15. August, Donnerstag: Land unter in Sachsen

Während am Oberlauf der Weißeritz schon die Aufräumarbeiten beginnen, werden jetzt die Innenstädte von Pirna und Meißen von der Elbe überflutet; die Meißner Porzellan-Manufaktur wird dabei teilweise zerstört. In der Sächsischen Schweiz werden ganze Ortschaften evakuiert. Hier wird mit der nächsten Flutwelle ein Elbe-Pegel von bis zu zwölf Metern erwartet.

In Dresden übersteigt der Pegel des Flusses im Lauf des Tages die seit dem Jahr 1845 nicht mehr überschrittene Acht-Meter-Marke. Am Ende des Tages steht er bei 8,65 Metern.

Lebensmittelgeschäfte werden leer gekauft. Besonders gefragt sind Getränke, denn nach dem Abzug der Wolken wird es wieder sehr heiß. Die Stadtteile Laubegast, Kleinzschachwitz und auch Zschieren werden überschwemmt.

Im Nordwesten der Stadt tritt das Wasser über den Damm in Gohlis, Teile von Cossebaude, Mickten, Kaditz und Niederwartha werden überflutet. Auch das Krankenhaus Neustadt und das Diakonissen-Krankenhaus werden geräumt. Wie zuvor aus dem Krankenhaus Friedrichstadt und der Universitätklinik werden viele Patienten in andere Städte gebracht.

Seit dem Morgen liegt ein unangenehmer Geruch über den Flutgebieten. Laubegast wird nach und nach zu einer Insel. Nur noch die mit Sandsäcken gesicherte Leubener Straße steht zur Verfügung. Nachmittags ruft die Polizei mit Lautsprecherwagen die Bewohner besonders gefährdeter Bereiche auf, die letzte Chance zu nutzen und Laubegast jetzt zu verlassen. Am Abend dringt das Wasser überall in die Keller ein. Versuche, es mit Sperren und Sandsäcken abzuwehren werden aufgegeben. Für die Nacht sind Wachen eingeteilt.