Streitschlichter der Erfurter Moritzschule
Die Streitschlichter der Erfurter Moritzschule Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Zuhören statt ausflippen Wie Streitschlichter Probleme lösen

Ohne Streit geht es im Leben nicht. Er gehört in den besten Familien dazu. Oft geht es um Kleinigkeiten, die eigentlich nicht der Rede wert sind: ums Spielzeug, ums Aufräumen, die Hausaufgaben, ausgeplauderte Geheimnisse. In jedem Fall macht Streit schlechte Laune. Es lohnt sich also, darüber nachzudenken, wie man Probleme friedlich lösen kann. In der Moritzschule in Erfurt werden Kinder deshalb zu Streitschlichtern ausgebildet.

Streitschlichter der Erfurter Moritzschule
Die Streitschlichter der Erfurter Moritzschule Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Charlotte, Lilli, Maxi, Jonas, Paul und die anderen haben schon viel übers Streiten nachgedacht. Sie lassen sich an ihrer Schule zu Streitschlichtern ausbilden. Nach ihrer Ausbildung sollen sie auf dem Schulhof Ansprechpartner sein, wenn es Meinungsverschiedenheiten gibt.

Ein Streit entsteht, wenn Kinder oder Erwachsene nicht einer Meinung sind. Manchmal führt Streit sogar zu Gewalt, man haut oder tritt jemanden. Streitschlichter sind dazu da, das zu verhindern. Sie helfen den anderen, sich zu versöhnen - ganz ohne die Hilfe der Lehrer.

Was muss ein Streitschlichter können?

Ein Streitschlichter muss neutral sein. Er darf sich nicht auf eine Seite schlagen und sollte sich mit dem Schimpfen zurückhalten. Wichtig ist, dass ihm die anderen Kinder vertrauen. Mit Rollenspielen üben die Streitschlichter, wie man das am besten macht. Sie spielen mögliche Konflikte durch.

Kinder im Streit.
Andere ausgrenzen, ist gemein. Bildrechte: colourbox.com

Streitschlichter sollen nicht klären, wer angefangen hat oder wer Schuld ist, das können sie gar nicht. Ihre Aufgabe ist es zu vermitteln, damit die Streithähne gemeinsam eine gute Lösung finden, ganz freiwillig und nach bestimmten Regeln. "Die Kinder kommen zu euch, das ist ein wichtiger Schritt", erklärt eine Lehrerin der Streitschlichter. "Sie wollen ernst genommen werden, deswegen müsst ihr ihnen das Gefühl geben, dass es ganz toll ist, dass sie zu euch gefunden haben."

Wir lassen die anderen ausreden, wir sind ehrlich zueinander, wir verwenden keine Schimpfwörter.

Motto der Streitschlichter

Die Schüler stehen noch am Anfang ihrer Ausbildung. Der Moderator Steffen Quasebarth ist schon ein Profi. Er hält Vorträge übers Streiten. Auch Eltern und Großeltern lernen von ihm, was man tun kann, wenn man so richtig wütend ist.

"Dann empfehle ich, raus aus diesem Gefühl zu kommen, indem man sich auf seinen Atem konzentriert. Das schafft man auch als Kind. Und zwar nicht auf das Einatmen konzentrieren, sondern nur auf das Ausatmen. Also ganz bewusst Luft rauszulassen."
Steffen Quasebarth

Zwei Jungen stehen sich streitend gegenüber
Prügeln ist keine Lösung. Bildrechte: Aliaksei Smalenski/Colourbox.de

Zu Hause kann man auch einfach mal in ein Kissen brüllen und alles herausschreien, was einem auf dem Herzen liegt. Danach fühlt man sich befreit und hat niemanden gekränkt.

Aber Hand aufs Herz: Auch ein Profi rastet manchmal aus. Streit und Wut gehört zu unserem Leben dazu. Ohne sie geht es nicht. Aus Streit kann man lernen, sogar auf neue Ideen kommen.

"Bei uns ist es oft in der Klasse so, dass die Jungs prügeln und die Mädchen zicken. Jungs prügeln öfter, das muss ich zugeben. Mädchen sammeln sich in Gruppen und schließen andere aus."
Streitschlichterin

Um Streitschlichter zu werden, braucht man Mut und Menschenkenntnis. Man muss sich gut in andere hineinversetzen können. Das klappt nicht gleich am ersten Tag, es muss sich entwickeln.

Die Streitschlichter nutzen einen Erzählstein. Nur wer ihn hat, darf reden. Das hilft. Probiert es doch mal zu Hause aus. Denn das Allerwichtigste ist: Einander zuhören und den Anderen ausreden lassen. So findet ihr bestimmt für jeden Streit eine gute Lösung, denn: Das Schönste am Streiten ist die Versöhnung!

Zuletzt aktualisiert: 13. Februar 2018, 17:05 Uhr

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