Quelle 9 Arbeitsauftrag 4 (Sek II)

1972/73: Zur Situation im Umfeld des Films "Legende von Paul und Paula" und des Titels "Wenn ein Mensch lebt"

"Aufbruchstimmung herrscht auch in der DDR. Eine nie gesehene Liberalität macht sich breit. […] Und es schallt sogar was rüber: 'Wenn ein Mensch lebt' ist der erste DDR-Hit, der auch im Westen gehört wird. … Die Partei scheint kapiert zu haben: Pop-Stars heben die Stimmung im Staat. […] … und die Puhdys zeigen sich linientreu, als Arbeiter an Instrumenten und nicht als Stars im Sozialismus […]." (Wagner, Peter: Pop 2000, Hamburg 1999, S. 94 f.)

"Meine Freundin ist schön, als ich aufstand, ist sie gegangen. […] gewaltig waren die Gefühle, tief die Konflikte. […] Kurzum, der Film war eine einzige Provokation. Er musste sich heftige Attacken gefallen lassen. Die kamen weniger aus dem Kinoparkett als aus der Riege der obersten Zensoren. Sie beanstandeten, dass eine zeitgenössische Filmheldin ungeachtet sozialistischer Lebensverhältnisse zu Tode kam – und sei es wegen einer riskanten Schwangerschaft.

Integer präsentierte Nacktheit galt ihnen immer noch als Skandal. […] Obendrein Rockmusik voller aufmüpfiger Energie, mit Texten, deren biblische Anspielungen kaum zu überhören waren." (Gerulf Pannach in: Wicke/Hannover (Hg): Puhdys – eine Kultband aus dem Osten, Hannover 1994, S. 43)

"Ich hörte [1970] nur Westsender, und da spielten die Puhdys keine Geige. Für mich waren die Beatles sowieso die Größten. […] Und wie hatte Walter Ulbricht doch gleich auf dem 11. Plenum des ZK der SED gewettert: 'Ist es denn wirklich so, dass wir jeden Dreck, der aus dem Westen kommt, kopieren müssen? Ich denke, Genossen, mit der Monotonie des Yeah Yeah Yeah sollte man doch Schluss machen.' […] Wir aber gackerten uns die Seele aus dem Leib, wenn wir […] von besseren Zeiten träumten. Die Puhdys gehörten für mich da nicht hinein. Das änderte sich 1973 schlagartig. Da nämlich kam der Film 'Die Legende von Paul und Paula' in die Kinos. […] Und wir lachten und sangen mit. […] …später heulten wir Krokodilstränen. Da sangen die Puhdys 'Wenn ein Mensch kurze Zeit lebt'. Paula stirbt nämlich am Schluss, weil sie noch ein Kind von Paul will und eigentlich keins mehr kriegen darf. […] Seitdem gehörten die Puhdys zu meinem Leben dazu." (Heide-Ulrike Wendt in: Wicke/Hannover (Hg): Puhdys – eine Kultband aus dem Osten, Hannover 1994 S. 24 f.)

Aufgaben:

  • 1. Fassen Sie die Aussagen zum Film "Die Legende von Paul und Paula" zusammen.
  • 2. Welche Rolle spielte der Film (und die Puhdys-Musik) im gesellschaftlichen Gefüge der DDR Anfang der 70er-Jahre?
  • 3. Recherchieren Sie, ob noch andere Aspekte in der DDR Anfang der 70er-Jahre einen "Umbruch" belegten.
  • Zusatzprojekt (Oberstufe): Den Film "Die Legende von Paul und Paula" besorgen und anschauen. Nachfolgende Auswertung: Diskussion über die gesellschaftlich-politische und/oder künstlerische Dimension des Filmes.