Die Spieler des Europapokal-Triumphs 1974

Jürgen Sparwasser und Manfred Zapf
Nach diesem Sieg war der Weltpresse nun auch die Elf der Namenlosen geläufig. Und in Magdeburg sind die Spieler der erfolgreichen Elf heutzutage nur noch als die "74er" bekannt. Im gleichen Jahr gelang übrigens Lok Leipzig der Einzug ins Halbfinale des UEFA-Cups, und die DDR-Nationalmannschaft besiegte die BRD bei der Fußball-Weltmeisterschaft. Der Torschütze für die DDR: der Magdeburger Jürgen Sparwasser. So ging diese Saison als die erfolgreichste des DDR-Fußballs in die Sportgeschichte ein. Bitter für die Spieler Pommerenke, Sparwasser, Seguin, Tyll und Hoffmann: Sie mussten nach dem Endspiel sofort aus Rotterdam zur WM-Vorbereitung der Nationalmannschaft nach Stockholm fliegen. So verpassten sie die Siegesfeier in Magdeburg. In Rotterdam gab es für die Spieler nur 75 Gulden Taschengeld und nach der Rückkehr 5.000 Ost-Mark als Prämie. Die Mailänder hätten übrigens 40.000 (West-)Mark für einen Sieg erhalten. Bildrechte: imago/Kicker/Eissner, Liedel
Wolfgang Seguin (1. FC Magdeburg)
Wolfgang Seguin Insgesamt 18 Jahre für den FCM aktiv, gewann der Mittelfeldstratege alle großen Titel, die die goldene Generation des FCM an die Elbe holte. Sechs Pokalsiege, drei Meisterschaften und den EC-Sieg 1974 verbuchte Seguin in den Jahren zwischen 1963 und 1981 auf der Habenseite. In die Vereinsannalen ist Seguin als der Schütze zum entscheidenden 2:0 im Finale gegen den AC Milan eingegangen. In der 74. Minute hämmerte er den Ball aus spitzem Winkel unter die Latte. Außerdem hält er den Vereinsrekord von 219 Oberligaspielen in ununterbrochener Folge, die er zwischen 1971 und 1979 absolvierte. Insgesamt kam er auf 396 Oberliga-Spiele. Das brachte ihm den Titel "FCM-Rekordspieler" ein und ist in der ewigen Bestenliste aller DDR-Oberligaspieler der sechste Platz. Zudem ist er Mr. Europacup des FCM mit insgesamt 59 Einsätzen. Trainer Krügel sah ihn als den "Motor der Mannschaft" an. Seine überragende Kondition half ihm, in der Offensive und Defensive gleichermaßen seine Qualitäten auszuspielen. Seine mannschaftsdienliche Art und seine Spielübersicht waren für den FCM Gold wert. 1986 kehrte er als Mannschaftsleiter zum FCM zurück und behielt dieses Amt bis 1991. Nach dem verpassten Einzug in die zweite Bundesliga und dem Abstieg in die dritte Liga sattelte Seguin um und gründete eine Gebäude-Reinigungsfirma. Als deren Geschäftsführer engagierte er sich auch finanziell beim FCM und war mit seiner Firma zeitweise Hauptsponsor des FCM. Sein jüngster von insgesamt fünf Söhnen spielt heute in Wolfsburg. "Ein Wechsel von Paul zum FCM stand allerdings nie zur Debatte", so Seguin, der heute in Stendal wohnt. Bildrechte: imago/Kicker/Eissner, Liedel
Jürgen Pommerenke, 1.FC Magdeburg
Jürgen Pommerenke Der begnadete Techniker bestritt schon mit 17 Jahren sein erstes Spiel für den FCM. Zwischen 1970 und 1984 kam er so auf beachtliche 404 Pflichtspiele und 113 Tore für seinen FCM. Pommerenke war DER Chef im Mittelfeld. Noch heute ist sich Sparwasser sicher, dass der FCM das Achtelfinal-Hinspiel im Cup der Landesmeister bei den Bayern im Herbst 1974 für sich entschieden hätte. Zur Pause führten die Elbestädter 2:0, verloren aber noch 2:3. "Jürgen Pommerenke wurde kaputtgetreten, damit fehlte uns unser Stratege." Und Trainer Krügel war sich sicher, dass sein Schützling in jeder europäischen Spitzenmannschaft eine Führungsrolle hätte übernehmen können. Für ein Kuriosum sorgte einer seiner Freistöße 1975 in Halle. Der Ball flog in das obere Torangel, allerdings durch das Netz! Somit pfiff der FIFA-Schiri Glöckner auf Abstoß. Zum Glück gewann der FCM trotzdem. Dem Club hielt Pommerenke immer die Treue und war nach seinem Karriere-Ende 1984 im FCM-Nachwuchsbereich tätig, saß Anfang der 90er für ein Jahr als FCM-Cheftrainer auf der Bank, ehe er seit 1999 als FCM-Nachwuchskoordinator sein Wissen weitergab. Heute trainiert er Nachwuchstalente an einer Fußballschule. Bildrechte: imago/Werner Schulze
Jürgen Sparwasser
Jürgen Sparwasser Berühmt geschossen hat sich Sparwasser mit seinem Treffer zum 1:0 im deutsch-deutschen Duell gegen die BRD während der WM. Doch sein Tor im EC-Halbfinale in Lissabon war für den Stürmer das wichtigste seiner Karriere - wichtiger noch als das Tor von Hamburg. Denn so wurde der Grundstein für den Magdeburger Finaleinzug gelegt. Insgesamt brachte es Sparwasser auf 386 Pflichtspiele für den Club, in denen er 173 Tore schoss. Auch Sparwasser hat Heinz Krügel viel zu verdanken. An eine Episode erinnert sich der Stürmer bis heute. Mit 17 Jahren bot er in seinem ersten EC-Spiel eine gute Leistung. Doch Krügels Reaktion fiel anders als erwartet aus: "Junger Mann, diejenigen, die Ihnen nur auf die Schulter klopfen, können Sie ganz schnell vergessen. Nehmen Sie die ernst, die Ihnen gratulieren, aber gleichzeitig darauf hinweisen, dass es noch viel zu verbessern gibt." Nach seiner Karriere arbeitete Sparwasser als Diplomsportlehrer an der Pädagogischen Hochschule in Magdeburg. Sparwasser sollte Cheftrainer des FCM werden. Doch nach mehreren Absagen waren für den Vorzeigesportler alle Wege in der DDR verbaut. Mit seiner Frau flüchtete er 1988 in die BRD und war Trainer in Frankfurt und Darmstadt. Nach der Wende scheiterte eine Rückkehr zum Club an den Vereinsverantwortlichen: "Nostalgie war nicht angesagt, uns wollten sie damals nicht." Sparwasser lebt heute in Bad Vilbel in Hessen und ist Projektleiter des Talentetrainings an einer Frankfurter Fußballschule. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Jürgen Sparwasser und Manfred Zapf
Nach diesem Sieg war der Weltpresse nun auch die Elf der Namenlosen geläufig. Und in Magdeburg sind die Spieler der erfolgreichen Elf heutzutage nur noch als die "74er" bekannt. Im gleichen Jahr gelang übrigens Lok Leipzig der Einzug ins Halbfinale des UEFA-Cups, und die DDR-Nationalmannschaft besiegte die BRD bei der Fußball-Weltmeisterschaft. Der Torschütze für die DDR: der Magdeburger Jürgen Sparwasser. So ging diese Saison als die erfolgreichste des DDR-Fußballs in die Sportgeschichte ein. Bitter für die Spieler Pommerenke, Sparwasser, Seguin, Tyll und Hoffmann: Sie mussten nach dem Endspiel sofort aus Rotterdam zur WM-Vorbereitung der Nationalmannschaft nach Stockholm fliegen. So verpassten sie die Siegesfeier in Magdeburg. In Rotterdam gab es für die Spieler nur 75 Gulden Taschengeld und nach der Rückkehr 5.000 Ost-Mark als Prämie. Die Mailänder hätten übrigens 40.000 (West-)Mark für einen Sieg erhalten. Bildrechte: imago/Kicker/Eissner, Liedel
Torwart Ulrich Schulze (1. FC Magdeburg)
Ulrich Schulze Der 1968 von Lok Leipzig gekommene Tormann war hinter Moldenhauer zwar vorerst nur zweite Wahl, aber ab der Saison 1971/72 uneingeschränkte Nr. 1 der Blau-Weißen. In insgesamt 176 Pflichtspielen für die Magdeburger zeichnete er sich vor allen Dingen durch seine Strafraumbeherrschung und seinen Kampfgeist aus. Im Halbfinale gegen die starken Portugiesen aus Lissabon sicherte er mit einem gehaltenen Elfmeter das wichtige Unentschieden, das sich als Grundstein für den Einzug ins EC-Finale herausstellte. Bekannt war Schulze für seine weiten Abwürfe. Markenzeichen war zudem sein Humor, mit dem er in der Mannschaft ständig für gute Stimmung sorgte. Bis zu seinem Abschied 1976 war "Uli" an allen drei Meisterschaften beteiligt. Zu Nationalmannschaftsehren kam er einzig nach der WM 1974, als er im heimischen Grube-Stadion gegen Island das Tor der DDR-Elf hütete. Nach seiner aktiven Karriere war der Diplomsportlehrer u.a. bei Stahl Blankenburg, Wismut Aue und Altmark Stendal als Trainer tätig. Der Pädagoge lebt heute an der Müritz und war dort als Sportlehrer angestellt. Bildrechte: imago/Kicker/Eissner, Liedel
Detlef Enge (1. FC Magdeburg)
Detlef Enge Als Verteidiger baute Trainer Krügel zu Beginn der 1970er-Jahre neben Tyll und Mewes den talentierten Enge in die Mannschaft ein, der die erfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte als 22-Jähriger erlebte. Doch nur drei Jahre später musste er sich aufgrund einer schweren Verletzung vom Leistungssport nach nur 125 Pflichtspielen für den FCM zurückziehen. Enge lebt heute zurückgezogen in Magdeburg und erwidert keine Kontakte zu seinen Mitspielern. Bildrechte: imago/Kicker/Eissner, Liedel
Wolfgang Abraham (1. FC Magdeburg)
Wolfgang Abraham Nach dem Abstieg des FCM in die Liga holte Trainer Krügel den Stürmer Wolfgang Abraham aus Stendal an die Elbe. Mit seinen 16 Toren hatte der dynamische Angriffsspieler auch gleich großen Anteil am sofortigen Wiederaufstieg in die Oberliga. Zudem galt er als sicherer Elfmeterschütze. In späteren Jahren wurde er von Krügel auf der Vorstopper-Position eingesetzt, auf der er auch im Halbfinalhinspiel in Lissabon für den schon angeschlagenen Uli Schulze spektakulär zwar den Ball von der Linie holte und damit ein sicheres Tor verhinderte, aber somit auch einen Handelfmeter verursachte. Aber Schulze hielt den Elfmeter, was in der Endabrechnung den späteren Finaleinzug sicherte. Zwischen 1962 und 1975 absolvierte Wolfgang Abraham insgesamt 279 Spiele (78 Tore) für den 1. FCM sowie sieben Spiele für den Vorgängerverein SC Aufbau. Nach seiner Karriere blieb er dem Verein wie viele seiner Mitspieler verbunden. In den 1980ern kehrte er als Mannschaftsleiter zurück und übte bis 2002 verschiedene Funktionen aus. So war er als Technischer Leiter, stellvertretender Clubvorsitzender, Vorstandsmitglied und Vizepräsident engagiert. Der gebürtige Osterburger verstarb 2013 nach langer schwerer Krankheit kurz nach seinem 71. Geburtstag. Bildrechte: imago/Kicker/Eissner, Liedel
Axel Tyll (1. FC Magdeburg)
Axel Tyll Schon mit 17 Jahren gab er sein Oberligadebüt. Als Mittelfeldmotor neben Seguin konnte er sich jeder Spielsituation in Offensive wie Defensive anpassen. Das begnadete Mittelfeldtalent kam allerdings nicht über vier DDR-Auswahlspiele hinaus. Kurz nach dem Weiterkommen in der 2. Runde im UEFA-Cup gegen Schalke im Herbst 1977 landete Tyll mit Pommerenke und Decker den nächsten Treffer. Das Trio tat sich zusammen und fühlte einen Systemschein für das beliebte Tele-Lotto aus. Tatsächlich gewannen sie den Hauptgewinn von 51.000 DDR-Mark! Für die Entgegennahme des Geldes wurde sich etwas Besonderes ausgedacht. Sie tauchten als Olsenbande verkleidet in der Lottoannahmestelle auf und ließen sich als Egon, Benni und Kjeld das Geld überreichen. Nach seinem Abschied beim FCM im Jahr 1982 (insgesamt 317 Pflichtspiele mit 41 Toren) spielte er noch einige Jahre bei Einheit Wernigerode, ehe er dort ins Traineramt wechselte. Der Mittelfeldspieler ist Diplomsportlehrer in Wernigerode. Bildrechte: imago/Kicker/Eissner, Liedel
Martin Hoffmann, 1.FC Magdeburg
Martin Hoffmann Als einzigem DDR-Fußballer gelang dem Linksaußen und Linksverteidiger dieses Kunststück: WM-Teilnehmer 1974, EC-Sieger 1974 und Olympiasieger 1976 in Montreal. "Der beste Linksaußen seiner Zeit" (Heinz Krügel) machte im Rotterdamer Endspiel einen so guten Eindruck auf den Mailänder Trainer Trapattoni, dass der ihn nach dem Endspiel sofort verpflichten wollte. Doch diese Episode erzählte ihm Trainer Krügel erst nach der Wende. Dabei war er beim Endspiel gerade mal 19 Jahre alt, allerdings schon längst Nationalspieler. Bei seinem Oberliga-Debüt im Juni 1973 steuerte er gleich ein Tor zum Sieg gegen Wismut Aue bei, im November desselben Jahres wurde er schon von Georg Buschner für die Nationalelf nominiert. Nach Joachim Streich ist er auch der Magdeburger mit den meisten Länderspieleinsätzen (66). Nach einer schweren Meniskusverletzung, die auch das Ende seiner Länderspielkarriere bedeutete, wurde er von Trainer Kreul zum Linksverteidiger "umgeschult". 1985 hing er nach 340 Pflichtspielen seine Töppen an den Nagel. Hoffmann hat alle Höhen und Tiefen des Vereins miterlebt, da er den Club bis auf ein Kurz-Intermezzo in Parchim nie verlassen hat. Erst im Nachwuchs tätig, betreute er die Mannschaft von 1994 bis 1996 als Cheftrainer. Als Co-Trainer fungierte er von 1997 bis 2002. Bis 2013 trainierte er die U19 des FCM. Bildrechte: imago/Werner Schulze
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