Ingenieure sollen Blamage verhindern

Gottfried Schuppang und seine Männer erhielten den schier unmöglichen Auftrag, ein Angebot für die Mexikaner zu entwickeln. Aus dem Nichts projektierte Schuppang in wenigen Wochen ein Funknetz und errechnete einen Lieferpreis, der keine realistische Grundlage hatte. Eigentlich, so sagt er heute, war es Hochstapelei, die auf dem Vertrauen der Leistungsfähigkeit seiner Kollegen im Funkwerk beruhte. Sein Angebot für ein Pilotnetz im mexikanischen Bundesstaat Guerrero erhielt tatsächlich den Zuschlag. Damit hängte er internationale Konzerne wie Motorola aus den USA, Telettra aus Italien oder CSF-Thomsen aus Frankreich ab, die bereits fertige Produkte angeboten hatten.

Ich konnte bei der Neuentwicklung alle Wünsche der Mexikaner erfüllen, während die Konkurrenten fertige Produkte anboten, die nicht alle Wünsche erfüllten.

Gottfried Schuppang, ehemaliger leitender Entwicklungsingenieur Funkwerke Köpenick

Lieferzeit: 18 Monate

Die Funkwerker um Gottfried Schuppang fingen sofort mit der Entwicklung an, denn binnen 18 Monaten sollten Entwicklung und Installation abgeschlossen sein. Als bekannt wurde, dass das fertige System zum Staatsbesuch Erich Honeckers in Mexiko fertig sein sollte, erhöhte sich der Druck auf die Ingenieure.

Dann wurden die ersten Modelle zusammengebaut, mit größeren Problemen. Um Zeit zu sparen, haben wir den Kollegen die Telefone mit nach Hause gegeben und nach Feierabend durch praktische Telefonieübungen die Fehler rausgesucht.

Günther Neeße, ehemaliger Ingenieur Funkwerke Köpenick

Der Druck hatte allerdings auch seine guten Seiten: Schuppang und seine Kollegen arbeiteten nun an einem Projekt erster Priorität, was ihnen einige Möglichkeiten bescherte.

Es war plötzlich möglich, dass man West-Bauelemente sofort importiert bekam und das niemand über den Auslandseinsatz meiner Kollegen bestimmen konnte außer ich.

Gottfried Schuppang, ehem. leitender Entwicklungsingenieur Funkwerke Köpenick

Es war längst nicht mehr die Planerfüllung, die die Funkwerker zu Höchstleistungen antrieb. Der eigene Anspruch, aber auch die Aussicht auf den Auslandseinsatz in Mexiko, raus aus Köpenick und ein paar Wochen im fernen Acapulco, lockten die Ingenieure.