Jahrhundertealte Klaviere Zu Besuch in der Klavierwerkstatt

Um 1700 wurde die clevere Mechanik der Hammerklaviere erfunden. Seitdem kann ein Klavier einen ganzen Saal beschallen. Ein Cembalo schafft das nur in einem kleinen Raum. Wie diese Hammer-Mechanik funktioniert und was ein Klavier von einem Cembalo unterscheidet, das erzählt Kerstin Schwarz aus Zerbst. Dort hat sie eine Restaurierungswerkstatt und pflegt ein altes Handwerk. FIGARINO-Reporter Tobias Barth war mit der 6-jährigen Berenike vor Ort.

Berenike am Klavier
Berenike testet ein altes Klavier. Bildrechte: Tobias Barth

Kerstin Schwarz ist Restauratorin für Tasteninstrumente, sie repariert alte Klaviere – und zwar richtig alte. Gerade hat sie eines von 1776 in der Werkstatt stehen. Mit seiner Oberfläche aus Mahagoni-Holz ist es ein Schmuckstück, aber vor allem natürlich ein tolles Instrument.

Kerstin Schwarz hat sich auf die Restaurierung solcher alten Schätze spezialisiert. Das heißt, sie stellt alte Instrumente wieder so her, wie sie früher waren. Sie hat aber auch schon alte Klaviere nachgebaut. Komplett mit alten Handwerkstechniken und aus den Materialien, die schon vor 300 Jahren verwendet worden sind.

Die erste große Forschungsreise ins Reich der historischen Tasteninstrumente begann für Kerstin Schwarz in Leipzig. Dort nämlich steht im Grassi-Museum ein sehr wertvolles Instrument, das älteste erhaltene Hammerklavier der Welt von Bartolomeo Cristofori. Museumsmann Kim Grothe zeigt es voller Stolz:

Wir haben von der Form her die typische Cembalo-Flügelform, da sieht man, dass er sich von den Ausmaßen her nach dem Cembalo gerichtet hat. Es ist zinnoberrot lackiert, und auf diesem Grundlack sieht man sehr schöne in Gold gehaltene Chinoiserien, also chinesische Malereien, Szenerien, so wie man sich damals in Europa den Fernen Orient vorstellte.

Kim Grothe

Diese Zeichnungen waren für den Nachbau nicht wichtig, sie haben keinen Einfluss auf den Klang. Um den Klang aber ging es Kerstin Schwarz. Eine Kopie des Instrumentes wollte sie herstellen, weil auf dem 300 Jahre alten Originalinstrument nicht mehr gespielt werden soll. Zu wertvoll ist dieses Original, zu gebrechlich. In jahrelanger Feinarbeit schuf Kerstin Schwarz ihren "Cristofori"-Nachbau.

Kerstin Schwarz erklärt die Technik eines Instruments
Kerstin Schwarz erklärt die Technik eines Instruments Bildrechte: Tobias Barth

Das Hammerklavier von Cristofori ist deshalb so berühmt, weil man darauf mit einer raffinierten Mechanik die Töne laut und leise hervorlocken kann. Das war bei den vor 300 Jahren üblichen Cembali noch nicht möglich. Die Hammermechanik ermöglicht es also, mit einem Klavier auch einen ganzen Saal zu beschallen. Das gefiel natürlich denen, die große Säle hatten. Der preußische König Friedrich der Große zum Beispiel ließ bei dem berühmten Orgelbauer Gottfried Silbermann Hammerklaviere für seine Schlösser bauen und so einen "Silbermann" hat auch Kerstin Schwarz original nachgebaut: Der besondere Clou daran: Man kann das Instrument mit ein paar Handgriffen umbauen und dann klingt es ganz anders: faszinierend.

 Berenike am Klavier
Berenike möchte auch Klavierspielen lernen. Bildrechte: Tobias Barth

Zuletzt aktualisiert: 20. November 2018, 15:00 Uhr

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