20. bis 22. August: Das große Aufräumen beginnt

20. August, Dienstag: Die Müllberge wachsen

Der Elbe-Pegel in Dresden sinkt von 6,40 Metern um 06 Uhr morgens bis 20 Uhr auf 5,67 Meter und danach schnell weiter. Nach wie vor aber drohen durchnässte Dämme zu brechen. Tausende Helfer arbeiten rund um die Uhr, um das zu verhindern. Die Menschen versuchen, zur Normalität zurückzukehren.

Die Krankenhäuser fangen wieder an zu arbeiten, doch auch in Dresden stehen noch immer viele Häuser unter Wasser. Währenddessen wachsen die Halden am Straßenrand, die Straßen werden schmaler, der Verkehr aber stärker. Müll und Schlamm türmen sich, und die Stadtreinigung wird von Kollegen aus Cottbus, Erfurt und Leipzig unterstützt.

In ganz Sachsen sind, ohne das Elbtal, 740 Kilometer Straßen und 180 Brücken zerstört. Die Bahn beklagt mit 538 Kilometern Schienenwegen den Verlust eines Fünftels ihres Netzes in Sachsen.

"Blaues Wunder" in Dresden aus der Luft gesehen 3 min
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15. August 2002: Ein Flug über Dresden, Pirna und den Weißeritzkreis zeigt das Ausmaß der Zerstörung. Die Aufbauarbeit der letzten zehn Jahre ist zunichte gemacht ...

MDR FERNSEHEN Do 15.08.2002 17:15Uhr 03:04 min

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21. August, Mittwoch: Rückkehr ins Leben

In Dresden gilt weiter Katastrophenalarm. Der Elbe-Pegel zeigt am Morgen um 6 Uhr 5,20 Meter, am Abend um 20.00 Uhr sind es nur noch 4,75 Meter. Die Einwohner von Gohlis dürfen in ihre Häuser zurück, der Schulunterricht wird nun wieder aufgenommen. Im gesamten Hochwassergebiet sind noch etwa 30.000 Haushalte ohne Strom, es wird fieberhaft an der Reparatur elektrischer Anlagen gearbeitet. Das Wasser in den Kellern ist meist schon bis auf wenige Zentimeter zurückgegangen, THW und Feuerwehren pumpen vorsichtig weiter aus, um noch weitere Gebäudeschäden zu vermeiden. Noch immer ist das Grundwasser hoch, es steht in Tiefgaragen und Kellern, ein übler Gestank geht davon aus.

22. August, Donnerstag: Die Müllberge wachsen

Für die meisten Gebiete in Sachsen wird der Katastrophenalarm wieder aufgehoben. Der Elbe-Pegel in Dresden fällt bis zum Abend unter 4,30 Meter, die Elbe führt weiter Hochwasser, fließt aber wieder "friedlich" in ihrem Bett.

Am Ufer jedoch sieht es schlimm aus. Der stärker einsetzende Verkehr in der Stadt macht die Lage schwieriger. An den Straßenrändern wachsen immer neue Halden immer höher - Müll, Schutt und Hausrat. Container, Bagger und Lkw blockieren eben erst wieder freigegebene Straßen. Auch mit der Unterstützung aus anderen Städten schafft es die Müllabfuhr nur langsam, alles zu räumen.

Ein anhaltendes Problem sind neue Einbrüche unterspülter Straßen. Mit dem zurückgehenden Wasser sind die Hohlräume darunter geblieben. Das THW pumpt nach wie vor Gelände-Senken, Keller und Tiefgaragen aus. Sobald die Anlagen wieder hergestellt sind, wird vielen Häusern nach und nach wieder der Strom zugeschaltet. Auch das Telefon funktioniert wieder.

Der Wiederaufbau hat begonnen; und nun zeigt sich, wem die Flut politisch genützt hat: Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD). Seine zuletzt miserablen Umfragewerte gehen nach oben, einen Monat vor der Bundestagswahl, die er dann tatsächlich noch einmal knapp gewinnen kann.

In Sachsen sind bis jetzt 17 Hochwasser-Tote gezählt worden.