16. August, Freitag: Die Elbe steigt immer weiter

Das St.-Joseph-Stift ist jetzt das einzige nicht evakuierte Krankenhaus in Dresden. Am Abend beginnen jedoch sieben Löschzüge der Feuerwehr ihren Kampf gegen eindringendes Wasser aus der Kanalisation. Gegen 22.00 Uhr wird hier ein Mädchen namens Sophia geboren, mit dem sich Chefarzt Frank Berchtig auf dem Balkon den Rettungskräften zeigt - um ihnen Mut zu machen. Das St.-Joseph-Stift erlebte während es Hochwassers eine regelrechte Baby-Flut. Mehr als 40 Mädchen und Jungen werden in diesen Tagen hier geboren.

Jahrhundertflut 2002: Wasserpalais Schloss Pillnitz
Das Wasserschloss Pillnitz bei Dresden in den Tagen der Flut Bildrechte: dpa

Am Morgen stand der Elbe-Pegel bei 8,88 Metern, um 20.00 Uhr bei 9,29 und um 24.00 Uhr sogar bei 9,38 Metern. Das erste Mal seit dem Beginn der regelmäßigen Pegel-Aufzeichnungen vor mehreren hundert Jahren durchbricht die Elbe in Dresden die Neun-Meter-Marke. Doch noch immer scheint die Maximalhöhe nicht erreicht zu sein.

Das öffentliche Leben in der sächsischen Hauptstadt steht nahezu vollständig still. Das Klärwerk Kaditz wird überflutet, weil ein Damm gebrochen ist. Seine Abwässer fließen ungeklärt in die Elbe. Im alten Flughafen-Terminal Klotzsche ist ein provisorisches Krankenhaus eingerichtet.

In Königstein erreicht der Elbe-Pegel jetzt seinen höchsten Stand seit 1845. Es sind 11,85 Meter, normal wären etwa 2,20 Meter. Doch der Scheitel der Welle ist noch nicht angekommen. Bei Riesa stürzen die Eisenbahnbrücken Röderau und Bobersen ein. Der Verkehr auf den Bahnstrecken Leipzig-Dresden und Chemnitz-Berlin wird eingestellt. Am Abend erreicht der Flutscheitel Schöna an der Grenze zu Tschechien mit dem Höchststand von 12,02 Metern.