Quelle 1 – 4 Arbeitsauftrag 1 (Sek I und II)

Erläutern Sie anhand der Quellen 1 bis 4 (siehe unten) die Bedingungen, unter denen in der DDR Unterhaltungsmusik möglich war. Recherchieren Sie auch die Rolle der Plattenfirma AMIGA.

Quelle 1: Walter Ulbricht 1959 auf der Bitterfelder Konferenz

Es genügt nicht, die kapitalistische Dekadenz in Worten zu verurteilen, gegen Schundliteratur und spießbürgerliche Gewohnheiten zu Felde zu ziehen, gegen die 'Hotmusik' und die ekstatischen Gesänge eines Presley zu sprechen. Wir müssen etwas Besseres bieten.

Aus: Ulbricht, W.: Fragen der Entwicklung der sozialistischen Literatur und Kunst, in: Zur sozialistischen Kulturrevolution. Bd. 2, Berlin 1960, S.455-477

Quelle 2: Walter Ulbricht 1965 auf dem XI. Plenum des ZK der SED

Für Walter Ulbricht war das "Yeah" der Beatles ein Paradebeispiel für westliche Beatmusik. 1965 empörte er sich darüber bei der Ankündigung des Verbots westlicher Beatmusik auf dem XI. Plenum. Hören Sie dazu folgendes Audio:

Quelle 3: Anordnung Nr. 2 im Gesetzblatt der DDR über die Ausübung von Tanz- und Unterhaltungsmusik (15.11.1965)

§1 Staatliche Spielerlaubnis Wer als Laienmusiker oder nebenberuflich tätiger Musiker in öffentlichen Veranstaltungen Tanzmusik ausüben will, bedarf einer staatlichen Spielerlaubnis. Die staatliche Spielerlaubnis wird auf Antrag von der Abteilung Kultur des Rates des Kreises … ausgestellt. … §2 Voraussetzung für die Erteilung … Die staatliche Spielerlaubnis kann ausgestellt werden, wenn der Nachweis der künstlerischen Befähigung … vor einer Kommission, die vom Rat des Kreises, Abteilung Kultur, zu bestellen ist, erbracht wird. … [§ 3 & 4 folgen] §5 Ordnungsmaßnahmen Mit Verweis oder Ordnungsstrafe von 10 MDN* bis 500 MDN kann bestraft werden, wer vorsätzlich a) als Laienmusiker … ohne staatliche Spielerlaubnis öffentliche Tanzmusik ausübt.

aus: Michael Rauhut: Rock in der DDR, Bonn 2002, S.14

Quelle 4: Monopol der Radiosender

Charts per Verkaufsmessung gab es angesichts der limitierten Tonträger-Auflagen nicht, Radio-Umfragen ersetzten in der DDR diese Charts, wodurch die Sender zur Instanz über den Erfolg der Musiker wurden.

Der Radiosender DT64 besaß eine Art Monopol für die DDR-Rockmusik, in seinen Studios wurde die Masse der DDR-Titel produziert. Über die Ausstrahlung wachte das sogenannte Lektorat, für die Quartale I und II von 1983 erfahren wir:

Von den 263 eingereichten Gesangstiteln der Kategorie 'Tanzmusik' sind 152 'sofort akzeptiert' worden, 'bei 72 wurden Änderungsvorschläge gemacht und eine Wiedervorlage empfohlen, 39 Titel mussten abgelehnt werden.' Ferner hieß es : 'Die häufigsten Diskussionen beziehen sich auf Texte ...'

aus: Michael Rauhut: Rock in der DDR, Bonn 2002, S.16

Amiga Plattenlabel des DDR-Tonträgerproduzenten "VEB Deutsche Schallplatten". Das Repertoire von "Amiga" umfasste Tanz- und Unterhaltungsmusik von Künstlern aus der DDR. Auswahl der Künstler, ihrer Stücke und Texte unterlag den staatlichen Vorgaben der DDR-Kulturpolitik. Als Markenname für Veröffentlichungen von Tonträgern aus der DDR-Zeit wird "Amiga" weiterhin verwendet.