Nachrichten & Themen
Mediathek & TV
Audio & Radio

Geschichte

DDRNS-ZeitZeitgeschichte GegenwartSchulprojekt
Katrin Sass Bildrechte: imago/Future Image

Über DEFA-Schauspielerin Katrin SassKatrin Sass: Charakterdarstellerin der DEFA

Stand: 22. Oktober 2021, 15:11 Uhr

Wie ihre Mutter Marga Heiden, die mit Mundart-Stücken im DDR-Fernsehen berühmt war, schlägt auch Katrin Sass, geboren 1956, den Weg in die Schauspielerei ein. Schon mit jungen 23 Jahren wird die gebürtige Schwerinerin für die Hauptrolle im Film "Bis dass der Tod euch scheidet" engagiert und macht sich so als Charakterdarstellerin einen Namen.

"Bis dass der Tod euch scheidet" ist beileibe kein Film, bei dem sich der Zuschauer angenehm entspannt zurücklehnt: Erzählt wird der ungeschönte Alltag von Sonja und Jens, deren Ehe scheitert, nachdem sie Eltern werden. Sonja - nicht länger die kindliche-naive, anschmiegsame Ehegattin - verlangt, dass nicht sie allein die Verantwortung für den Familienalltag trägt. Jens unterdrückt und schlägt Sonja. Sonja, im Film gereift zur selbstbestimmten Frau, setzt das Eheversprechen wörtlich um - "bis das der Tod uns scheidet" - und vergiftet Jens. - Verblüffend, dass der Film überhaupt gedreht werden durfte, findet Hauptdarstellerin Katrin Sass rückblickend. Denn das, was der Film zeigt, entsprach keineswegs dem Bild, das die DDR gern vom Leben ihrer Bevölkerung zeichnete.

Eine Frau, die trinkt, mit den Männern, die Kinder werden ihr weggenommen, die versucht die wiederzukriegen, landet wieder in der Gosse. Also das gibt es doch in der DDR gar nicht. War schon erstaunlich, erstaunlich, was wir da durchgekriegt haben.

Katrin Sass

Für diese zweite große Hauptrolle wird sie 1982 auf der Berlinale mit dem "Silbernen Bären" ausgezeichnet und darf aus diesem Anlass sogar nach West-Berlin reisen.

Ich war furchtbar naiv damals, habe mich mit allen möglichen Leuten im Westen über Politik unterhalten. Ich muss wohl auch gedacht haben, dass ein Schutzengel über mich wachen würde. Damals wusste ich noch nicht, dass ich in den anschließenden zwei Jahren keine Filmrolle mehr angeboten bekommen sollte.

Katrin Sass | "welt.de"

1987 wurde sie dennoch in der DDR als "Schauspielerin des Jahres" geehrt. Von 1993 bis 1997 verkörpert sie in der Krimireihe "Polizeiruf 110" die Hauptkommissarin Tanja Voigt. Ihre Karriere wird durch ihre Alkoholabhängigkeit unterbrochen, doch der Schauspielerin glückt der Absprung und sie ist danach oft auf dem Bildschirm zu sehen.

Fulminanter Neustart mit "Good Bye Lenin"

Ihr Film-Comeback feiert Katrin Sass tatsächlich in einem deutschen Spielfilm, der sich mit dem Thema beschäftigt, das sie aus persönlicher Erfahrung bestens kennt: der DDR. In "Good Bye Lenin" (2003) spielt sie die Hauptrolle und verkörpert eine Frau, die im Koma die Wende "verschläft" - und der ihr Sohn nach dem Erwachen vorgaukelt, sie lebe nach wie vor im Sozialismus. Sass glänzt in der Rolle und der Film wird zu einem der erfolgreichsten Filme des Jahres 2003 in Deutschland.

Filmszene aus "Good bye, Lein" Bildrechte: imago images / United Archives

Auch die ARD-Serie "Weissensee" spielt in der DDR. Dort ist Sass in der Rolle der Dunja Hausmann zu sehen, einer idealistische Liedermacherin, die kritische Lieder gegen die Staatsmacht singt.

Die Familien Kupfer und Hausmann bei einem Gruppenfoto im Park. Ganz rechts: Katrin Sass als Dunja Hausmann. Bildrechte: MDR/Julia Terjung

Das "verdächtige" Doppel-S im Nachnamen

Wer sich mit Katrin Sass beschäftigt, stolpert unweigerlich über verschiedene Schreibweisen ihres Nachnamens. Hier liest man den Namen mit "ss", da mit "ß". Warum eigentlich? Heute mutet das ziemlich kurios an: Katrin Sass zufolge musste sie ihren Namen in "Saß" verändern. Die Stasi vermutete eine Nazi-Vergangenheit wegen des Doppel-S im Nachnamen. Doch das verordnete "ß" setzte sich nie komplett durch - in DDR-Filmen und Serien wurde ihr Name trotzdem mit Doppel-s geschrieben. Nach der Wende trat Katrin Sass selbst weiter unter dem Namen "Saß" auf und benutzte ihn auch in ihrer Autobiografie "Das Glück wird niemals alt".

Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | MDR um elf | 17. Juni 2019 | 11:00 Uhr