Vom "Berggeschrey" zum "Wismut-Staat"

"Wo eyn man ercz suchen will, das mag her thun mit rechte" - Das Berggeschrey in Sachsen

Nach Erzen ist schon in vor- und frühgeschichtlichen Zeiten in Mitteldeutschland gegraben worden, aber wirtschaftliche und politische Dimensionen erreichte der Bergbau nach Silber und Kupfer erst im Mittelalter. Auch wenn die Anfänge ziemlich genau zu bestimmen sind und die Bedeutung recht schnell erkannt wurde, so sind sie doch sagenhaft: 1168 sollen am Oberlauf der (später sogenannten Freiberger) Mulde Fuhrleute, die Salz transportierten und sich im Harzer Bergbau auskannten, auf ein glänzendes Gestein in einer Wagenspur aufmerksam geworden sein, das sie dann nach Goslar brachten und dort als Silbererz bestimmten. Bald darauf kamen zahlreiche Bergleute zum Fundort, erbauten eine Siedlung, später als Sächsstadt benannt, wohl weil ihre meisten Bewohner aus dem altsächsischen Silberbergbaugebiet um den Rammelsberg bei Goslar gekommen waren.

Der damalige Markgraf Otto von Meißen, der später den Beinamen der Reiche erhielt, erkannte schnell die künftigen Vorteile, ließ sich von Kaiser Friedrich I. Barbarossa das Eigentumsrecht an den Bergschätzen (das Bergregal) verleihen und brachte das Gebiet mit den Fundorten wieder unter seine Herrschaft, obwohl er es zuvor dem 1162 gestifteten Kloster Altzelle übergeben hatte.

Die Silberfunde waren so umfangreich, dass neben der Sächsstadt bald weitere Siedlungen für Handwerker, Händler und Kaufleute, für markgräfliche Aufsichtsbeamte und sogar eine planmäßig aufgebaute Neustadt hinzukamen, die innerhalb weniger Jahre zusammenwuchsen und schließlich um 1218 erstmals Friberch, d. h. Freiberg genannt wurden. Dieser Name ist das Synonym für das den Bürgern zugestandene Recht auf Bergbaufreiheit, d. h. das Recht eines jeden, gegen Abgabe eines Teils der Produktion (der Zehnte) an den Regalherrn nach Silber schürfen und das Edelmetall abbauen zu dürfen: "Wo eyn man ercz suchen will, das mag her thun mit rechte".

Die um 1230 geschaffene Goldene Pforte an der Marienkirche (Dom), dem ersten vollständigen Statuenportal in Deutschland, zeugt vom Rang der jungen Bergstadt, die um die Mitte des 13. Jahrhunderts mit etwa 5.000 Einwohnern nicht nur die größte, sondern auch wirtschaftlich wichtigste Stadt der Mark Meißen war, der Keimzelle des künftigen Sachsen. Freiberger Kaufleute trieben Handel mit allen bedeutsamen Städten und Regionen Europas, mit Hamburg und Stettin, mit Frankfurt am Main, Köln und Aachen, mit Flandern und dem Deutschen Orden.

Die Bedeutung des Silberbergbaus ergibt sich allein daraus, dass Silber und Silbermünzen damals das einzige Äquivalent für den Handel mit Waren aller Art bildeten. Es ist die Zeit, in der der Tausch Ware gegen Ware oder Leistung gegen Ware abgelöst wurde durch Geld, das dem jeweiligen Gegenwert entsprach. Wer ausreichend Silber und Silbergeld besaß, hatte alle Möglichkeiten, Macht und Einfluss zu gewinnen. Das hatten die meißnischen Markgrafen schnell erkannt.

Die erste Blütezeit des Freiberger Silberbergbaus endete um die Mitte des 14. Jahrhunderts, als die technischen Möglichkeiten erschöpft waren und man nicht mehr als etwa 100 Meter tief in den Berg eindringen konnte, weil das Wasser nicht aus den Schächten zu bringen war.

Zur gleichen Zeit, in der der Freiberger Silberbergbau fast zum Erliegen kam, begann eine erste kurze Phase des Silberbergbaus im Raum um die späteren Bergstädte Annaberg, Schneeberg und Marienberg, bis man auch hier in größerer Tiefe am Problem Wasser scheiterte. Die inzwischen entwickelten technischen Geräte, die Wasserkünste, konnten die das Erz abbauenden Bergleute und Kleinunternehmer wegen Kapitalmangels nicht einsetzen.

Den ausführlichen Beitrag finden Sie im Buch "Geschichte Mitteldeutschlands" (herausgegeben vom Mitteldeutschen Rundfunk, Halle/S. 2000) auf den Seiten 166 bis 175.