben. Das tut weh. Da muss ich weinen", sagt Erik.

Die Untersuchung

Klar, der Doktor muss ab und zu eine Spritze geben, doch zur Untersuchung gehört mehr als nur schmerzhaftes Piksen. Wer schon mal beim Arzt war, kennt das: abhören, leuchten, gucken.

Wenn wir alles untersuchen, dann werden wir das Kind erst einmal abhören. Wir hören auf Herz und Lunge, wir schauen uns den Bauch an. Dann wird in die Ohren geschaut mit einem speziellen Instrument, mit einer Art Taschenlampe, mit der wir Entzündungszeichen sehen. Natürlich wird der Hals angeguckt, was die meisten Kinder nicht so mögen, und was auch wirklich hässlich ist.

Dr. Sebastian Keymer, Kinderarzt und Vorsitzender Kinderärzte-Netz Leipzig

Das beste an dem Beruf? Die Patienten!

Ein Kinderarzt impft in seiner Praxis in Kaufbeuren einen Jungen zum Schutz gegen Masern.
Und Spritzen sind sowieso fies! Bildrechte: dpa

Dr. Keymer ist seit über 30 Jahren Kinderarzt. Der Beruf macht ihm nach wie vor große Freude. Und warum? "Das schöne sind unsere Patienten, dass man immer wieder mit Kindern zu tun hat."

Als Kinderarzt, so sagt Dr. Keymer, müsse man sich immer ein bisschen Kinderseele erhalten, um die Kinder zu verstehen. Natürlich gibt es auch ein paar stressige Tage: "Das passiert aber in jedem Beruf, der anstrengend ist, der Zeit fordert und vor allem, wo mit Menschen gearbeitet wird."

Der Weg zum Traumberuf

Um Kinderarzt zu werden, muss man nach der Schule an einer Universität Medizin studieren. Und da Kindermedizin etwas Besonderes ist, muss man sich nach dem Studium als Facharzt zum Kinderarzt ausbilden lassen. Alles in allem dauert das ungefähr elf Jahre. Das ist zwar ganz schön lange. Dennoch lohnt es sich, sagt Dr. Keymer.

Es ist ein Traumberuf für viele, die von draußen auf den Beruf gucken, und ich finde auch, es ist ein sehr schöner Beruf. Ich möchte mir nichts anderes vorstellen. Aber ich will nicht so tun, als wäre das der einzig schöne Beruf, den es gibt. Man sollte für sich versuchen, herauszufinden, was einem besonders passt und liegt. Dafür sind Kinderärzte besonders gut in der Lage, denn sie können anhand der Reaktion der Kinder ablesen, ob sie für diesen Beruf geeignet sind.

Dr. Sebastian Keymer, Kinderarzt und Vorsitzender Kinderärzte-Netz Leipzig
Ein Kind wird beim Kinderarzt untersucht
Messen, wiegen, beim Kinderarzt wird eure Entwicklung genau dokumentiert. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Während der Vorsorgeuntersuchung, bei der Erik von oben bis unten durchgecheckt wird, hat der Vierjährige tatsächlich Spaß. So ist die Sache schnell erledigt und für das tapfere Durchhalten gibt es leckere Gummibärchen.

Für jeden der Patienten nimmt sich der Doktor viel Zeit. Obwohl bis zu 80 Kinder am Tag die Praxis aufsuchen. Doch wie groß ist die Gefahr, dass der Arzt sich bei den vielen Patienten nicht auch mal selbst ansteckt?
"In der ersten Zeit, in den ersten Jahren war ich viel krank. Jeder Kinderarzt wird das für sich erleben. Einfache Erkältungskrankheiten springen in Nullkommanichts während der Sprechstunde auf den Arzt über", erzählt Dr. Keymer. Doch über die Jahre härtet das ab.

Nach der Sprechstunde ist noch lange nicht schluss

Plüschaffe mit Stethoskop
Manche Kinder nehmen ihr Plüschtier zur Unterstützung mit. Bildrechte: IMAGO

Heute endet die Sprechstunde am Mittag. Allerdings nur vorerst. Denn auch wenn die Sprechstunde vorbei ist: Schluss haben Arzt und Schwestern noch lange nicht. Denn vieles muss aufgeschrieben werden. Gleichzeitig untersuchen und schreiben, geht nicht. Also muss das, was den Kindern oder Eltern geraten wurde, notiert werden, damit Arzt und Schwestern wissen, was sie euch und euren Eltern gesagt haben.

In der Praxis wird es leise. Schwester Katharina atmet durch: "Wir müssen jetzt noch ein bisschen aufräumen, sauber machen, wischen, Stühle hochstellen, Akten wegräumen und für morgen alles auffüllen an Kanülen oder Mundspateln, dass es gleich wieder losgehen kann." Doch davon bekommen die kleinen Patienten wie Vincent oder Erik nichts mit. Für sie zählt nur eins: Heute gab es keine Spritze und darüber sind beide glücklich.

Zuletzt aktualisiert: 05. September 2018, 09:10 Uhr