Wanderpfad durch die Drachenschlucht im romantischen Mariental bei Eisenach in Thüringen.
So eng wird es auf dem Weg durch die Drachenschlucht! Bildrechte: IMAGO

Wandern Abenteuer in der Drachenschlucht

In Thüringen kann man prima wandern! Feenja und Nike, beide sechs Jahre alt, haben sich eine besonders abenteuerliche Wanderung ausgesucht: die Drachenschlucht bei Eisenach. Figarino-Autorin Antje Uebel hat die beiden begleitet.

Wanderpfad durch die Drachenschlucht im romantischen Mariental bei Eisenach in Thüringen.
So eng wird es auf dem Weg durch die Drachenschlucht! Bildrechte: IMAGO

Wir haben uns einen sonnigen Tag für unsere Wanderung ausgesucht. In den Rucksäcken steckt eine Trinkflasche, ein paar Brote und Weintrauben zur Stärkung und ein extra Pulli. Nicht viel, aber das ist auch gut so, schließlich liegt unser Ziel, das verlassene Schloss "Hohe Sonne" am Rennsteig, fast 200 Meter höher als unser Startpunkt im Tal, an der Auffahrt zur berühmten Sängerwiese. Mehr als drei Kilometer müssen wir also bergauf wandern. Für Nike und Feenja, die sechs Jahre alt sind und in die erste Klasse gehen, ist das kein Problem, sagen sie. Beide sind aufgeregt, denn "Drachenschlucht" - das klingt abenteuerlich.

Gibt es in der "Drachenschlucht" Drachen?

Nike glaubt, die Drachenschlucht heißt Drachenschlucht, weil da bestimmt früher Drachen gewohnt haben. Dem ersten Drachen begegnen wir tatsächlich schon am Eingang der Schlucht. Er ist aus Holz geschnitzt. Dann verändert sich die Landschaft immer mehr. Es wird felsiger und grüner. Feenja schaut sich staunend um. Und noch etwas bemerken wir: Es wird kühler. Wir holen unsere Pullis aus den Wanderrucksäcken. Das ist nicht ungewöhnlich, erklärt uns Touristenführerin Cornelia Hartleb. In der Schlucht hält sich die Kälte. Im Winter muss die Drachenschlucht sogar gesperrt werden. Dann erinnert das Felsmassiv eher an einen Gletscher. Eismassen verschließen den Weg. Frühestens im April ist die Drachenschlucht dann wieder begehbar. Im Sommer, wenn es draußen richtig heiß ist, kann man sich in der Drachenschlucht ein bisschen abkühlen. Aber auch jetzt im Herbst lohnt sich die Wanderung, nicht nur wegen der bunten Bäume, sagt Cornelia Hartleb:

Wenn man mal hoch schaut, das geht 10 Meter hoch, bis man den Himmel wieder sieht. Die Felsen rücken ganz nah zusammen, die engste Stelle ist nur knapp 60 Zentimeter breit. Aber man muss nicht den Bauch einziehen, man kommt immer noch ganz gut durch.

Cornelia Hartleb, Touristenführerin

Plötzlich werden die Felswände enger und enger

Wenn man Glück hat und ganz still ist, kann man Tiere sehen, sagt Frau Hartleb. Wir haben bisher nur zwei streitende Amselmännchen gesehen. Wahrscheinlich waren wir zu laut oder haben einfach kein Glück. Dafür wird es hinter der nächsten Biegung nun wirklich abenteuerlich. Die Felswände verengen sich, kaum ein Meter Platz bleibt dazwischen. So eine Felsenge heißt Klamm. Über Jahrmillionen hat sich das Wasser des Steinbachs tief in die roten Felsen unterhalb der Wartburg gegraben.

Die Schlucht ist schon 250 Millionen Jahre alt. Und im 19. Jahrhundert hat ein Oberforstrat gesagt: Man muss etwas tun, dass man da wirklich durchgehen kann. Und Gottlob König hat das im 19. Jahrhundert erstmal begehbar gemacht.

Cornelia Hartleb, Touristenführerin

Auch den Namen "Drachenschlucht" hat das Felsmassiv dem Eisenacher Forstwissenschaftler Gottlob König zu verdanken. Der hat sich an eine alte Sage erinnert: In der nahen Stadt Eisenach gab es einmal einen starken Ritter, der die Stadt vor allem Bösen beschützt hat. Und der hat, so heißt es, in der Klamm mit einem Drachen gekämpft und ihn besiegt. Damit die alte Sage niemand vergisst, wurde die Schlucht danach benannt.

Dann kommt das Wasser fast von allen Seiten!

Wanderer gehen zur Drachenschlucht
Wanderer in der Drachenschlucht Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Weil der Drache schon besiegt wurde, haben wir wohl keinen mehr zu befürchten. Dafür sind die Wassermassen unter uns so gewaltig, dass sie durch die Gitterbefestigung drücken und den Weg überschwemmen. Wir müssen über Baumstämme balancieren, um nicht bis zu den Waden im Wasser zu versinken. Da gehört ein bisschen Mut dazu.

Nike geht zuerst. Schließlich kämpfen wir uns alle mutig durch die engen Felsen. Von oben werden wir von kleinen Rinnsalen nass getropft, unten rauscht der Bach, was für ein Erlebnis. Noch zweimal verengt sich das Tal, dazwischen sind die Waldwege breiter, teilweise geht es über Holzstege hinweg. Am Ende wird der Anstieg steiler. So kurz vor dem Ziel ist das nochmal richtig anstrengend. Ganz außer Puste erreichen wir den Rennsteig – und werden belohnt: mit einer tollen Aussicht zur Wartburg.

Zuletzt aktualisiert: 04. Oktober 2018, 13:41 Uhr