Diätgeschichte & Essgewohnheiten War die Ostfrau wirklich natürlicher? – Diät(en) in Ost und West

Der Wunsch nach dem perfekten Äußeren ist keine Erfindung von heute. Wie viel oder wenig Speck auf den Rippen als optimal gilt, bestimmt der Zeitgeist. Einzig die Diäten variieren, mit denen dem Ideal nachgeeifert wird.

Model im Bikini wirbt für die Filme des Fotomaterialienherstellers ORWO
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"Ich will so bleiben wie ich bin", gefolgt von einem geflüsterten "Du darfst" - so schlich sich Ende der 1980er-Jahre in der TV-Werbung eine Lebensmittel-Marke als Ohrwurm ins allgemeine Lebensgefühl. Kein Wunder, basierte die Melodie doch auf dem Sommerohrwurm "Dolce Vita" von Ryan Paris aus dem Jahr 1983. Die Lebensmittelbranche verknüpfte hier geschickt das Lebensgefühl des einstigen Sommerhits über "süße Leben" mit der Botschaft, das Leben sei nur "süß" als schlanker Mensch - und das Mittel dazu die kalorienarmen Produkte jener Firma.

Gemeinsames Wiegen und Speck-Rütteln

Der Wunsch nach der äußeren Selbstoptimierung ist keine Erfindung der 1980er-Jahre. Wie viel oder wenig Speck auf den Rippen gerade als optimal gilt, bestimmten schon immer Zeitgeist und der kulturelle Lebensraum. Die Vorbilder, an denen sich das mitteleuropäische Schönheitsideal heute orientiert, hat mit den normalen Maßen der Bevölkerung zwar herzlich wenig zu tun – doch das hat die Menschen noch nie daran gehindert, gertenschlanken Vorbildern nachzueifern: Nicht nur mit kalorienreduzierten Lifestyle-Produkten vom Typ "Light" oder "kalorienarm", oder mit Pülverchen und Pillen, sondern auch mit den verschiedensten Diät-Methoden, Gewicht zu verlieren.

Gewichtsprobleme - auch ein Problem im Osten?

Nach Plan auf die Waage steigen, Kalorien zählen und notieren - Diäten auf Basis von Zitrusfrüchten schlossen sich mangels entsprechender Zutaten ohnehin aus. Vielleicht war das Frauenbild in der DDR ohnehin nicht das, mit dem sich die Damenwelt in den gängigen Frauenmagazinen in der Bundesrepublik herumschlug? Victoria Hermann und Barbara Weidt, beide Models in der DDR, meinen im Rückblick:

Ich kann mich nicht erinnern, dass eine irgendwie `ne Diät gemacht hat. Also wir haben uns immer eigentlich gesund ernährt. Wir waren natürlich nicht ganz – also nicht ganz so dünn! Kann ja auch sein, dass das Idealbild in der DDR ein anderes war - nicht ganz so dünn.

Allerdings geht es nicht allen so wie den beiden Models. Die Arbeitswelt verändert sich auch in der DDR, viele essen noch als stünden sie am Hochofen oder schufteten auf dem Acker, obwohl sie längst hinter einem Schreibtisch oder an einem Steuerpult sitzen, wie Professor Gerhard Jahreis vom Institut für Ernährungswissenschaften Jena weiß:

Die Versorgung mit Obst und Gemüse war ja schlecht. Es gab ja diesen Witz: Warum ist die Banane krumm? Weil sie einen Bogen um die DDR macht. Man versuchte Alternativen zu finden. Das wesentliche Schlagwort war ja FDH - also 'friss die Hälfte'.


Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV-Magazin "Zeitreise", am: 21.03.2017 | 21:15 Uhr