Sozialpolitik

Endlich-, sagten viele junge Ehepaare, die der Wohnungsmangel zwang, getrennt oder bei ihren Eltern zu wohnen. Jeder Bürger soll bis 1990 eine Wohnung erhalten, war die wichtigste Botschaft des VIII. SED-Parteitags im Juni 1971. Dort wurde die "Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik" zum Motto erhoben.

Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik

Damit versprach Erich Honecker, der mit Unterstützung von KPdSU-Chef Breschnew einen Monat zuvor Walter Ulbricht in den Ruhestand geschickt hatte, einen radikalen Wandel: Was erwirtschaftet wurde, sollte künftig den Werktätigen zugute kommen. Das hieß beschleunigter Wohnungsbau, bedeutete einen Preisstopp für Konsumgüter und Dienstleistungen sowie mehr Waren in den Geschäften. In den nächsten Jahren wurden große Werke gegründet, in denen die Bauteile für Plattenbausiedlungen hergestellt wurden, die an den Rändern der Großstädte entstanden.

Die Wartezeiten auf eine Wohnung verringerten sich. Auch das Angebot in den Geschäften wurde vielfältiger. Die Lebensbedingungen für berufstätige Frauen verbesserten sich. Fortan gab es mehr Krippen- und Kindergartenplätze, höhere Geburten- und Kinderbeihilfen, mehr Mutterurlaub, ein bezahltes Babyjahr. "Allzu viele außerplanmäßige Wunder kann die Wirtschaft nicht verkraften", rügte Honecker auf dem VIII. Parteitag die Politik seines Vorgängers. Doch bald stand er denselben Problemen gegenüber. Seine großzügigen Sozialgeschenke gingen an die wirtschaftliche Substanz. Systematisch wurde das Konto überzogen.

"Neues Deutschland" vom 18.6.1971: "Zur Erkrankung von Walter Ulbricht Berlin (ADN). Der Vorsitzende des Staatsrates der DDR, Genosse Walter Ulbricht, erkrankte in den späten Abendstunden des 14. Juni 1971 an akuten Kreislaufstörungen. Eine entsprechende Behandlung wurde ärztlicherseits sofort eingeleitet. Der bisherige Krankheitsverlauf ist komplikationslos. Zurzeit muss noch Bettruhe eingehalten werden."