Biografie Robert Schumann

(1810-1856)

Robert Schumann wurde am 8. Juni 1810 in Zwickau geboren. Neben seiner künstlerischen Neigung zum Klavierspiel galt seine große Liebe der Literatur. Er genoss eine umfassende Schulausbildung, lernte Latein, Griechisch und Französisch und war außergewöhnliches Sprachtalent. Da er besser Klavier spielte als sein Lehrer, empfahl dieser ihm das Selbststudium, was Schumann durch den Besuch von musikalischen Aufführungen und dem Lesen von Partituren und Klavierauszügen von Orchesterwerken umsetzen wollte. Als Jugendlicher gründete er ein Schulorchester, daneben auch einen literarischen Verein, in dem er mit Mitschülern verschiedene Werke in verteilten Rollen las.

Schumann soll Jura studieren

Das Abitur machte er mit dem zweitbesten Prädikat "omnio dignus". Seine Mutter entschied gemeinsam mit dem Vormund, dass Schumann Rechtswissenschaften studieren solle, da beide in seinem Hang zur Kunst und vornehmlich zur Musik keine Zukunft sahen. Schumann fügte sich dem Wunsch und schrieb sich 1828 an der Leipziger Universität als Jurastudent ein. Im gleichen Jahr begegnete er im Haus eines kunstliebenden Professors dem Mann, der sein Leben verändern sollte: Friedrich Wieck (1785-1873).

Schumann begibt sich in Wiecks Hände

Wieck, studierter Theologe, hatte sich als außergewöhnlicher Klavierpädagoge einen Ruf erworben. Schumann beschloss, sich in Sachen musikalischer Fortbildung in Wiecks Hände zu begeben. Doch es fehlte an entscheidenden Grundlagen, sowohl beim Pianistenhandwerk wie auch in der Kompositionstechnik. Die Enttäuschung war groß, Schumann ließ sich immer häufiger bei Wieck entschuldigen und kam schließlich gar nicht mehr zum Unterricht.

Musik setzt sich durch

Schumann ging im Mai 1829 nach Heidelberg, wo er bis Ende September 1830 blieb. In der Universitätsstadt wollte er sich ernsthaft dem Jura-Studium widmen, fachlich erwies sich der Ortswechsel jedoch als vertane Zeit. Ende August 1829 reiste er in die Schweiz und nach Italien. Zwei Monate später kehrte Schumann nach Heidelberg zurück, wo er beschloss, den Beruf des Musikers zu ergreifen. Er kontaktierte erneut Friedrich Wieck, der versprach, ihn innerhalb von drei Jahren zu einem der größten Klavierspieler auszubilden. In Leipzig bezog Schumann zunächst ein Zimmer im Hause Wiecks.

Verhängnisvolle Erfindung

Robert Schumann, den es in seiner enormen Verbissenheit am Klavier schon immer gestört hatte, dass die Finger einer Hand in jeweiliger Abhängigkeit voneinander stehen, hatte ein mechanisches Werkzeug erfunden, das jedem einzelnen Finger eine kraftvolle Souveränität verleihen sollte. Nächtelang an der rechten Hand erprobt, führte dies zunächst zu einer Lähmung der ganzen Hand. Als diese schließlich abklang, war Schumanns Mittelfinger so in Mitleidenschaft gezogen worden, dass er für das professionelle Klavierspiel unbrauchbar war. Dieser unheilvolle Selbstversuch machte das Ergreifen einer Pianistenlaufbahn zunichte. Schumann konzentrierte sich nunmehr auf das Erlernen von Kompositionstechniken. Anfänglich komponierte er fast ausschließlich für Klavier, sein Opus 1 sind die "ABEGG-Variationen", Stücke, die einer Phantasieperson, der "Comtesse d'Abegg" gewidmet sind und auf der durch den Namen vorgegebenen Notenfolge A-B-E-G-G aufbauen.

Erste Kompositionen

Zu seinen ersten Kompositionen, die Zeugnis von Schumanns persönlichem Stil geben, gehören auch die "Papillons" op. 2, die drei Frauen aus seiner näheren Verwandtschaft gewidmet sind. Von seinen frühen Kompositionen erwähnenswert ist auch die "Toccata" op. 7. Außergewöhnlich an ihr ist, dass bei der Figuration der rechten Hand der Einsatz des Mittelfingers durchaus vermieden werden kann. So konnte Schumann das Stück selbst vortragen. 1833 begann er mit den "Etüden im Orchestercharakter", die 1837 unter dem bis heute geläufigen Titel "Sinfonische Etüden" veröffentlicht wurden. Sie sind weniger Etüden im Wortsinn, als vielmehr Variationen über ein eingangs vorgestelltes Thema.

Gründung einer Musikzeitschrift

Zusammen mit Friedrich Wieck und einigen Freunden gründete Schumann 1834 die "Neue Zeitschrift für Musik", das Konkurrenzblatt zur Leipziger "Allgemeinen musikalischen Zeitung". Schon 1833 hatte sich um Schumann ein Kreis junger Künstler gebildet, die sich regelmäßig im Leipziger Lokal "Zum arabischen Coffee-Baum" einfanden. Sie verstanden sich als Gegenpol zu den Philistern, den Spießbürgern, nannten sich Davidsbündler und benutzten Fantasienamen.

Begegnung mit Clara Wieck

Als Schumann Clara Wieck 1830 durch seinen Aufenthalt in Wiecks Haus näher kennen gelernt hatte, konnte er mit dem neun Jahre jüngeren Mädchen nur wenig anfangen. 1834 verlobte er sich mit Ernestine von Fricken, Tochter eines böhmischen Barons, doch die Beziehung hielt nicht lange. Schumann löste die Verlobung vor Ablauf eines Jahres. Trotzdem setzte er ihr ein musikalisches Denkmal: den "Carnaval". Die von Frickens entstammten dem böhmischen Städtchen Asch, dieser Ortsname ist Grundlage des "Carnaval" in der Weise, dass Schumann in den ersten Miniaturen die Tonfolge A-Es-C-H, in der zweiten Hälfte des Werks bei den Stücken die Notation As-C-H integriert.

Hochzeit mit Hindernissen

Ende 1835 kamen sich Schumann und Clara näher, ein Umstand, der dem übervorsorglichen Vater Wieck nicht verborgen blieb. Er versuchte alles, um den Kontakt zu unterbinden. 1840 haben Robert und Clara die hoffnungslos erscheinende Situation mit einer Klage vor Gericht beendet, die darauf gerichtet war, dass entweder der Vater der Ehe zustimmt oder von Amts wegen die Einwilligung hierzu herbeigeführt wird. Am 12. September 1840 heiratete das Paar auf Grund der Zustimmung des angerufenen Gerichts in der Dorfkirche von Schönefeld bei Leipzig.

Schaffensreiche Periode

Die "Kreisleriana" op. 16 hatte Schumann schon 1838 vollendet. Gedanklich ist das Stück dem Schriftsteller E.T.A. Hoffmann zugeeignet, der seinen Kapellmeister Kreisler nicht nur als Pseudonym für die "Leipziger musikalische Zeitung" verwendete, sondern ihn auch literarisch zum Charakter erhoben hatte. Als Zeugnis musikalischer Verehrung widmete Schumann das Werk Frédéric Chopin, für den er große Bewunderung hegte, der sich mit seinen Kompositionen jedoch nie anfreunden konnte. Innerhalb kürzester Zeit entstand seine Sinfonie Nr. 1 in B-Dur, deren von den Blechbläsern intoniertes Motiv auf dem Gedichtstext: "Oh wende, wende deinen Lauf. Im Tale blüht der Frühling auf!" beruht. Die so genannte "Frühlingssinfonie" wurde am 31. März 1841 unter dem Dirigat von Felix Mendelssohn Bartholdy aufgeführt. Noch im gleichen Jahr vollendete Schumann eine Sinfonie in d-Moll, in der ursprünglich eine Gitarre integriert war. Am 6. Dezember 1841 uraufgeführt, mochte sie beim Publikum aber nicht recht ankommen. Zwölf Jahre später hat Schumann sie überarbeitet, bekannt ist sie heute als seine 4. und letzte Sinfonie.

Umzug nach Dresden

Ebenfalls 1841 wurde Schumanns erste Tochter Marie geboren. Acht Kinder hatte das Paar, der letzte Sohn kam auf die Welt, als Schumann bereits in der Nervenheilanstalt weilte. 1843 war Schumann für kurze Zeit Lehrer am Leipziger Konservatorium. Ein Jahr später zerschlug sich Schumanns Hoffnung, Nachfolger von Mendelssohn Bartholdy am Leipziger Gewandhaus zu werden. Er zog daraufhin mit seiner Familie nach Dresden. Die Folgezeit bis 1846 war geprägt von Krankheiten. Der Komponist klagte über Abspannung, Nervenschwäche, Angstzustände, Schwindelanfälle – und er wurde schwerfällig. Robert Schumann litt an einer Bipolaren Störung, auch als manisch-depressive Krankheit bezeichnet, der er am Ende seines Lebens schließlich zum Opfer fiel. Unter großen Anstrengungen vollendete Schumann eine Sinfonie in C-Dur, die heute als Nr. 2 bekannt ist.

Aufbruch nach Westen

Erst im Dezember 1849 erhielt Schumann ein vielversprechendes Angebot: Die Nachfolge von Ferdinand Hiller als Städtischer Musikdirektor in Düsseldorf. Am ersten September 1850 verließ Familie Schumann Dresden Richtung Westen. Robert komponierte wie versessen und entwarf innerhalb eines Monats seine 3. Sinfonie in Es-Dur, die so genannte "Rheinische". Mit ihr beschreibt er seine ersten Eindrücke von der Fremde. Die Sätze 1, 2 und 5 sind beschwingt und voller Enthusiasmus. Der 3. Satz hat Intermezzo-Charakter und ist eine Genre-Komposition in der Art von Schumanns Klavierminiaturen. Der 4. Satz spiegelt seinen Eindruck von einer Zeremonie, die Schumann am 12. November 1850 im Kölner Dom erlebte: Die Weihung des damaligen Erzbischofs Johannes von Geissel zum Kardinal. So schnell sich die Schumanns von der rheinischen Mentalität fesseln ließen, so schnell kam die Ernüchterung. Auf Dauer fühlte sich Schumann nicht ernst genommen. Schon Ende 1851 überlegte er, das Amt niederzulegen, aber das sechste Kind, Eugenie, hatte sich angekündigt. Nachdem Schumann nach einer Pause im Dezember 1852 wieder als Dirigent auftrat, gab es erste Rücktrittsforderungen. An Pfingsten 1853 überarbeitete er seine Sinfonie in d-Moll, die dann wohlwollend vom Publikum aufgenommen wurde.

Beginn des langen Leidensweges

Am 10. Februar 1854 begann Schumanns Leidenszeit, die ihren vorläufigen Höhepunkt in einem Selbstmordversuch durch einen Sprung in den Rhein nahm. Er klagte über "Gehöraffektionen". Töne, Akkorde, ganze musikalische Stücke tobten in seinem Kopf, benebelten ihm die Sinne, raubten ihm den Schlaf. Tag und Nacht wurde Schumann nun von seiner Frau und seinen Kindern beobachtet und stand unter ärztlicher Aufsicht, konnte allerdings trotzdem am 27. Februar 1854 in einem unbeobachteten Augenblick das Haus an der Bilker Straße verlassen. Es war ein verregneter Rosenmontag, doch unbeeindruckt vom schlechten Wetter feierten die Einheimischen in Düsseldorf Karneval. Niemand bemerkte, dass Robert Schumann über das Geländer stieg und sich, nachdem er seinen Ehering ins Wasser geworfen hatte, in den Fluss stürzte. Rheinschiffer bemerkten das Aufklatschen im eiskalten Wasser und zogen den Lebensmüden an Bord. Als Schumann in die Nervenheilanstalt in Endenich bei Bonn eingeliefert wurde, blieb seine Stelle als Musikdirektor zunächst unbesetzt, das Gehalt wurde weiter an die Familie ausgezahlt.

Die letzten Jahre

Im ersten Jahr seines Anstaltsaufenthalts spielte Schumann noch manchmal Klavier, aber zunehmend holten ihn Wahnvorstellungen ein. Er reagierte darauf mit Zornausbrüchen und Gewalt gegen die Wärter. Clara stattete Schumann erst kurz vor seinem Tod einen Besuch ab. Am 27. Juli 1856 besuchte sie ihn, da verweigerte er schon die Essensaufnahme. Am 29. Juli verstarb er und und wurde zwei Tage später auf dem Alten Friedhof in Bonn zu Grabe getragen.

Insgesamt kann Schumanns Werk als Zentrum der deutschen musikalischen Hochromantik bezeichnet werden. In seinen Liedern tritt der Klavierpart selbständig und charakteristisch hervor, bleibt jedoch eingebettet in einen vom Dichterwort inspirierten, heiteren oder düster-geheimnisvollen Lyrismus. In seiner Kammermusik, die ebenfalls stark vom Klavier inspiriert ist, besticht der Elan großer Ideen bei stetem Willen zu dichter, differenzierter Ausformung. Seine vier Sinfonien stehen nicht alle auf gleicher Höhe: frisch und neuartig war die erste, romantisch ausgreifend die als zweite entstandene vierte Sinfonie, kräftig und breiter angelegt die dritte aus der hoffnungsvollen ersten Düsseldorfer Zeit.

Kammermusik von Robert Schumann (Auswahl) -Klavierquintett Es-Dur op. 44 (1842)
-Drei Fantasiestücke für Klavier und Klarinette op. 73 (1849)
-Märchenbilder für Klavier und Viola op. 113 (1851)

Klaviermusik von Robert Schumann (Auswahl) -Acht Polonaisen für Klavier zu 4 Händen o. op. (1828)
-Davidsbündlertänze. 18 Charakterstücke op. 6 (1837)
-Kinderszenen op. 15 (1838)
-Fantasiestücke op. 12 (1837)
-Album für die Jugend op. 68 (1848)
-Thema mit Variationen in Es-Dur (Geistervariationen) (1854)

Oper von Robert Schumann (Auswahl) -Genoveva op. 81 (1847/48)

Orchester- und Chorwerke von Robert Schumann (Auswahl) -Das Paradies und die Peri op. 50 (Endfassung 1843)
-Des Sängers Fluch op. 139 (Endfassung1852)

Sinfonien von Robert Schumann (Auswahl) -Nr. 1 in B-Dur op. 38, Frühlingssinfonie (1841)
-Nr. 2 in C-Dur op. 61, (1845/1846, Revision 1846/1847)
-Nr. 3 in Es-Dur op. 97, Rheinische (1850)
-Nr. 4 in d-Moll op. 120 (Endfassung 1851)

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