Heimisch auf den Weltmeeren

Geschichte

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Montags Parteiversammlung, dienstags Gewerkschaftssitzung – die Termine an Bord unterschieden sich nicht wesentlich von denen an Land. Nur kamen mehr Leute ... (Aus: DDR ahoi!)

Di 25.05.2010 22:05Uhr 02:17 min

https://www.mdr.de/geschichte/ddr-seefahrt-schiff-ahoi-zur-see-video100.html

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Die ersten neu gebauten Dampfer des 1952 gegründeten VEB Deutsche Seereederei Rostock (DSR) schipperten zunächst entlang der Ostseeküste – sie holten Steinkohle aus Polen, Erz aus der UdSSR oder Maschinenteile aus Schweden. 1954 verließ erstmals ein Dampfer die Ostsee – seine Fahrt führte ins Mittelmeer. Drei Jahre später schließlich war die DSR-Flotte bereits auf fast allen Weltmeeren heimisch. Und auch die Anzahl der Schiffe war kontinuierlich gestiegen – bis 1964 auf immerhin 111. Politisch hatte die SED-Führung die Republik von der westlichen Welt weitestgehend abgeschottet, auf internationalen Handel war das rohstoffarme Land gleichwohl dringend angewiesen.

Fischfabriken auf hoher See

Doch auch die Fischereiflotte war in den 1950er-Jahren auf modernsten Stand gebracht worden. Die Fischer warfen ihre Netze schon längst nicht mehr nur in der Ostsee aus, sondern vor New York, der afrikanischen Küste und in der Antarktis. 1960 liefen auf der "Mathias-Thesen-Werft" in Wismar die ersten Fang– und Verarbeitungsschiffe vom Stapel. Ein Meilenstein auf dem Weg zum industriellen Fischfang. Die Fangschiffe konnten jahrelang auf hoher See bleiben, ohne Häfen anzulaufen zu müssen, um entladen zu werden. Eine Flotte von Verarbeitungsschiffen war unentwegt im Einsatz, um den Fang in die Häfen der DDR zu bringen.

Die DDR – eine Seefahrernation

Mitte der 1970er-Jahre gehörte die DDR zu den wichtigsten Seefahrernationen der Welt. Mehr als 10.000 Seeleute waren auf den insgesamt 203 Schiffen der Deutschen Seereederei unterwegs, die die Häfen in über 100 Ländern anliefen. Kein anderes europäisches Land hatte ein so weitverzweigtes Netz von Routen. Es waren die glanzvollsten Jahre der DDR-Seefahrt. Und der Beruf des Seemanns bei der Handelsflotte zählte zu den begehrten im ummauerten Land: Man verdiente überdurchschnittlich und kam herum: "Wenn wir den Rostocker Hafen verließen, war das ein erhebendes Gefühl", beschreibt ein Seemann seine damalige Stimmung. "Die DDR lag im Rücken und vor uns die Welt."