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Bildrechte: August Horch Museum Zwickau

Ein Blick in die ZeitDie Geschichte des Trabants

Stand: 14. November 2019, 16:06 Uhr

Der Trabant kann unter mehreren Gesichtspunkten als Symbol für die DDR-Wirtschaft gesehen werden. Der Historiker Matthias Judt gibt einem Beitrag zur Wirtschaftsgeschichte der DDR daher auch den Titel: "Aufstieg und Niedergang der 'Trabbi-Wirtschaft'" (Judt, Matthias: DDR-Geschichte in Dokumenten, Bonn 1998, S. 87).

Der Trabant wurde zu einer Zeit entwickelt, als die Sowjetunion den ersten künstlichen Satelliten "Sputnik" ins All schickte. Mit dem Namen für den in Zwickau entwickelten Kleinwagen – Trabant = "Begleiter" - wollte die DDR verdeutlichen, dass ihre Automobilindustrie eine ähnliche technische Überlegenheit gegenüber dem Westen aufweise wie die sowjetische Weltraumfahrttechnik. Und tatsächlich entsprach der ab 1957 von den traditionsreichen Automobilwerken Audi und Horch gebaute P 50 durchaus dem Stand der technischen Entwicklung. Der Kleinwagen mit Zweitaktmotor besaß eine Kunststoffkarosserie, weil es zeit- und systembedingte Lieferschwierigkeiten bei Stahl gab, und fuhr 90 km Höchstgeschwindigkeit pro Stunde. Jahr für Jahr wurde der Trabant etwas weiterentwickelt; so wurden auch Kombis und Lieferwagen produziert.

Große Umweltbelastung durch Zweitaktmotor

Allerdings kam es seit den 1970er-Jahren zu keinen großen Neuerungen mehr, weil die SED-Führung Investitionen in die Automobilindustrie – im Gegensatz zur Chemie- und Schwerindustrie - nicht favorisierte und die Innovationen der Ingenieure in Zwickau nicht in die Produktion umsetzte. So geriet die DDR-Automobilindustrie mit ihren beiden Marken Trabant und Wartburg international ins Hintertreffen. Der Zweitaktmotor führte zu einer solchen Umweltbelastung, dass selbst die Ostblockstaaten Ende der 1980er-Jahre keinen Trabi mehr importierten.

Viertaktmotor kommt zu spät

Da sich die DDR-Führung diesen Problemen nicht mehr verschließen konnte, kam es Ende 1984 zu Lizenzverträgen mit der Volkswagen-AG, die VW-Viertaktmotoren für Trabant und Wartburg liefern sollte. Wegen der geringen Investitionsbereitschaft des SED-Regimes rollte erst im Oktober 1988 der erste Wartburg mit Viertaktmotor vom Band, 1990, also nach der Wende, folgte der Trabant. Aber zu diesem Zeitpunkt fanden sich für den neuen Trabant kaum noch Abnehmer …

Trabi-Besitzer als Kfz-Mechaniker

Der Trabi steht auch repräsentativ für die Mangelwirtschaft in der DDR. Die Wartezeit auf einen Kleinwagen betrug zwölf bis 15 Jahre. Ein volljährig gewordener DDR-Bürger bestellte sich sofort nach seinem Geburtstag einen Trabant, damit er mit seinem 30. Lebensjahr vielleicht Autobesitzer war. In den 1980er-Jahren förderte die Diskrepanz zwischen der aufgrund der steigenden Einkommen wachsenden Nachfrage und dem mangelnden Angebot die Unzufriedenheit mit dem Wirtschaftssystem. Hinzu kamen Knappheit und Lieferprobleme bei Ersatzteilen. Instandhaltung und Reparatur waren in erster Linie Sache des Autobesitzers, der hierdurch notgedrungen zum Privat-Kfz-Mechaniker wurde – oder entsprechende Bekannte brauchte. Eine Fülle von Ratgeberliteratur sowie Fernsehsendungen zu Reparatur und Pflege des Trabis lieferten das nötige Knowhow zum Erhalt des PKW.

Der Trabi ist Kult

Gegenwärtig - im Zuge einer Welle von "Ostalgie" - ist der Trabi Kult. Fanclubs und Bastler vernetzen sich über das Internet und tauschen Tipps und Trabiwitze aus: "Ob bei Treffen, Rennen, in Vereinen oder sogar in der Automobil-Industrie: Der Trabi genießt bis heute viele Sympathien."